Games 11.11.2016

Im Herbst 2012 überraschten die französischen Arkane Studios und der Publisher Bethesda mit dem mutigen Überraschungshit Dishonored: Die Maske des Zorns. Mutig, weil brandneue Spielemarken mit frischen Ideen Mangelware sind – da sie für Spielehersteller ein zu großes Risiko sind, setzen diese eher auf Fortsetzungen. Wenn aber mit einem brandneuen Projekt ein Coup gelingt, wird daraus in der Regel auch die nächste Erfolgsserie. Das beweist auch das frisch erschienene Dishonored 2, das fast nahtlos an den ersten Teil anknüpft, das bekannte Spielprinzip aufgreift und stellenweise gekonnt erweitert. Spätestens jetzt hat sich die düstere und viktorianisch angehauchte Steampunk-Spielwelt von Dishonored als Serie etabliert, von der wir auch nach dem tollen zweiten Teil noch hören und sehen werden. Warum Dishonored 2 eine würdige Fortsetzung ist und die Marke Dishonored endgültig als Hitgarant feststeht, verraten wir im Review.

Die Story von Dishonored 2

Die Geschichte von Dishonored 2 spielt 15 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils, in dem Assassine Corvo Attano den Mord an der Kaiserin gerächt, seinen Namen rein gewaschen und der Thronfolgerin Emily Kaldwin ihren rechtmässigen Platz auf dem Thron erkämpft hat. Emily hat gemeinsam mit Ziehvater Corvo das zerrüttete Land wieder aufgebaut und dem Volk von Dunwall Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden und Wohlstand gegeben – bis sie sich die falschen politischen Feinde macht und nach einem Putsch abgesetzt wird. Zu Beginn von Dishonored 2 fliehen Emily und Corvo aus Dunwall und machen sich auf den Weg nach Karnaca. Die Metropole wird auch Juwel des Südens genannt und versprüht im Vergleich zum düsteren Dunwall einen eher mediterranen Charme – die Entwickler haben sich hier von der Mittelmeerregion inspirieren lassen. Im Exil haben es sich die beiden als Ziel gesetzt, die Putschisten zu meucheln und die Machtverhältnisse wiederherzustellen – gut, dass Emily in den Jahren zuvor Corvos Training genossen hat und mindestens genauso tödlich ist wie ihr Mentor! Viel mehr von der Story wollen wir im Vorfeld aber auch gar nicht verraten, um nicht zu spoilern.

Emily oder Corvo – wir haben die Wahl

Als Spieler stehen wir in Dishonored 2 vor der Wahl, ob wir in die Haut der jungen Emily oder in die des Veteranen Corvo schlüpfen wollen. Für die Missionen hat die Entscheidung keine direkte Auswirkung, der Spielverlauf bleibt bei beiden Charakteren derselbe. Allerdings ändert sich die Spielerfahrung, da Emily andere Fähigkeiten hat als Corvo und anders auf die Geschichte, die Charaktere und ihre Umgebung reagiert. Beide Charaktere sind daher dieses Mal voll vertont und kommentieren regelmässig das Geschehen. Die Wahl des Protagonisten nach dem Prolog des Spiels lässt sich nicht rückgängig machen und wir spielen bis zum Ende des Spiels mit der temperamentvollen Emily beziehungsweise dem abgebrühten Corvo. Das steigert den Wiederspielwert des ohnehin umfangreichen Dishonored 2, da wir die Geschichte so mit feinen Unterschieden noch einmal erleben können.

Die Qual der Wahl auf dem Weg zum Erfolg

Genau wie im Vorgänger haben wir in Dishonored 2 viel Handlungsspielraum und können jede Mission über mehrere Wege lösen. Freunde des lautlosen Vorgehens können sich durch Levels schleichen, ohne je in offene Kämpfe verwickelt zu werden, während experimentierfreudige Spieler auf ein reichhaltiges Magie-Portfolio und ein umfangreiches Waffenarsenal zurückgreifen können. Spektakuläre Kämpfe und Situationen sind dabei garantiert. Die Fans des ersten Teils dürften diese noch in sehr guter Erinnerung haben. Unabhängig davon, ob wir eher schleichen oder einfach den Haupteingang benutzen, haben wir auch wieder die Wahl, ob die Gegner getötet oder am Leben gelassen werden. Selbst die Bosse in Dishonored 2 können – wie auch schon im Vorgänger – ausgeschaltet werden, ohne dass sie ihr Leben aushauchen müssen. Zusätzlich haben wir dieses Mal durch neue Ausrüstung und Magie sogar die Option, offene Kämpfe zu suchen und dennoch unsere Gegner nur ausser Gefecht zu setzen, anstatt sie zu töten. Wenn wir uns doch für die tödliche Herangehensweise entscheiden, sammeln wir gegebenenfalls Chaos-Punkte, die Emily beziehungsweise Corvos Persönlichkeit beeinflussen, was sich auf den Verlauf von Dialogen sowie die Spielwelt selbst auswirkt. Beispielsweise in Form der Blutfliegen, deren Population ansteigt, je mehr Charaktere wir im Spielverlauf töten. Durch die unterschiedlichen Herangehensweisen und Optionen bietet Dishonored 2 experimentierfreudigen Spielern viel Wiederspielwert.

Dishonored 2: Magisch und blutig

Genau wie Dishonored: Die Maske des Zorns lebt der neue Teil der Serie ebenfalls von der Magie. Der mysteriöse Outsider ist zurück und hat neben Corvo nun auch Emily mit magischen Fähigkeiten ausgestattet. Dazu gehört beispielsweise Emilys Fähigkeit, sich entweder selbst zu einem bestimmten Punkt zu teleportieren oder einen Gegenstand beziehungsweise Gegner zu sich heranzuziehen, oder Corvos bereits aus dem ersten Teil bekannte Fähigkeit, einen Rattenschwarm zu beschwören, der Gegner angreift. Die Kombination unterschiedlicher magischer Fähigkeiten, verknüpft mit athletischer, Parcours-artiger Fortbewegung, macht den Reiz der Kämpfe in Dishonored 2 aus. Hier haben die Entwickler im Vergleich zum ersten Teil noch einmal ordentlich draufgelegt und die richtigen Stellschrauben nachgezogen, ohne die Essenz zu verändern. Und das ist, zumindest für die tödliche Variante, mitunter sehr blutig. In Dishonored 2 wird nicht mit brutalen Angriffen und der Darstellung des roten Lebenssafts gegeizt, weshalb sich Zartbesaitete doch eher darauf beschränken sollten, Gegner K.O. zu schlagen, anstatt ihnen das virtuelle Leben zu nehmen.

Fazit zu Dishonored 2

Dishonored 2 bietet genau das, was Fans schon am ersten Teil schätzten. An allen wichtigen Gameplay-Elementen haben die Entwickler der Arkane Studios festgehalten. Die Präsentation von Karnaca ist grandios: Einerseits unterscheidet sich die Stadt grundlegend von Dunwall, andererseits merken Fans des ersten Teils sofort, dass es sich um dasselbe Universum handelt und fühlen sich zu Hause. Des Weiteren sorgen die beiden Protagonisten, zwischen denen es sich zu entscheiden gilt, die Handlungsfreiheit durch viele unterschiedliche Herangehensweisen sowie die Magiekombinationen für einen enormen Wiederspielwert. Es ist ungemein spannend zu sehen, wie die Charaktere bei einer anderen Spielweise auf die Umwelt und Dialoge reagieren. Grundlegende Veränderungen zum Vorgänger gibt es keine, in puncto Gameplay hat das Entwicklerteam lediglich Feintuning betrieben. Wer den ersten Teil wegen seiner düsteren Atmosphäre, der Handlungsfreiheit und der coolen magischen Fähigkeiten mochte, der kann beruhigt zugreifen und noch einmal in die Welt von Dishonored eintauchen. Aber auch Neueinsteiger, die etwas mit der Mischung aus Action, Stealth und Magie anfangen können, sollten Dishonored 2 eine Chance geben.