Augmented Reality und Games – funktioniert das?

Games 05.08.2016

Die Form der Virtual Reality, die mittels Oculus Rift und HTC Vive dieses Jahr auf den Markt gekommen ist, versteht wohl jeder. Man setzt eine Brille auf und taucht in eine, virtuelle Welt ab. Das Konzept der Augmented Reality hingegen ist vielen noch nicht so klar, obwohl es Anwendungen und Augmented-Reality-Games schon seit geraumer Zeit gibt. Augmented Reality (übersetzt: erweiterte Realität) macht genau das, was der Name verspricht: Die wahrgenommene Realität wird durch ein Gerät erweitert. Das aktuellste Beispiel für ein erfolgreiches AR-Game ist Pokémon Go – mit dem Smartphone in der Hand machen sich Spieler weltweit millionenfach auf den Weg, um in der realen Welt Pokémon zu fangen. Die Karte, auf der man sich bewegt, entspricht dabei der realen Welt. Wenn man ein Pokémon fängt, wird es durch die Frontkamera des Smartphones in die reale Welt projiziert bzw. auf den Bildschirm. Pokémon Go zeigt ganz einfach, worum es beim AR-Gaming geht und was so alles möglich ist.

Augmented Reality abseits von Games

Das Konzept der Augmented Reality besitzt aber auch abseits von Spielen zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, die besonders auf dem Smartphone-Markt schon fleißig genutzt werden. So kann man sich mit diversen Apps bereits Informationen zu seiner Umgebung anzeigen lassen. Wer beispielsweise eine neue Stadt erkunden möchte, blickt auf den Bildschirm seines Smartphones und bekommt zahlreiche Informationen sowie Tipps angezeigt – wird die Kamera auf ein bestimmtes Gebäude gerichtet, zu dem Informationen hinterlegt sind, werden diese eingeblendet. Die Realität wird so durch zusätzlichen Input erweitert. AR-Spiele sowie Anwendungen machen sich dazu vor allem GPS, Kompass, Bewegungssensor und Kamera zu Nutze, um den Anwender zu verorten, seine Blickrichtung zu bestimmen und ihm so relevante Informationen zu zeigen. Smartphone oder Tablet sind aber keine optimalen technischen Lösungen, da man immer auf den Bildschirm schauen muss und ein Gerät in der Hand hält, weshalb die Industrie schon dabei ist, weitere Augmented-Reality-Devices herzustellen.

Wearables: Von Google Glass zur Microsoft Hololens

Um Augmented Reality zugänglicher zu machen und noch besser in die normale Wahrnehmung zu integrieren, haben diverse Hersteller begonnen, sogenannte Wearables zu entwickeln. Dabei handelt es sich um Brillen mit Kamera und Mini-Computer, die Inhalte direkt auf die Brillengläser projizieren, wodurch Informationen direkt in die Umgebung integriert werden, ohne dass man auf einen zusätzlichen Bildschirm schauen muss. Vorreiter ist Google Glass, die schon vor vier Jahren vorgestellt wurde und seit knapp zwei Jahren als Beta-Version in den USA erhältlich ist. Die weltweite Veröffentlichung steht noch aus. Weitere Hersteller machen sich den Ansatz der Google Glass vor allem im Sportbereich zu Nutze – beispielsweise Ski-Brillen, die anhand von GPS-Daten Strecken im Stile eines Navigationssystems anzeigen können. Ebenso erwähnenswert ist die Hololens von Microsoft, die besonders für Augmented-Reality-Spiele interessant sein dürfte, da sie auch über Gesten, Sprache sowie Kopf- und Augenbewegungen gesteuert wird und eine Art Kinect-Sensor verbaut ist, der die Umgebung scannt und dreidimensionale Ebenen erzeugt.

Gegenwart und Zukunft der Augmented-Reality-Spiele

Da Wearables wie Google Glass und die Microsoft Hololens weit von der Veröffentlichung für den Massenmarkt entfernt sind, gibt es AR-Spiele derzeit vor allem für Smartphones und Tablets. Mit Hilfe von Kamera und Sensoren werden virtuelle Inhalte auf dem Screen ergänzt. Durch den Hype um Pokémon Go hat das AR-Gaming mehr Aufmerksamkeit bekommen, obwohl es nicht das erste Spiel dieser Art ist. Das Pokémon-Go-Entwicklerstudio Niantic hat Ende 2013 bereits das Alternate-Reality-/ Augmented-Reality-Game Ingress veröffentlicht, das eine ähnliche Technik verwendet. Zwei Teams kämpfen darin darum, Bereiche der virtuellen Spielwelt zu erobern. Sie wird dazu anhand von Gebäuden, Denkmälern und anderen Orientierungspunkten in der realen Welt in Zonen eingeteilt, die man erobern kann. Eine weitere interessante Idee für AR-Gaming bietet das Spiel Paintball Arena, das mit mehreren Personen im WLAN gespielt wird. Das Handydisplay wird hier zum Visier und man "schießt" auf seine Mitspieler, die bei einem Treffer von Ihrer eigenen App darüber benachrichtigt werden. Eine schmerz- und farbfreie Variante des beliebten Real-Life-Paintballs. Geballert wird aber beispielsweise auch in Zombies Everywhere, das statt Pokémon Zombies in die echte Umgebung verfrachtet, die es wie in Zombiefilmen, -serien und -spielen üblich gilt, möglichst schnell zu eliminieren.

Interessant wird vor allem die Zukunft, wenn Wearables wie Google Glass oder die Hololens offiziell erscheinen. Vor allem das Gerät von Microsoft birgt viel Potential für Augmented-Reality-Spiele. Bei einer Präsentation des Gerätes hat das Unternehmen beispielsweise eine Variante von Minecraft vorgestellt, die sich in die Wohnzimmerumgebung eingefügt hat. Mit den Minecraft typischen Würfeln konnte also auf Teppich, Couch und Wohnzimmertisch fleißig gebaut werden.

Fazit: Das enorme Potenzial der Augmented Reality

Genau wie Virtual Reality birgt Augmented Reality enormes Potential – sowohl für Spiele als auch für normale und alltägliche Anwendungen. Wäre es nicht praktisch, auf seiner Brille Navigationsanweisungen zu finden, wenn man in einer neuen Stadt unterwegs ist? Oder Pokémon tatsächlich vor sich zu sehen, statt lediglich auf ein Handydisplay zu schauen? Bei Spielen wird sich vor allem die Frage stellen, was die Bedürfnisse der Spieler eher erreicht – eine komplett virtuelle und abgeschottete Welt oder eine Erweiterung der realen Umgebung? Ein großer Vorteil der Augmented-Reality-Spiele ist auf jeden Fall, dass man sich im Gegensatz zur Virtual Reality nicht abschottet. Im Gegenteil: Spiele wie Ingress oder Pokémon Go fördern sogar soziale Interaktion und das Zusammenspielen mit anderen. Im Gegensatz zu VR ist es um AR allerdings, abgesehen von den Pokémon, eher ruhig geworden. Wir werden also abwarten müssen, ob AR-Spiele eine glorreiche Zukunft haben oder doch erst einmal im Schatten der Virtual Reality stehen werden.