Hellblade: Senua’s Sacrifice - die Abgründe der menschlichen Psyche

Brennender Baum, Silhouette einer Frau, die vor dem Baum steht
Games 24.08.2017

Bereits die Trailer liessen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und viele Gamer sehnsüchtig auf den Release von Hellblade: Senua’s Sacrifice hinfiebern. Und dabei handelt es sich „nur“ um ein Indie-Game vom britischen Entwickler Ninja Theory. Das vergisst man aber ganz schnell: Schon optisch ist Hellblade nämlich erstklassig und vor allem die Darstellung der Protagonistin Senua ist den Entwicklern äusserst gut gelungen. Ihre gesamte Mimik und sogar der Ausdruck ihrer Augen vermitteln ihre Gefühle sehr eindrücklich. Herausragend ist auch der Ton, den Gamer – wir werden es bestimmt noch öfter erwähnen – am besten über Kopfhörer geniessen, so wie es auch beim Spielstart empfohlen wird. Denn dann sind Senuas Ängste und Emotionen noch greifbarer.

Senua und die nordischen Götter

Senua ist zwar noch ziemlich jung, ihr kurzes Leben war jedoch bereits von vielen traumatischen Ereignissen geprägt. Wegen der Stimmen in ihrem Kopf war sie stets eine Aussenseiterin – bis sie Dillion traf. Dann aber wurde ihr Geliebter grausam hingerichtet. Um seine Seele zu retten und davor zu bewahren, auf ewig in Helheim gefangen zu sein, begibt sie sich auf eine Reise in die Unterwelt. Dort will sie Dillions Seele von Hel, der Herrscherin der nordischen Unterwelt, höchstpersönlich zurückverlangen. Während sie wortwörtlich durch die Hölle geht, löst sie Rätsel und bestreitet Kämpfe. Die Level sind linear angelegt, Nebenmissionen gibt es nicht. Lediglich die versteckten Runensteine, die dem Spieler etwas über die nordische Mythologie erzählen, muss er hin und wieder gezielt suchen – schliesslich gibt es für ihn eine Trophäe, wenn er alle entdeckt.

Immer dabei: Die Stimmen in ihrem Kopf

Auf ihrem Weg ist Senua jedoch nicht ganz allein. Immer sind nämlich auch die Stimmen in ihrem Kopf dabei, die während des Spiels nur selten einmal still sind. Ständig flüstern sie aus unterschiedlichen Richtungen durcheinander. Manche feuern Senua an, sie solle weitergehen. Andere schüren ihre Ängste und reden ihr ein, dass ihr Vorhaben sowieso zum Scheitern verurteilt sei. Doch die Spieler sollten die Stimmen nicht als belangloses Hintergrundrauschen missverstehen oder gar ignorieren - sie helfen einem oft, indem sie Senua zu verstehen geben, was sie tun muss. Oder sie warnen vor Angreifern hinter ihrem Rücken. So übernehmen die Stimmen gleich zwei wichtige Rollen im Spiel: Sie sind eine Art Guide und haben zugleich grossen Anteil an der intensiven, teilweise beklemmenden Atmosphäre des Spiels. Vor allem dann, wenn man den Sound über Kopfhörer geniesst – was man, wie bereits gesagt, wirklich tun sollte –, übertragen sich die Angst und Unruhe von Senua auf den Spieler. Das Team von Ninja Theory hat übrigens intensiv recherchiert, wie es ist, mit geistigen Störungen und Stimmen im Kopf zu leben. Dazu sprachen die Entwickler sowohl mit Psychologen als auch Betroffenen. Wie realistisch die Darstellung letztlich ist, können wir zwar nicht beurteilen – doch auf jeden Fall ist eine eindrückliche Umsetzung dabei herausgekommen.

Wo muss ich drücken? Das Kampfsystem und die Steuerung

Vom Entwickler von Titeln wie DmC: Devil May Cry und Heavenly Sword haben wir so einiges bezüglich des Kampfsystems erwartet. Und auch wenn dieses bei Hellblade: Senua’s Sacrifice nicht ganz so stark im Fokus steht, ist es unserer Meinung nach äusserst gut gelungen. Die erste Hürde besteht darin, die Steuerung selbst zu entdecken. Jegliche Anzeigen und Einblendungen fehlen im Spiel. Verzichtet der Spieler zusätzlich auf den Untertitel, taucht er noch ungestörter in die Geschichte ein. So müssen wir selbst herausfinden, welche Tasten zum Erfolg führen. Durch die intuitive Belegung ist dies für erfahrene Spieler kein Problem und alle anderen probieren einfach aus (oder werfen einen Blick ins Pausenmenü). Dieser kleine, aber feine Unterschied führt dazu, dass wir das Abenteuer noch intensiver erleben, weil wir uns in Senua umso mehr hineindenken müssen. Beherrscht man dann einmal das Kampfsystem, macht es grossen Spass, den verschiedenen Manifestationen von Senuas Ängsten entgegenzutreten.

Die fehlende Möglichkeit, Senuas Rüstungswert zu erhöhen oder gar Heiltränke en masse zu schlucken, zwingen einen zu taktisch wohlüberlegter Vorgehensweise. Nur die richtige Mischung aus Ausweichmanövern, Blocken und gezielten Angriffen führt zum Erfolg. Scheitern wir stattdessen an einem zu starken Gegner, ist dies bei Hellblade doppelt bitter: Schliesslich wird dem Spieler bereits am Anfang des Games mitgeteilt, dass zu häufiges Scheitern zum Permadeath führen kann. Hellblade: Senua’s Sacrifice fesselt nicht nur wegen seiner spannenden Geschichte und der tollen Protagonistin, sondern es macht einfach Spass. Gerne würden wir mehr solcher Games spielen, die sich durch einige innovative Ideen sowie eine dichte Atmosphäre auszeichnen und einen wirklich tief ins Geschehen hineinziehen.