Fittere Menschen sind fittere Gamer

Games 21.08.2015

Wenn wir unser Lieblingsspiel der älteren Generation erklären wollen, dann wird oft ein Vergleich mit Schach herangezogen. Es ist auch absolut korrekt zu sagen, dass E-Sport viele Parallelen zu Denksport hat. Wir können hier auf einen spannenden Fakt aus der Schach-Geschichte hinweisen. Der legendäre Weltmeister Bobby Fisher hat vor seinem Match gegen Spassky nicht nur Schach trainiert, sondern mit mehreren Box-Trainer ebenfalls sehr ausgiebig seinen Körper. Seine Begründung dafür war, dass körperliche Fitness eine Grundvoraussetzung für ungebrochene und lange Konzentrationsstrecken ist. Im E-Sport ist dies nicht anders und so erkennen zunehmend mehr Spieler, dass sie nicht nur ihre APM steigern müssen oder an ihrer Team-Kommunikation zu arbeiten haben. Rein physische Trainingseinheiten im Fitnessstudio oder auf Laufstrecken verbessern ebenfalls die Leistung an Maus und Tastatur – vor allem wenn längere Turniere absolviert werden.

Langsame Besinnung auf körperliche Fitness im E-Sport

Einer der ersten Spieler an den wir uns erinnern, der schon im Jahr 2003 erwähnte wie wichtig körperliche Fitness im E-Sport ist, war der Warcraft III Spieler MadFrog aus Schweden. Traurigerweise hat sich diese Vorstellung, über zehn Jahre später, noch immer nicht vollständig durchgesetzt. Der Hauptgrund dafür sind die ausgedehnten Trainingsstunden, die im Spiel selbst verbracht werden müssen. In der Regel kommen Spieler an die Spitze, die bereit sind, wirklich Tag ein und Tag aus zu trainieren, ohne wirklich ein anderes Hobby zu haben. So scheint es auf den ersten Blick fast widersprüchlich, dass ein Pro-Gamer ebenfalls physisch gut in Form sein sollte.

Es muss aber ebenfalls erwähnt werden, dass mehr und mehr Top E-Sportler das körperliche Training für sich entdecken und kaum ein Gamer wirklich die positiven Auswirkungen von Fitness abstreitet. Alle wissen, dass Sport für die Aufrechterhaltung der Konzentration hilfreich ist und dass ausgleichende Tätigkeiten das Risiko der gefährlichsten E-Sport-Verletzung, nämlich Sehnenscheidenentzündung, mindert. Nur in der persönlichen Liste der Prioritäten befindet sich physisches Training meist eher noch weit unten.

Fitness wird fast zwangsläufig wichtig im E-Sport

Nur weil derzeit der Fitnesszustand der Spieler nicht die höchste Priorität genießt, ist dies kein Grund sich auf die faule Haut zu legen – schon gar nicht wenn draußen die Sonne scheint. Wenn wir uns an die ersten The International in DOTA 2 zurück erinnern, dann fällt auf, wie sehr die chinesischen Teams das Spiel verändert haben. EHOME hatte einen Trainer, der hinter den Spielern mit einem Play-Book, wie im Fußball, stand. Das steigerte die Professionalität des E-Sport fast über Nacht. Heute würde ein LoL-Team ohne Coach nur mehr belächelt werden. Aber umso professioneller ein Sport wird, desto mehr wird versucht nur den kleinsten Vorteil durch die minimalste Optimierung zu erhaschen. Ein sehr anschauliches Beispiel wäre ein Vergleich eines Formel 1 Wagens von heute und eines Wagens aus dem Jahr 2000.

Wenn wir dieser Logik folgen und die steigenden Preisgelder und die zunehmenden Zuseher-Zahlen mit erhöhter Professionalität gleich setzen, dann ist es nur mehr eine Frage der Zeit bis ein paar Stunden im Fitnessstudio zum Trainingsplan der Profi-Teams gehören. Denn bei der körperlichen Verfassung sind sich so ziemlich alle einig, dass sie einen Vorteil im E-Sport bringt. Leider wurde dieser Faktor bisher kaum berücksichtigt. Wenn es also um weitere Leistungssteigerungen geht, könnte die Fitness bald auf dem Plan stehen.

Vielleicht arbeiten in ein paar Jahren einige Pro-Gamer, wie der derzeitige Schach-Weltmeister Magnus Carlsen, nebenher als Model. Schaden würde diese Entwicklung dem E-Sport keinesfalls.

Zocken und Gesundheit

Natürlich sind wir nicht alle Pro-Gamer und müssen nicht in Turnieren die letzten Prozente aus uns raus holen. Das mag zwar richtig sein und Gaming macht endlos viel Spaß, sollte aber gerade deshalb nicht endlos ohne Abwechslung betrieben werden. Vor allem das lange Sitzen kann sehr schädlich für unseren Körper sein und dagegen hilft es nur bedingt, wenn am Morgen eine Stunde gejoggt wird und dies als Begründung genommen wird, im Anschluss vier Stunden zu zocken. Bei längeren Gaming-Sessions sind die regelmäßigen Pausen besonders wichtig. Mindestens einmal pro Stunde sollte man aufstehen und sich ein wenig bewegen. Wenn dies eingehalten wird, dann macht das Zocken vielleicht auch im Rentenalter noch Spaß – DOTA 3000 wir kommen!