Gaming für wohltätige Zwecke
Games 03.08.2017

Einige Jahre lang war der Enthusiasmus der Gamer-Gemeinde ungebremst und die Finanzierung von Videospielen auf Kickstarter und ähnlichen Plattformen wie Indiegogo und RocketHub war ein lohnendes Geschäft. Es bildeten sich sogar eigene Crowdfunding-Plattformen ausschließlich für Games. Neben vielen kleinen Spielen wurden auch große Projekte bekannter Entwickler von den Fans finanziell unterstützt beziehungsweise erst ermöglicht. Schon kurze Videos oder auch nur die Beschreibung einer Idee genügten, um mitunter unzählige Gamer zum Spenden zu bewegen. Aber seit einiger Zeit nimmt die Zahl der erfolgreich geförderten Gaming-Projekte deutlich ab. Ist es mittlerweile sinnlos, über Crowdfunding Games zu finanzieren? Hat eine solche Kampagne überhaupt noch Aussichten auf Erfolg? Wir sind dem Abwärtstrend auf die Spur gegangen.

Die Wende in der Finanzierung von Games: Tim Schafers Broken Age

Auch wenn es Crowdfunding schon länger gab, ist der Boom in der Gaming-Branche untrennbar mit einem Namen verbunden: Tim Schafer. 2012 startete er relativ spontan eine Kickstarter-Kampagne für das spätere Spiel Broken Age, das damals kein Publisher unterstützen wollte. Tim Schafer ist vor allem Fans von Point & Click Adventures ein Begriff, schließlich hat er bei Klassikern wie Monkey Island mitgearbeitet. Dementsprechend groß war das Vertrauen der Fans, ihr Geld sei bei Schafer gut angelegt. Und Vertrauen braucht es beim Crowdfunding durchaus: Schließlich schießen die Backer finanzielle Mittel für ein Produkt vor, das es noch gar nicht gibt. Das Ergebnis der Crowdfunding-Kampagne für Broken Age: Schafer hatte innerhalb von 24 Stunden bereits über 1 Million US-Dollar beisammen – viel mehr, als er selbst veranschlagt hatte. Dieses Crowdfunding-Projekt war der Wendepunkt, seitdem konnte man von einem Boom sprechen: Ständig gab es neue Gaming-Projekte, die von enthusiastischen Fans unterstützt wurden. Hier einige besonders erfolgreiche Beispiele:

  • Brian Fargo von inXile Entertainment zeichnet für gleich mehrere äußerst erfolgreiche Kickstarter-Kampagnen verantwortlich: Wasteland 2 wurde mit 2,9 Millionen US-Dollar unterstützt; Torment: Tides of Numenera sogar mit unglaublichen 4,2 Millionen US-Dollar.
  • Ron Gilbert und Gary Winnick – wie Tim Schafer Monkey-Island-Veteranen – holten sich für das 2017 erschienene Grafik-Adventure Thimbleweed Park ebenfalls die Fans mit an Bord: Diese gaben mit knapp 625.000 US-Dollar deutlich mehr als die gewünschten 375.000.
  • Ein erfolgreiches Indie-Projekt war Project Rain World vom Entwickler Rain World, das mit über 60.000 US-Dollar unterstützt wurde.

Negativbeispiele bestimmen die Presse

Thimbleweed Park ist nur eines von vielen aktuellen Crowdfunding-Games. Nach wie vor werden viele Spiele erfolgreich unterstützt und somit eine Entwicklung überhaupt erst möglich gemacht. Doch in den letzten Jahren bestimmten vor allem die negativen Beispiele die Berichterstattung. Wurde ein besonders optimistisches Ziel um Längen verfehlt, berichteten die Medien eher darüber als über ein kleines Indie-Game-Projekt, das sein Ziel erreicht hatte. So brach Uber Entertainment die Kampagne für Human Resources ab, als nach zwei Wochen von den veranschlagten 1,4 Millionen US-Dollar erst 400.000 US-Dollar zusammengekommen waren – mit Planetary Annihilation hatte Uber Entertainment zuvor einen riesigen Erfolg gelandet und 2,3 Millionen US-Dollar über Kickstarter eingesammelt.

Der Hype ist vorbei – das Crowdfunding geht trotzdem weiter

Die große Masse an Games, die per Crowdfunding finanziert werden, ist jedoch wohl vorbei – die Zahlen sprechen für sich. Trotzdem ist das kein Grund, Crowdfunding ein für alle Mal abzuschwören. Es war zu erwarten, dass der anfängliche Enthusiasmus über diese alternative Finanzierungsmethode irgendwann nachlassen würde. Wie erwähnt, spielt beim Crowdfunding vor allem Vertrauen eine wichtige Rolle. Und mittlerweile gibt es eben auch einige Beispiele, die potenzielle Backer doch etwas mehr zögern lassen, bevor sie ihr Geld in ein Spiel investieren, das bislang bloß als Idee existiert. Schließlich gibt es keine Garantie, dass das Game wirklich erscheint oder dass das Endprodukt wirklich das verspricht, was man erwartet hat. Das berühmteste Beispiel für ein erfolgreich gefördertes Projekt, das jedoch lange auf sich warten lässt, ist Star Citizen. Während viele Fans das Spiel weiterhin mit ungebrochenem Enthusiasmus unterstützen, ärgern sich andere nur noch. 2012 wurde die Entwicklung von Star Citizen erfolgreich finanziert, und bereits 2013 war eine Alpha-Version verfügbar. Doch seitdem geht es mit dem Erscheinen einzelner Module nur langsam voran – noch immer steht für die erste Einzelspieler-Kampagne kein konkreter Release-Termin fest. Doch auch wenn sich die potenziellen Investoren mittlerweile gründlicher überlegen, ob sie ein Crowdfunding-Projekt unterstützen, haben gute Ideen nach wie vor eine reelle Chance für eine erfolgreiche Förderung. Denn grundsätzlich ist Crowdfunding sinnvoll: Schließlich finanzieren diejenigen die Games, die sie später auch tatsächlich spielen wollen.