Games 05.01.2016

Das Geschäftskonzept eines kostenlosen Spiels hätte noch vor 20 Jahren die meisten professionellen Spieleentwickler und Marketing-Experten schockiert. Es hätte sie vielleicht so verblüfft wie die Start-up-Idee Googles, keine Werbung auf der Startseite der Suchmaschine zu schalten. Vielleicht wären dieselben Experten auch über die Idee von Facebook verdutzt gewesen, welche in der Gründungszeit kaum ein Konzept für die spätere Monetarisierung enthielt. Fakt ist jedoch, dass sich heute alle drei Ideen in epischem Masse durchgesetzt haben. Facebook zählt mehr digitale Einwohner als ganz Europa und die Vereinigten Staaten zusammen, Google verdient jährlich Milliarden und Free2Play Spiele sind nicht mehr nur abgespeckte Demos. Grund genug, sich einmal kurz diesem unerwarteten Phänomen zu widmen.

Die unklaren Anfänge der F2P Games

Die ersten Free2Play Spiele lassen sich schwer eingrenzen, denn schon sehr früh wurden in kleinen Communities Programme mit Spielinhalten getauscht oder es gab Gratis-Spiele zu den Konsolen geschenkt (Tetris, Super Mario etc.). Zusätzlich feierten wohl eigens programmierte, kostenlose Mods die ersten weltweiten Erfolge. So würden vielleicht manche Ego Shooter Fans gerne Counter-Strike als das erste durchschlagende F2P Game sehen, obwohl es heute gekauft werden muss. Doch dieser Mod zu Half-Life verbreitete sich so rasch, dass Valve schnell den professionellen Vertrieb übernahm. Die Zeit für pure F2P Games war wohl noch nicht reif.

Ähnliches trifft auch auf Trackmania zu. Der erste Teil dieser Racing-Serie war ebenfalls frei verfügbar, doch schon die Fortsetzung wurde auf typischen, kommerziellen Wegen an den Mann und die Frau gebracht. Vielleicht rührt das Kostenlos-Konzept von einer komplett neu aufkommenden Art von Spielen her, nämlich den Browsergames. Diese Spiele, welche nicht einmal Speicherplatz auf dem PC benötigen, warben schon früh und ausgiebig mit dem Free2Play Konzept. Doch diese ersten browserbasierten Games von Big Point oder Zynga gehörten eher in die Kategorie „Pay to Win“ anstatt „Free to Play“. Ausserdem vermissten Spiele wie Battlestar Galactica Online doch den Replay Value eines vollwertigen clientbasierten Games. Diese Zeiten sind zwar lange passé, denn heute gibt es ausgezeichnete Browsergames, die tatsächlich das F2P Prinzip leben und die Zocker immer wieder faszinieren, aber die Anfänge der F2P Epoche sind wohl auch nicht dort zu finden.

Bevor wir den wahren und erfolgreichsten Pionier dieser Spiele-Kategorie nennen, wollen wir den heutigen Ansatz kurz definieren. Das wahre „Free2Play Konzept“ bietet den Gamern ein vollwertiges Spiel mit wahrer Spieltiefe, die ohne den Einsatz eines Cents für jeden Spieler zumindest theoretisch verfügbar ist. Zusätzlich bietet der Einsatz von Geld keine direkten Gameplay Vorteile gegenüber Spielern, die nichts investieren wollen. Reales Geld wird meist nur eingesetzt, um optische Verbesserungen zu erstehen.

Das erste eigenständige Game, welches genau diese Definition zu einem atemberaubenden Erfolg geführt hat, ist wohl League of Legends. Die Entwickler von Riot haben damit bewiesen, dass dieses Konzept ebenso Spass machen kann, wie es ungezwungen lukrativ ist. Damit veränderte sich unsere ganze Gaming-Welt tiefgreifend. Mehr und mehr Entwickler sprangen auf den Zug auf. DOTA 2 gehört in die F2P Kategorie, aber auch Spiele wie Path of Exile zählen dazu. Heute ermöglicht das F2P Genre eine einzigartige Spielewiese, die zu fesseln weiss. Die Palette reicht von Ego Shootern bis Echtzeitstrategie, und mit Wildstar existiert mittlerweile sogar ein wortwörtlich unendliches Weltraum MMORPG als „Free2 Play Titel“.

What goes around comes around

Das jüngste Kapitel der „Free2Play Geschichte“ führt eigentlich in die Anfänge der Gaming Welten zurück. Durch ihr Alter werden mehr und mehr Retro-Spiele frei verfügbar. So bieten Plattformen wie Steam oder gog.com zunehmend Klassiker für 0 Euro an. Darunter finden sich durchaus Dauerburner, die für stundenlangen Spielspass sorgen, wie Dungeon Keeper in der Gold Edition oder das klassische Panzer General 2. Diese neue Entwicklung im Free-to-Play-Bereich geniessen aber nicht nur die alten Zocker, denn dadurch lässt sich auch sehr effizient Marktforschung betreiben. Hohe Downloadraten dieser Retro-Games verführen moderne Entwickler dazu entsprechende Neuauflagen zu entwickeln, welche diese unsterblichen Gameplay Seelen einfangen, wie beispielsweise Panzer Corps. Wir haben also neuen und alten Spielespass der Geschichte des „Free2Play Genres“ zu verdanken.