Echter Vorteil oder überteuertes Gimmick: Lohnen sich teure Pro-Controller?
Games 05/08/2017

Ob PC, PlayStation oder Xbox – für jede Plattform gibt es mittlerweile Pro-Controller. Doch können sie wirklich so viel mehr, als nur schick auszusehen? Bringen sie nur mehr Grip bei schweisstreibenden Bosskämpfen oder verändert sich die Spielweise wirklich? Lohnt sich die Investition nur für Profi-Spieler oder auch für den ambitionierten Hobby-Zocker? Wir geben einen Überblick über Pro-Controller sowie ihren Sinn und Unsinn.

Die Arbeitsgeräte der Profis: Pro-Controller

Während bei Konsolen die Controller automatisch dazugehören, stellen sie beim PC-Gaming in der Regel nur eine Alternative zu Tastatur und Maus dar. Letztere gibt es in unzähligen Varianten und mit jeder Menge Schnickschnack. Doch auch Pro-Controller sind von verschiedenen Herstellern erhältlich, und zwar in ebenso zahlreichen Ausführungen. In der professionellen Gamer-Szene gelten Scuf-Controller seit einer Weile als das Nonplusultra. Die Firma Scuf Gaming überarbeitet PlayStation- und Xbox-Controller und stattet sie mit zahlreichen Extras aus. Sie sind für eSport-Events zugelassen, und der Grossteil der Profis nutzt diese individuell angefertigten Eingabegeräte. Mit ihrer absolut rutschfesten Oberfläche, den vier Paddles auf der Rückseite und der flexiblen Gestaltung von Sticks und Steuerkreuz lassen sie sich an jedes Spiel und jeden Spieler anpassen.

Xbox One Elite Controller als neuer Massstab

Mit dem Elite Controller für die Xbox One hat Microsoft eine hauseigene Alternative zum Standard-Gamepad geschaffen: mit einer überaus wertigen Verarbeitung und Metall-Tasten und -Sticks in unterschiedlicher Länge sowie vielen Möglichkeiten zur Individualisierung. Spieler haben sogar die Wahl zwischen nach innen oder aussen gewölbten Gummiaufsätzen; das Steuerkreuz kann klassisch oder als Kreis gestaltet sein. Die grösste Neuerung im Gegensatz zum Standard-Controller stellen jedoch die vier Paddles auf der Rückseite dar, die mit Mittel- oder Ringfinger bedient werden können. Sie erlauben es beispielsweise zu schiessen, während der Daumen am Stick bleibt. Die Belegung der Tasten lässt sich individuell über eine App bestimmen.

Nacon vs. Razer: Lizensierte Pro-Controller für die PS4

Obwohl Microsoft mit dem Elite Controller stark vorgelegt hat, wollte Sony nicht nachziehen. Einen hauseigenen Pro-Controller für die PS4 wird es nicht geben. Aber dafür haben sich zwei andere Hersteller ans Werk gemacht und lizensierte Pro-Controller für die PS4 entwickelt. Der Nacon Revolution Pro Controller überraschte eingefleischte PlayStation-Fans mit seinem Design: Dieses ist nämlich an die Xbox-Controller angelehnt. Somit sind beispielsweise die Analogsticks nicht auf einer Höhe, sondern versetzt angeordnet. Doch die bunten geometrischen Formen, der PlayStation-Button und das Touchpad lassen schnell erkennen, dass es sich um einen PS4-Controller handelt. Auch dieser Controller bietet durch die rutschfeste Oberfläche mehr Halt bei aufregenden Gefechten, die Sticks sind besonders präzise zu kontrollieren, die grossen Aktionstasten enger zusammengerückt und auf der Rückseite befinden sich ebenfalls zwei zusätzliche Tasten, die mehrere gleichzeitige Aktionen ermöglichen. Der Nacon Revolution Pro Controller lässt sich über einen PC anpassen; um das optimale Gefühl beim Spielen zu haben, können Gamer sogar mehrere Gewichte einsetzen.

Der Razer Raiju Gaming Controller bleibt bei der Anordnung der Sticks der klassischen PlayStation-Lösung treu. Durch zusätzliche Schultertasten und zwei abnehmbare Trigger ist ein flexibleres Spielen möglich. Ein Bedienfeld am unteren Rand des Controllers ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen den selbst programmierbaren Profilen und direktem Zugang zu weiteren Einstellungen, beispielsweise der Lautstärke. Auch dieser Controller liegt äusserst gut in der Hand, ist ergonomisch geformt und bietet hohen Spielekomfort. Beide Controller sind mit allen PS4-Konsolen kompatibel und bieten sämtliche Funktionen, die wir von Dualshock-4-Controllern gewohnt sind. Zwei Wermutstropfen gibt es jedoch: Das kabellose Spielen ist weder mit dem Nacon- noch mit dem Razer-Gamepad möglich, und die Konsole lässt sich nicht über den PS-Button einschalten.

Für wen lohnt sich ein Pro-Controller?

Bei Profi-Spielern im eSport-Bereich sind Pro-Controller durchaus weit verbreitet. Schon der kleinste ergonomische Vorteil kann dort entscheidend sein: Ein zuverlässiger Grip, das schnellstmögliche Erreichen der Tasten und die Individualisierbarkeit der Gamepads ergeben für diese Spieler durchaus Sinn. Und wenn die Konkurrenz mit Pro-Controllern ausgestattet ist, benötigt man selbst natürlich auch das optimale „Handwerkszeug“. Durch das gleichzeitige Auslösen mehrerer Aktionen kann man so das Dauerfeuer eröffnen, noch während man um die Häuserecke springt. Auch schnelle Waffenwechsel gehen damit leichter von der Hand. Ob sich die Investition auch für den ambitionierten Hobby-Spieler lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Man kann sich so mitunter deutliche Vorteile sichern, denn anders als im Profi-Bereich nutzen eben viele Gegner die Standard-Controller. Pro-Controller bleiben im Hobby-Bereich jedoch eher ein Nice-to-have und sind vor allem für den Gamer geeignet, der sonst schon alles hat. Aber auf den Wunschzettel zu Weihnachten kann er ruhig wandern.