Von der Spielkonsole auf die Leinwand

Games 27.06.2016

Seit jeher werden in Hollywood Filme produziert, die auf Vorlagen basieren. Seien es Romane, Theaterstücke und Erzählungen oder Remakes von alten Filmen und Fernsehserien. Seit den 90ern wird in der Traumfabrik allerdings auch immer wieder versucht, Spiele zu verfilmen – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aktuellstes Beispiel ist der Warcraft-Film. Rund 160 Millionen US-Dollar haben Spielehersteller Blizzard Entertainment und Produktionsfirma Legendary Pictures in das Projekt gesteckt. Außerdem wurde Regisseur Duncan Jones engagiert, um einen Film über die Warcraft-Geschichte umzusetzen. Ebenso heiß erwartet ist der Assassin's Creed-Film, der im Dezember 2016 weltweit in den Kinos startet. Aber auch Ratchet & Clank von Sony sowie die Angry Birds-Verfilmung von Rovio Entertainment und ebenfalls Sony haben dieses Jahr bereits für Aufmerksamkeit gesorgt, auch wenn (oder gerade weil) sie Kinder und Familien ansprechen. In dem Genre findet gerade ein Wandel statt und die Qualität wird besser, denn Spiele-Verfilmungen der Vergangenheit waren zumeist absolute Flops oder eher mittelmäßige Actionstreifen.

Mehr Flop als Top – Spiele-Verfilmungen in der Vergangenheit

Über 30 Spielemarken haben den Sprung von der Spielkonsole auf die große Kinoleinwand bereits vollzogen und fast alle blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Die erste Spiele-Verfilmung ist der 1993 erschienene Film Super Mario Bros., der auf den gleichnamigen Nintendo-Klassikern basiert – und irgendwie auch nicht. Denn außer dass Mario (Bob Hoskins), Luigi (John Leguizamo), King Koopa/Bowser (Dennis Hopper) und Prinzessin Daisy im Film auftauchen, ist die Handlung so abenteuerlich wie konstruiert. Der Film wird den großartigen Jump and Runs absolut nicht gerecht. Aber auch Spiele-Verfilmungen wie Street Fighter, Mortal Kombat oder Wing Commander können in den 90ern weder Film- noch Spielefans überzeugen und werden von Kritikern zu Recht in der Luft zerrissen. Erste Lichtblicke guter Spiele-Verfilmungen gab es dann in den frühen 00er-Jahren: Mit Lara Croft (gespielt von Angelina Jolie), dem Auftakt der Resident Evil-Filmreihe (mit Milla Jovovich) und dem animierten Film Final Fantasy: The Spirits Within sind zwar keine Meisterwerke entstanden, jedoch unterhaltsame Filme, die sich vom Trash der 90er ein wenig abheben konnten. Ebenso waren die Spiele-Verfilmungen der 00er-Jahre aber auch vom deutschen Regisseur Uwe Boll gekennzeichnet, der sich auf eine Videospiel-Lizenz nach der anderen stürzte und kolossalen Trash produzierte. Immerhin erlangten die Boll-Filme für einige Leute, die das Trashige lieben, einen ganz eigenen Kultstatus. Unterm Strich entwickelte sich die Qualität der Verfilmungen von Videospiel-Stoff gegenüber den 90ern aber nicht allzu stark weiter. Da sich aber die Spiele selbst in den letzten Jahren immer mehr auf starkes Storytelling einlassen und filmähnlicher werden, bieten sie vielleicht bessere Grundlagen für gute Filme. Kommende Filme wie der Warcraft-Film, der Assassin's Creed-Film, die The Last of Us-Verfilmung sowie ein geplanter Uncharted-Film lassen zumindest hoffen.

Details zum Warcraft-Film

Satte 10 Jahre liegen zwischen der Ankündigung des Warcraft-Films durch Blizzard und Legendary Pictures und seiner letztendlichen Veröffentlichung. Bereits in der frühen Konzeptphase hat man den Film mehrfach verschoben, zahlreiche Drehbücher verworfen und händeringend nach einem passenden Regisseur gesucht. Zunächst sollte Sam Raimi (The Evil Dead / Spider-Man) im Regiestuhl Platz nehmen, wurde aber 2013 durch Duncan Jones (Moon) ersetzt – Uwe Bolls Bewerbung lehnte Blizzard übrigens vehement ab. Das kalifornische Entwicklerstudio war von Anfang an eng an der Produktion des Films zu Ihrem Warcraft-Universum beteiligt. Die Handlung des 160 Millionen US-Dollar teuren Fantasy-Films orientiert sich nah an der Warcraft-Story und dem Konflikt zwischen Menschen und Orks, nachdem die Orks durch ein dunkles Portal in die Welt Azeroth – Heimat von Menschen, Elfen und Zwergen – gekommen sind.

Details zum Assassin's Creed-Film

Bei der Assassin's Creed-Verfilmung war Publisher Ubisoft von Anfang an eng involviert. Das Unternehmen hat mit Ubisoft Motion Pictures 2011 sogar eine eigene Abteilung für Verfilmungen Ihrer Spiele gegründet. Etwa 150 bis 200 Millionen US-Dollar haben Ubisoft, Regency Enterprises u.a. in den Assassin's Creed-Film investiert. Im Dezember 2016 ist es soweit und der lang ersehnte Film kommt in die Kinos. Als Hauptdarsteller wurde Hollywood-Star Michael Fassbender verpflichtet, der dieses Jahr auch erneut als Magneto in X-Men: Apocalypse in den Kinos zu sehen ist. Die Handlung des Action-Films orientiert sich an der Spiele-Reihe. Der Animus, mit dem man Erinnerungen seiner Ahnen hautnah nacherleben kann, wird eine zentrale Rolle spielen. Fassbenders Charakter Callum Lynch erlebt in der Maschine die Geschichte seines Assassinen-Vorfahren Aguilar de Nerha im Spanien des 15. Jahrhunderts.

The Last of Us-Film und mehr – zukünftige Spiele-Verfilmungen

Neben dem Warcraft-Film und der Assassin's Creed-Verfilmung erwarten uns in Zukunft auch weitere Kino-Adaptionen von riesigen Spielehits. Allen voran ein Uncharted-Film und eine The Last of Us-Verfilmung, beide basieren auf den gleichnamigen Spielen von Sony und Entwicklerstudio Naughty Dog. Die Storys sind Spielern bereits in den gleichnamigen Games ans Herz gewachsen, da sich die Autoren hier bereits selbst übertroffen und nahezu filmreife Spiele geschaffen haben. Aber sowohl die Uncharted-Verfilmung als auch der The Last of Us-Film lassen noch auf sich warten. Der The Last of Us-Film befindet sich nach Auskunft von Neil Druckmann (Autor des Spiels) in der Entwicklungshölle und steckt noch in der Planungsphase, die übrigens eher schleppend vorangeht. Wir dürfen gespannt sein, ob sich das postapokalyptische Abenteuer direkt an der Handlung des Spiels orientiert, oder ganz andere Charaktere auf der Leinwand auftauchen. Ebenso mysteriös ist der Stand des geplanten Uncharted-Films, der angeblich am 30. Juni 2017 in die Kinos kommt, zu dem aber außer einer kurzen Story-Zusammenfassung nichts bekannt ist. Demnach soll sich die Story um die Suche nach El Dorado drehen – ganz so wie im ersten Uncharted-Spiel für die PS3.

Weitere Projekte, die bereits erwähnt wurden und in der Planungsphase durch Hollywood geistern sind Verfilmungen von Watch Dogs (Ubisoft), God of War (Sony), Tomb Raider (Square Enix), Halo (Microsoft), Splinter Cell (Ubisoft) und vielen anderen, zu denen es aber außer einer Idee oder Gerüchten noch keine Informationen gibt. Außerdem hat Nintendo-Präsident Tatsumi Kimishima vor kurzem gegenüber der japanischen Zeitung "Asahi" erwähnt, dass man in den nächsten zwei bis drei Jahren plane, Filme mit den beliebten Nintendo-Figuren umzusetzen. Ob es sich dabei um Real-Spiele-Verfilmungen, Animationsfilme oder gar Anime-Zeichentrick handeln wird, lässt der Firmenchef aber offen. Hoffen wir nur, dass es diesmal besser gelingt als 1993 mit Super Mario Bros. und dem großen Flop des ersten verfilmten Videospiels.