E-Sport – Schwitzen ist erlaubt!

Games 09.03.2016

Seit Jahren befindet sich der E-Sport, egal ob DOTA 2, League of Legends oder Counter Strike, auf einem steilen Weg nach oben. Diesen Aufwärtstrend erleben die Preisgelder, die Taktiken und die Produktionsqualität der Events. Trotzdem meinen immer noch viele, dass es sich beim „Computer Spielen“ nicht um richtigen Sport handeln kann. Diesen Zweifel können wir nun ausräumen und allen diesbezüglichen Vorurteilen ein Ende setzen. Professor Ingo Froböse einer deutschen Sporthochschulebegann sich schon vor fünf Jahren mit dem neuen Phänomen auseinanderzusetzen. Seine Studien brachten bemerkenswerte Fakten zu Tage. Diese loben aber nicht nur den E-Sport, sondern regen auch zum Nachdenken an.

E-Sportler agieren auf dem Niveau von Athleten

Im Zuge dieser wissenschaftlichen Studie wurden mehrere verschiedene Werte bei aktiven E-Sportlern gemessen, um einen Vergleich mit anderen Sportarten ziehen zu können. Zuerst gehen wir aber auf einen Wert ein, der den Professor ebenfalls begeistert hat und erfahrenen Gamern schon lange bekannt ist. In vielen E-Sport Disziplinen schaffen die Spieler rund 400 verschiedene Aktionen mit Maus und Tastatur pro Minute. Das gilt als besonders hohe Herausforderung, da beide Hände hier asymmetrisch agieren und folglich außerordentlich viele Bereiche im Gehirn beansprucht bzw. aktiviert werden. Laut Froböse agieren nicht einmal professionelle Tischtennisspieler auf diesem hohen Niveau.

Aber das Team der Sporthochschule wollte auch weniger offensichtliche Daten erheben. Dazu wurde das Hormon Cortisol während E-Sport Wettkämpfen gemessen und auch andere biometrische Daten, wie Herzfrequenz, blieben nicht unbeachtet. Der Cortisolspiegel befindet sich bei den E-Sportlern auf einem ähnlichen Level wie bei Rennfahrern. Diese Erkenntnis stellt sich als besonders spannend heraus, da Beobachter der Szene schon lange diesen Vergleich anstellen. Rennfahrer sitzen nämlich während ihren Wettkämpfen ebenso. Sie sind gleichzeitig hohen geistigen und motorischen Belastungen ausgesetzt.

Noch spannender wird es aber bei der Betrachtung der Herzfrequenz. Diese kann nämlich auf Werte zwischen 160 und 180 Schläge pro Minute ansteigen. Dieser Wert lässt einen Vergleich mit professionellen Marathonläufern zu. Die Erkenntnis überrascht bestimmt viele Kritiker und auch Zocker. Denn diese hohe Belastung merken beide Gruppen sehr selten. Gerade für die professionellen Gamer birgt dies einiges an Gefahrenpotential, welches tatsächlich in der Szene zur Realität gehört.

Pro-Gamer bereiten sich zu wenig auf die Belastungen vor

Obwohl diese Studie den E-Sport in ein besseres Licht rückt, zeigt sie auch die großen Mankos der Szene auf. Die Mehrheit der E-Sportler trainiert nämlich einfach nur durch lange Gaming Sessions. Das kann in jungen Jahren noch funktionieren, da der Körper die hohen Belastungen noch eher vergibt. Doch laut dem renommierten Sportwissenschaftler handelt es sich dabei um ein falsches Vorgehen.

Der Professor empfiehlt neue Trainingspläne für den E-Sport zu entwickeln, damit die Gesundheit der jungen Athleten geschont wird. Durch diese Maßnahme könnte sich auch die Zeitspanne, in der die Pros ganz oben mitspielen können, um einige Jahre erhöhen. Derzeit ist es nämlich tatsächlich so, dass ein 30-jähriger E-Sportler schon zum Urgestein der Szene gehört. Viele der professionellen Gamer gehen schon mit rund 25 in Rente und widmen sich wieder ihrem Studium oder werden Kommentatoren, wenn sie ausreichend Charisma für diese Aufgabe besitzen. Für Ingo Froböse hängt dies unbestreitbar mit den aktuellen Trainingsmethoden zusammen.

Das Team der Sporthochschule drängt darauf, geplante Pausen einzulegen und nicht nur die Hand-Augen-Koordination und das taktische Verständnis zu trainieren, sondern auch die Nacken- und Schultermuskulatur. Über Umwege würde dieses Training wiederum der Feinmotorik in den Händen und Armen zu Gute kommen. Die Umsetzung solcher Ratschläge dürfte aber höchstens eine Frage der Zeit sein, denn während die Preisgelder und damit die Konkurrenz ständig anwächst, werden professionelle Teams immer stärker darum bemüht sein, das Optimum aus ihren Athleten herauszuholen. Ab einem gewissen Punkt ist dies einfach nicht mehr nur über das reine Training am PC möglich. Die Erkenntnisse von Ingo Froböse könnten also bald noch mehr bewirken, als nur die Karriere von Pro-Gamern zu verlängern und dem E-Sport mehr Reputation zu verleihen. Vielleicht führt diese Studie bald zu noch genialeren Plays in unseren Lieblingsgames!

Quelle: http://www.dw.com/de/sportwissenschaftler-esports-profis-sind-wahre-athleten/a-19011581