ESL One Frankfurt Recap

Games 24.06.2015

DOTA 2-Fans aus der ganzen Welt sind von 20. bis 21. Juni nach Frankfurt geströmt. Das ESL One Turnier dort ist das grösste Event vor The International und so haben einige der besten Teams der Welt versucht, ihr Können in Frankfurt zu beweisen. Schliesslich ist ein Sieg in Deutschland eine direkte Ansage an alle Teams, die in Seattle im August dabei sein werden.

Die Favoriten im Turnier

Von den acht Teams, die sich qualifizieren konnten, stachen durch ihre jüngsten Leistungen vor allem drei heraus. Das russische Team Virtus.Pro konnte bei der letzten Dreamhack Summer 2015 in Jönköping den Finalgegner Na'Vi sehr eindeutig besiegen. Obwohl das ukrainische Team rund um den Publikumsliebling Dendi eher weniger Erfolge seit dem letzten Internationalgefeiert hat, konnte es sich souverän wieder qualifizieren und kam immerhin in das Finale in Schweden. Ein so klarer Sieg kann also durchaus als Leistung gesehen werden.

Evil Geniuses stellt schon seit längerem eine Grösse im DOTA 2-Sport dar. Obwohl sich einiges in deren Aufstellung geändert hat, gehört das Team immer noch zu den grössten Favoriten in fast jedem Turnier. Vor allem ihr Neuzugang, Wunderkind Sumail, trägt stark zu dieser Dominanz bei.

Team Secret ging Anfang 2015 auf Einkaufstour und schloss Verträge mit Arteezy und zai ab. Seit dieser Zeit dominiert das Team die weltweite DOTA 2-Szene. Ein erster Platz beim Summit 3 und in der MarsTV DOTA 2 Spring League lassen diesbezüglich keine Zweifel zu.

Der Turnier-Ablauf der ESL One Frankfurt

Die Favoriten im Turnier machten schnell ihre Rolle klar und liessen ihren Gegnern kaum Freiräume in den Spielen. Evil Geniuses konnte die letztjährigen Zweitplatzierten des International souverän mit 2-0 in der ersten Runde besiegen. Virtus.Pro war dann im Halbfinale auch kein Gegner mehr für den jungen Virtuosen Sumail, der besonders am Carry-Leshrac zu überzeugen weiss. Im unteren Teil des Bracket gab Team Secret auf dem Weg ins Finale ebenfalls kein einziges Spiel ab. So standen sich Evil Geniuses und Team Secret ohne einen einzigen Loss im Turnier-Finale gegenüber. Würde einer der beiden Teams das letzte Best of 5 ebenso dominieren oder standen sich endlich ebenbürtige Player gegenüber?

Eine weitere Frage betraf Arteezy. Als ehemaliger EG-Spieler kannte er einen Teil des Teams, aber war ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt für die amerikanischen Gaming-Genies. Wem würde dieser Umstand einen Vorteil einbringen? Darüber hinaus ist Evil Geniuses-Spieler PPD für seine Drafting-Skills im Poker-Stil bekannt. Das konnte ebenfalls einen grossen Einfluss auf das Finale haben.

Der letzte Umstand kam schon im ersten Spiel wesentlich zum Tragen. Das ganze Game muss eindeutig den Drafting-Fähigkeiten von PPD zugesprochen werden. Obwohl Team Secret eindeutig die Publikumslieblinge in Frankfurt waren, ging ein wenig Erleichterung durch die Reihen, als der EG-Sieg es wahrscheinlich machte, dass es kein 3-0 werden würde. Der Draft-Vorteil bestand in erster Linie durch die Synergien zwischen den Helden im Late-Game.

Im zweiten Spiel war EG wieder eine kleine Nasenlänge durch den Draft voraus. Doch Frauen-Power gab Team Secret den entscheidenden Vorteil. Der Song der Naga-Siren konnte ausgezeichnete Ultis des Dark Seer kontern und die Crystal Maiden erschien manchmal so unbarmherzig wie eine Iron Maiden, denn sie dominierte mit ihren Ultis die ersten Teamfights enorm. Da konnte selbst der Überraschungspick Storm Spirit nichts mehr drehen.

Das dritte Game war bestimmt das Highlight der ganzen Serie und vielleicht des Turniers. Die Analysten lobten zwar den finalen Tinker-Pick von EG, aber die entscheidende Helden-Auswahl war wohl der Anti-Mage von Team Secret. Was geschehen kann, wenn man Arteezy diesen Helden Helden überlässt, beweist dieses Spiel eindrucksvoll. Im Allgemeinen schoss die Qualität dieses Games durch das Dach der Expo-Area. Die Geschwindigkeit mit der die beiden Teams hier aufeinander einschlugen, konnte so manchen Zuseher schnell schwindelig bis seekrank machen. Der Anti-Mage war am Ende aber dann doch zu viel. Da konnte auch die Ankündigung, eine Sven-Lehrstunde zu geben, von EG.Fear nicht helfen.

Das vierte Spiel war ein harter Kampf. Beide Teams errangen in diversen Spielphasen grosse Vorteile. Vor allem Fears Anti-Mage konnte fast an die Leistung von Arteezy im Game zuvor anknüpfen und der Bloodseeker schien kurze Zeit lang fast die falsche Carry-Wahl. Doch im Kampf rund um Minute 38:30 verschenkte Evil Geniuses den hart erkämpften Vorteil und während die Genies versuchten eher mit taktischem Positional Play ihren Vorteil zu nutzen, verstand es Team Secret, wie ein wahrer Meister, hart zuzuschlagen als sie die Chance bekamen. So war es dann ein verdienter Sieg für die Lieblinge der Fans in der Commerzbank Arena.

Lokalaugenschein in Frankfurt

Die Stimmung vor Ort war beeindruckend. Bei diesen Final-Games und beim Sieg des Publikumslieblings scheint dies auch wenig verwunderlich. Doch auch Autogrammgelegenheiten mit den Castern und Spielern trugen ihren Teil dazu bei. Der Cosplay-Wettkampf gehörte ebenfalls zu den Highlights in der Finanzmetropole Deutschlands und der Sieger dieses Wettbewerbs hatte es mit rund den 300 Stunden Arbeitsaufwand für sein beeindruckendes Kostüm ebenso verdient wie die Gewinner auf der DOTA 2-Bühne zu stehen. Die Spieler scheuten übrigens auch nicht den direkten Fan-Kontakt in der Expo-Area. Es kann also jedem E-Sport-Fan nur empfohlen werden das nächste ESL One Turnier zu besuchen, denn von einem legendären Event zu sprechen, wäre in diesem Recap fast eine Untertreibung.

Unter den weltweit angereisten Fans durfte paysafecard natürlich nicht fehlen. Wir haben für euch unsere besten Schnappschüsse dieses unvergesslichen Wochenendes in einem Facebook-Album zusammengestellt. Und auch auf unserem neuen Instagram Account findet ihr einige Impressionen aus der Commerzbank Arena in Frankfurt. Viel Spass beim Durchklicken!