Games 15.04.2016

Eigentlich hat schon jeder Gamer die eigene Lieblingswelt in Gedanken ausgebaut, weiterführende Storys erdacht oder kreative Vorgeschichten zu den coolsten Charakteren ersonnen. In manchen Fällen wurden diese Phantasien sogar als Fan Fiction zu Papier gebracht und teilweise sind durch diese gedanklichen Erweiterungen sogar erfolgreiche Romane entstanden. Obwohl die Grafik in Büchern nicht unbedingt mit Videospielen mithalten kann, lohnt sich der eine oder andere Ausflug in die Welten der Gaming Literatur, um vielleicht ein wenig mehr über die liebsten Charaktere zu erfahren. Aber zuerst verdeutlichen wir die enge Verschränkung von Games und Romanen anhand eines beeindruckenden Beispiels.

The Witcher 3: Wild Hunt

Eines der erfolgreichsten Spiele des Jahres 2015 wurde direkt durch eine Reihe von Kurzgeschichten und Romanen inspiriert. Durch die mitreißenden, digitalen Abenteuer des Hexers Geralt erhielt auch die Buchreihe einen ganz neuen Strom von Zusprüchen und Fans. Nach dem Lesen dieser Geschichten kehren die Gamer wieder zurück in die virtuelle Welt und entdecken dort plötzlich ganz neue, subtile Anspielungen auf die Vorlage. Es existiert also eine ständige Interaktion zwischen den verschiedensten Medien, und genau deshalb gehört es zu den coolsten Erfahrungen einen guten Gaming Roman zu lesen.

Zwei Bücher der Resident Evil Reihe: „Caliban Cove“ und „Underworld“

Wir führen dieses Beispiel an, da die Realfilme uns eigentlich weniger Informationen zu den spannenden Charakteren lieferten als die Games. Im Gegenteil dazu machen die Bücher alles richtig. Die meisten Romane halten sich sehr stark an die Spielvorlagen und fügen nur einige der interessanten Infos hinzu, über die wir bisher nur rätseln konnten. Charaktere, wie Jill Valentine oder Chris Redfield, erhalten ein ganz neues Gesicht. So funktioniert der Transport von einem Medium zum nächsten perfekt und es werden die jeweiligen Vorteile der einzelnen Plattformen ideal ausgenutzt.

Die zwei erwähnten Bücher gehen sogar noch einen Schritt weiter und füllen einige Lücken zwischen den Games auf. Wer also mit der Kontinuität im Resident Evil Universum ein paar Probleme besitzt, der sollte sich mit diesen zwei Romanen zu einer zombiereichen Lesestunde zurückziehen. Kein Fan wird diese Zeit ohne flackernden Bildschirm bereuen.

Hitman: Der innere Feind

Gerade für Fans der Hitman Spiele, die viel mehr über den mysteriösen Agent 47 erfahren wollen, als die Games oder Filme preisgeben, scheint dieser Roman eine wahre Goldmine zu sein. Die Handlung selbst passt gut in eine Welt mit Auftragskiller-Agenturen, aber überrascht eher weniger. Die genauen Hintergründe des berühmten Agenten tun dies schon eher. Als nette Draufgabe strotzt das Buch vor morbidem Humor, wie er einfach zu Hitman passt. Der Autor William C. Dietz hat hier bestimmt keinen neuen Faust verfasst, aber alles was sich ein Gaming Fan wünschen kann, der eine kleine Pause vom Geballer und ein wenig Ruhe braucht.

Der Roman über das Game schlechthin: Ready Player One

Gerade für die Gaming Community besitzt diese Geschichte einen besonderen Reiz. Das beschriebene, fiktive Game OASIS geht weit über alle aktuellen Versuche eine zweite Welt zu schaffen, hinaus. Weder Minecraft, noch Second Life oder die besten MMORPGs kommen an diese literarische Version heran. Trotzdem scheint die Vorstellung so naheliegend, dass sich kaum ein Gamer dieser zu entziehen vermag. Mit OASIS schafft der fiktive Entwickler James Halliday eine tatsächliche Parallelwelt mit besseren Universitäten und riesigem Marktpotential für große Konzerne. Die Entwicklung dieser Welt ging mit der Anhäufung eines neuen Vermögens einher. Als der Schöpfer stirbt, hinterlässt er eine Nachricht. Er hat im Spiel einige Easter Eggs versteckt und der erste Entdecker dieses Geheimnisses soll das ganze Vermögen des verstorbenen Milliardärs erben. Über lange Zeit hinweg wird niemand fündig und das Versprechen verwandelt sich in einen Mythos. Erst als Wade Watts das erste Rätsel löst, geht die Jagd wirklich los.

Ready Player One gehört zu den Top Gaming Romanen, weil er von einer Vielzahl von Spielen inspiriert wurde und doch von keinem einzigen. Er vereint die moderne Gamer Welt mit den nostalgischen Anfängen der 80er Jahre. Aufgrund dieser herausragenden Gründe gehört der Bestseller von Ernest Cline einfach zur Pflichtlektüre des modernen Gamers. Bald stecken wir vielleicht wirklich in einem Spiel mit den Dimensionen von OASIS und dann schließt sich erneut der Kreis zwischen Game und Buch.