Games 02.05.2017

Wenn wir heute über Spiele sprechen, spielt auch die Technik eine immer wichtigere Rolle. Schnell fällt dann der Begriff der Spiele-Engine. Aber was ist das eigentlich? Bei einer Game-Engine handelt es sich um das „Framework“ für Spiele. Mit Framework ist in der Softwaretechnik eine Art technisches Gerüst gemeint, innerhalb dessen die Spiele erschaffen werden. Man könnte auch sagen, dass die Spiele-Engine der Baukasten ist, mit dessen Hilfe das Spiel Stück für Stück programmiert und zusammengesetzt wird. Das Wort „engine“ bedeutet auf Deutsch übrigens nichts anderes als „Motor“ – und so kann man die Spiele-Engine auch betrachten: als Motor, der das Spiel antreibt.

Die Grundlage für jedes Spiel: Ein komplexes Konstrukt

Spiele-Engine ist aber nicht gleich Spiele-Engine. Denn damit ein fertiges Spiel entstehen kann, müssen ganz unterschiedliche technische Bereiche ineinandergreifen – dazu gehören Grafik, Sound, Steuerung und vieles mehr. Eine Game-Engine kann von Grund auf für ein bestimmtes Spiel neu entwickelt werden und dementsprechend unterschiedliche Bausteine zusammenfassen; oder sie kann auf bereits bestehende Frameworks zurückgreifen und diese miteinander verknüpfen, sodass sie im Verbund funktionieren. Zentraler Bestandteil eines Spiels ist die Grafik-Engine – auf sie beziehen sich viele daher mit dem Begriff „Engine“ im engeren Sinne. Die Grafik-Engine sorgt für die Bildschirmdarstellung: von 3D-Modellen über Shader, Effekte und Texturen bis hin zu Text. Über eine besonders realistische und beeindruckende Darstellung definieren sich mittlerweile viele moderne Spiele-Engines. Ebenso wichtig sind aber auch Physik-Engines für ein möglichst realistisches physikalisches Verhalten in Spielen – und natürlich das Framework, das für den Sound zuständig ist und 5.1-/7.1-Surround-Sound-Anlagen ebenso füttert wie TV-Lautsprecher oder Kopfhörer.

Game-Engines als Dienstleistung

Leistungsstarke und leicht zu bedienende Spiele-Engines, die bereits vorhanden sind, sind ein Segen für Spieleentwickler. Eine Engine von Grund auf neu zu entwickeln erfordert nämlich enorm viel Zeit und Geld – weshalb zumeist bereits erfolgreiche und bewährte Engines immer wieder zum Einsatz kommen. Meist werden sie lizenziert und für das jeweilige Spiel nur noch modifiziert und je nach Bedarf erweitert. Bestes Beispiel ist die Unreal-Engine, deren erste Version 1998 von Epic Games (damals Epic MegaGames) veröffentlicht wurde: Die Softwareschmiede verkaufte die Engine an andere Studios und Publisher. So wurden im Laufe der Jahre dutzende Spiele mit ihr entwickelt und veröffentlicht. Mittlerweile befindet sich die Unreal-Engine in der vierten Generation. Ähnlich gehen auch Publisher mit erfolgreichen Frameworks um. Bei Electronic Arts entstehen beispielsweise besonders viele Spiele mit der bekannten Frostbite-Engine, die einst für Battlefield beim schwedischen Studio DICE entwickelt wurde, während Ubisoft-Produktionen häufig auf die Anvil-Engine setzen.

Die bekanntesten Spiele-Engines

Einige Game-Engines sind so bekannt und so weit verbreitet, dass so gut wie jeder Gamer sie kennt oder zumindest schon das eine oder andere Spiel gespielt hat, das auf ihnen beruht. Hier sind einige der bekanntesten Engines und die Spiele, die mit ihnen kreiert wurden:

Unreal-Engine: Die von Epic Games entwickelte und vertriebene Engine wird immer wieder eingesetzt. Sowohl grosse Publisher und ihre Entwicklerstudios als auch kleinere Teams und Indies benutzen diese Spiele-Engine. Zu den bekanntesten Titeln zählen Bioshock, Borderlands, die Mass-Effect-Trilogie, Dishonored oder Batman: Arkham Asylum.

CryEngine: Eye Candy made in Germany – die CryEngine des Frankfurter Entwicklerstudios Crytek spielt technisch und grafisch auf ganz hohem Niveau mit. Unter anderem basieren Far Cry, Crysis, MechWarrior Online und das 2017 erscheinende Prey auf dieser Spiele-Engine.

Frostbite-Engine: Ursprünglich hat DICE diese äusserst stabile und dank guter Skalierbarkeit sehr beständige Gaming-Engine für Battlefield entwickelt. Mittlerweile ist sie gewissermassen die Haus-Engine für alle Electronic-Arts-Studios. Neben Battlefield 1 und Star Wars: Battlefront befeuert sie unter anderem auch Fifa 17, Need for Speed 2015, Dragon Age: Inquisition und Mass Effect: Andromeda.

Anvil-Engine: Die von Ubisoft entwickelte Spiele-Engine kam erstmals bei Assassin's Creed zum Einsatz und treibt seitdem zahlreiche andere Ubisoft-Games an, zum Beispiel Rainbow Six: Siege, For Honor oder Steep.

Unity: Diese Engine gilt als eine der wichtigsten Innovationen der letzten Jahre, denn sie setzt keine spezielle Hardware voraus und lässt sich auch im Web-Browser oder auf Smartphones und Co. problemlos starten. Ausserdem ist sie kostenlos, was sie besonders für Indie-Entwickler interessant macht. Bekannte Spiele, die mit Unity entwickelt wurden, sind unter anderem Hearthstone, Gone Home oder Kerbal Space Program.

Source-Engine: Die Source-Engine wurde ursprünglich für das 2004 erschienene Half-Life 2 entwickelt und ist seitdem die Haus-Engine von Steam-Betreiber Valve, kam aber auch in Dutzenden anderen Titeln zum Einsatz. Sie befeuert Dota 2, Titanfall 2, Counter Strike: Global Offensive und viele weitere Games.