Games 11.01.2017

Brettspiele haben in den letzten Jahren eine echte Renaissance erfahren. Längst sind sie nicht mehr nur etwas für den Weihnachtstag bei Oma, sondern ein hipper Weg, sich zusammen mit ein paar Freunden einen netten Abend zu machen. Ein Grund ist, dass sich der Markt der Gesellschaftsspiele verändert hat: Abseits der Klassiker haben sich viele tolle neue Konzepte an die Spitze der Verkaufscharts gesetzt. Grund genug für Spieleentwickler, zwei unterschiedliche Genres zusammenzubringen und auch Brettspiele mit Games-Lizenzen zu entwickeln. Wieso also beim nächsten Spieleabend nicht das Witcher Brettspiel oder eine andere Analog-Umsetzung eines Computerspiels spielen? Nerds und Gamer werden der Idee sicher nicht ganz abgeneigt sein. Wir stellen einige der interessantesten Brettspiele vor, die auf Games basieren.

Karten aus der Welt des Witchers: Gwent

Ein vollständiges und offizielles Gwent-Kartenspiel, das man aus dem Rollenspielhit The Witcher 3 kennt, wurde bislang leider noch nicht angekündigt. Allerdings gibt es dennoch Möglichkeiten, das Kartenspiel offline mit einem Freund zu spielen. Ein kleines Gwent-Deck lag den Boxen des Witcher 3 Add-Ons Blood and Wine bei. Mit dem kleinen Kartenset lassen sich bereits einige Spiele Gwint spielen, auch wenn viele Decks und Sets aus der Witcher 3 Variante noch fehlen. Dafür müssen wir entweder auf eine vollständige Veröffentlichung als Kartenspiel warten, die sich CD Projekt Red auf Dauer sicher nicht entgehen lassen wird, oder unsere eigenen Karten anfertigen. Findige Bastler und Witcher Fans haben im Internet diverse Tutorials veröffentlicht, wie man sich seine Gwint Karten selbst herstellen kann.

Auf Darwins Spuren: das Civilization Brettspiel

Der Aufbau von Gesellschaften und Zivilisationen ist sowohl bei Brett- als auch Computerspielen ein häufiges Spielziel. Die wohl bekannteste Spielereihe am Computer ist Sid Meier's Civilization. Dort begleitet man eine Zivilisation von der frühen Steinzeit bis in die Zukunft und leitet ihre Geschicke in unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Militär, Diplomatie und vielen mehr. Und genau hier setzt auch die Civilization Brettspiel Umsetzung an: Zwei bis vier Spieler lenken in den zwei bis vier Stunden langen Spielen die Geschicke ihrer Zivilisationen in den Bereichen Forschung, Wirtschaft, Kultur, Militär und Co., errichten Weltwunder und sichern sich ihren Platz an der Spitze der Zivilisationen. Aufgrund der recht komplexen Regeln und der ziemlich langen Spieldauer ist das Civilization Brettspiel vor allem für eingespielte Gruppen geeignet, die kein Problem damit haben, sich auch mehrere Stunden mit einer Partie zu beschäftigen. Fest steht: Die Prämisse des Computerspiels wurde im Civilization Brettspiel besonders gut eingefangen und umgesetzt.

Spielspaß mit App: das XCOM Brettspiel

Eine interessante Umsetzung von digitalem Game auf Brettspiel ist das offizielle XCOM Brettspiel. Wie in der Software-Vorlage gilt es die Erde vor einer Alien-Invasion zu schützen, indem man UFOs abschießt, seine Bodentruppen in den Kampf gegen die Invasoren schickt und Technologien erforscht. Um die Aliens zu stoppen, arbeiten die zwei bis vier Spieler nicht gegen-, sondern miteinander. Der Clou: Für das Spiel wird eine spezielle XCOM Brettspiel App für Smartphones oder Tablets benötigt, die die Aliens verkörpert und das Spielgeschehen steuert. Das sorgt dafür, dass sich das Spielerlebnis jedes Mal anders gestaltet: Es geschehen unterschiedliche Ereignisse, wodurch sich die Bedrohungslage ändert und somit andere Aufgaben für die Spieler entstehen. Das Spiel ist in zwei Phasen aufgeteilt: die Entscheidungsphase in Echtzeit, für die nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht, und die Auswertungsphase, in der Entscheidungen in Ruhe ausgewürfelt werden. Das innovative Konzept und der Wiedererkennungswert der Vorlage machen XCOM zu einer tollen Brettspiele-Games-Umsetzung, die es sogar schafft, uns vom aktuellen XCOM 2 wegzulocken.

Mit Geralt am Tisch: das Witcher Brettspiel

Wem Gwent nicht genug Witcher für den Gesellschaftsspieleabend ist, der wird sicher Interesse am The Witcher Board Game haben. Das Witcher Brettspiel bietet bis zu vier Spielern Spielspaß über mehrere Runden, die sich über etwa eine Stunde erstrecken. Als Witcher Geralt, Magierin Triss, Zwerg Yarpen oder Barde Rittersporn gilt es, durch die aus den Games und Romanen bekannte Welt zu reisen, Erfahrung zu sammeln und Quests zu erfüllen. Das Spiel legt einem dabei immer wieder Steine in den Weg und macht einem somit damit das Leben schwer. Das passt haargenau zur Grundstimmung der Witcher Welt, wie wir sie zuletzt in The Witcher 3: Wild Hunt erleben durften. Durch das Absolvieren von Haupt- und Nebenquests sammelt jeder Spieler Siegpunkte, die am Ende darüber entscheiden, wer die Runde gewinnt.

Wer holt sich den Kuchen? – das Portal Brettspiel

Eines der witzigsten Brettspiele mit Games-Wurzeln ist die Umsetzung des Puzzlespiels Portal, eines der beliebtesten Spiele von Steam-Vertreiber Valve. Der Witz der von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeierten Reihe wird im Portal Brettspiel hervorragend eingefangen und sorgt für viele unterhaltsame Stunden. Ziel von „Portal: The Uncooperative Cake Aquisition Game“ ist es, wie der Name verrät, möglichst viele Stücke des berüchtigten Kuchens zu sammeln und dabei seine Mitspieler auszustechen. Als Spielbrett dienen Testkammern, wie wir sie aus den Videospielen kennen, die sich jedoch im Spielverlauf immer wieder verändern. Hier gilt es für jeden Mitspieler als Testsubjekt die tödlichen Tests zu überstehen und sich Kuchenstücke zu verdienen. Aber Achtung: Die hart verdienten Stücke können bereits nach wenigen Sekunden schon wieder weg sein, denn die Mitspieler trachten allesamt nach den süßen Leckereien und können dabei wortwörtlich über Leichen gehen! Das Besondere am Portal Brettspiel ist, dass man seine Mitspieler durch fiese Spielzüge so richtig ärgern kann.

Fazit: Dem Gamer-Spieleabend steht nichts im Wege

Brettspiele und Games: Diese Kombination funktioniert tatsächlich. Neben den vorgestellten Titeln gibt es noch hunderte weitere Titel, die auf Computerspielen basieren. Darunter befinden sich auch echte Spieleklassiker, die mit dem Setting bekannter Games neu aufgesetzt werden, wie beispielsweise das Fallout Monopoly oder das Starcraft Risiko. Interessanter sind aber meistens eigens produzierte Gesellschaftsspiele, die den Geist der Videospiel-Vorlage einfangen und in ein Gesellschaftsspiel übersetzen. Die Beliebtheit des „Genres“ zeigt sich auch immer wieder in Crowdfunding-Kampagnen via Kickstarter und Co., die sich solchen Umsetzungen widmen. Ein aktuelles Beispiel ist das Dark Souls Brettspiel, das am Ende der Finanzierungsphase satte 5,4 Millionen US-Dollar sammeln konnte und damit das Ziel der Entwickler von 72.000 Dollar weit übertraf. Für Nachschub für den analogen Spieleabend unter Zockerfreunden ist also gesorgt.