Cuphead: Schwerer geht's nicht

Cuphead – das Game mit dem Sprung in der Schüssel

© Studio MDHR

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Games | 06.11.2017

Oh wie niedlich das kleine Tassenmännchen mit dem gestreiften Strohhalm doch aussieht! Genauso die bunte Welt, die glatt einem Trickfilm der 1930er-Jahre entsprungen sein könnte. Sofort kommen uns Popeye und Betty Boop in den Sinn. Doch Cuphead wirkt nur aus einem Grund so liebenswürdig: Das Spiel will uns in falscher Sicherheit wiegen. Denn schon schiessen die Blümchen explodierende Samenkörner auf uns und will uns die Zwiebel mit ihrem Tränenschwall ertränken.

Ein leichtfertiger Deal mit dem Teufel

Die Story von Cuphead ist schnell erzählt: Die kleine Tasse und sein Becher-Bruder Mughead vertreiben sich die Langeweile im örtlichen Casino. Leider ist der Teufel höchstpersönlich Besitzer des Etablissements. Und als sich die beiden verzocken, bleibt ihnen als einziger Ausweg ein Pakt mit dem Herrscher der Unterwelt. Nun gilt es, die Spielschulden anderer einzutreiben, indem die Tassenbrüder deren Seelen einsammeln. Sonst müssen sie selbst auf ewig in der Hölle schmoren. Dabei können wir uns mit Cuphead als Einzelspieler ins Gefecht stürzen, oder Mughead im lokalen Koop-Modus als Unterstützung mit ins Boot holen.

Schwer, schwerer, Cuphead

Das Gewinnen der verlorenen Seelen ist jedoch selbst zu zweit kein leichtes Unterfangen. Wir korrigieren uns: Es ist das verdammt schwerste Unterfangen, das wir jemals auf uns genommen haben! Das Spiel besteht zum Grossteil nur aus Bosskämpfen – und zwar harten Bosskämpfen. Und wer sich für besonders clever hält und den Schwierigkeitsgrad auf „leicht“ setzt, wird vom fiesen Teufelchen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Denn die Seelen zählen nur dann, wenn wir sie uns mindestens auf dem normalen Schwierigkeitsgrad verdient haben. Eine äusserst frustrierende Erkenntnis.

Zwischen den Bosskämpfen können wir uns ein paar Taler für unsere Ausrüstung und Upgrades unserer Fähigkeiten verdienen, wenn wir kurze Run & Gun-Level bestreiten. Diese sind zwar im Gegensatz zu den Bossen fast schon als entspannend zu bezeichnen – aber eben nur fast. Auch dort will uns einfach nur alles töten, sei es ein niedlicher Pilz, eine Blume oder eine Haselnuss. Immer bewegen wir uns mit Höchstgeschwindigkeit und haben nur dann kurze Verschnaufpausen, wenn wir uns auf der Landkarte von einem Level zum nächsten manövrieren.

Bienenkönigin, dreiköpfiger Drache oder Möhre

Die Fantasie, mit der die Brüder Chad und Jared Moldenhauer von Studio MDHR Cupheads Gegner entworfen haben, verdient Applaus. Selten waren wir so hin- und hergerissen zwischen Begeisterung und Hass. Wenn uns die Bienenkönigin mit ihren Arbeitsdrohnen, eine garstige Kartoffel oder sogar ein Spielautomat an den Kragen wollen, ist das einfach nur skurril anzusehen. Gerade diese Faszination, die von der bunten Welt mit ihren abgedrehten Bewohnern ausgeht, ist es, die uns trotz ständiger Fluch-Tiraden dazu bringt, uns im Anschluss gleich den nächsten Gegner vorzuknöpfen. Wir Gamer sind schliesslich auch leidensfähig.

Eine Zeitreise mit Retro-Optik und Big-Band-Sound

Wir geben zu: Die tolle Grafik mit Retro-Charme und das niedliche Erscheinungsbild von Cuphead und all den abgedrehten Gegnern entschädigen schon ein wenig für den extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Das Game wurde vollständig per Hand am Leuchttisch gezeichnet. Selbst an Details wie ein leichtes Flimmern, kurze Bildstörungen oder Verunreinigungen haben die Entwickler gedacht. Diese detailverliebte Optik in Kombination mit dem stimmungsvollen Soundtrack machen das Spiel trotz all unserer neuen grauen Haare zu einem tollen Erlebnis. Denn die jazzigen Klavierstücke treiben uns in den Leveln fast automatisch immer schneller voran und passen einfach wie die Tasse auf die Untertasse.

Gut Ding will Weile haben

Handgezeichnete Trickfilme sind nicht ohne Grund quasi ausgestorben: Sie sind aufwendig in der Fertigung und haben dementsprechend ihren Preis. Weswegen auch der Release-Termin für Cuphead mehrmals verschoben wurde. Doch das Warten hat sich gelohnt – zumindest für alle masochistisch veranlagten Gamer. Denn wer sich Cuphead stellt, muss schon irgendwie gerne leiden. Für Casual Gamer ist diese Indie-Perle nichts. Cuphead verlangt unsere vollste Konzentration und viel Hingabe. Die Gegner werden immer schwerer, und wir sterben immer mehr virtuelle Tode – und das trotz einer sehr guten Steuerung. Das befriedigende Erfolgsgefühl ist dann jedoch umso grösser, wenn wir Stück für Stück auf den Sieg hingearbeitet haben.