Landwirtschafts-Simulator 17: Der Acker ruft

Games 25.10.2016

Wer das erste Mal die Gamescom besucht und die überdimensionalen Landwirtschafts-Simulator-Plakate sieht, könnte sich etwas verwundert am Kopf kratzen. Neben Titeln, wie Resident Evil 7 oder Call of Duty, soll ausgerechnet das ein grosses Ding sein. Es darf sich aber niemand von der eigenartig wirkenden Thematik täuschen lassen. Der Landwirtschafts-Simulator besitzt schon seit vielen Jahren einen prominenten Platz in der Gaming Szene. Der Andrang beim entsprechenden Stand beweist die Popularität. Ausserdem muss eine Spiele-Serie, die bereits in die achte Runde geht, einfach etabliert sein. Die Bezeichnung 17 rührt von der Jahreszahl 2017 her.

Was ist das Geheimrezept des Farming Simulator?

Bei Simulationen geht es immer darum, möglichst authentisch ein bestimmtes Betätigungsfeld abzudecken. Bei Klassikern des Genres, wie etwa Sim City, gelang dies höchstens rudimentär. Eine Stadtverwaltung ist noch bei weitem komplexer, als in den ersten Teilen dargestellt. Beim Landwirtschafts-Simulator haben sich die Schweizer Entwickler die Aufgabe gestellt, den Spieler tatsächlich in ein realistisches Leben auf einem Bauernhof eintauchen zu lassen. Laut diverser Spieler, die selbst mit der Landwirtschaft aufgewachsen sind, wurde dieses Ziel gerade in den letzten Teilen erschreckend genau erreicht. Egal, ob es um das Pflügen von Feldern, das Ernten von Mais, das Züchten von Tieren oder um die Forstarbeit geht, der Farming Simulator verlangt peinlich genaues Arbeiten. Das Ganze ist aber in eine Open World mit Rollenspiel Elementen (z. B. Missionen) eingebettet. Wie bei Sims oder Second Life geht es nicht darum, eine Prinzessin vor einem Drachen zu retten oder durch die Weiten des unendlichen Weltraums zu reisen. Es geht vielmehr um die Bewältigung eines realen Alltags, der vor allem für Stadtmenschen so fremd erscheinen könnte wie Alien auf einem weit entfernten Planeten. Wer auf Kugelhagel, Blut und viel Action steht, der ist vielleicht wirklich nicht gut mit dem LS beraten. Wer jedoch Wirtschaftssimulationen und ein Gameplay voller Freiheiten liebt, der wird vielleicht bald freiwillig um 4 Uhr früh aufstehen, um nach seinen Kühen zu sehen (Hinweis: In-Game Zeit nicht identisch mit realem Zeitablauf). Denn die beiden angesprochenen Aspekte wurden wirklich perfekt verbunden und reihen den Landwirtschafts-Simulator in die Königsklasse des Genres ein. Das wird auch für die Version des Jahres 2017 wieder gelten.

Was ist neu im Farming Simulator 17?

Im deutschsprachigen Raum existiert das Sprichwort „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht!“. Ganz entsprechend diesem Grundsatz überrascht der LS 17 nicht mit einem komplett neuen Konzept, das bewährte Prinzip wurde einfach erneut ausgebaut. Besonderen Wert legen dabei die Fans und Entwickler auf die authentischen Landwirtschaftsmaschinen. Rund 250 Fahrzeuge und Farm-Equipment verschiedener, realer und namhafter Hersteller stehen zur Verfügung. Enthusiasten können sich in der Erklärung der genauen Funktionsweise und Details verlieren. Manchmal geht die Detailverliebtheit sogar so weit, dass die tatsächlichen Produkte von Challenger oder Fendt genau verglichen werden. Aber das Game ist eindeutig mehr als eine digitale Modell-Sammlung. Die Möglichkeiten bei der Forstarbeit wurden ebenfalls erweitert. Dieser Bereich ist besonders spannend, da hier mit vielen Vorurteilen über die Holzfäller-Arbeit aufgeräumt wird. Das Bild vom axtschwingenden Flanellhemd-Träger stimmt nämlich schon längst nicht mehr. Viel eher wird modernstes Gerät eingesetzt, um den erneuerbaren Rohstoff Holz effizient abzubauen.

Die wirtschaftlichen Aspekte der Simulation bieten erneut ein extrem weites Betätigungsfeld. Mit Biogas-Anlagen und Zügen wird die moderne Arbeit auf einem Bauernhof nachgebildet. Farmer beschäftigen sich heutzutage nämlich mit vielem mehr, als nur damit Kühe zu melken und Äcker zu bestellen. Aber auch die vielfältigen Produktionsketten werden Fans von Wirtschafts-Simulationen in ihren Bann ziehen. Die Profite sind einfach viel höher, wenn das Futter für die Nutztiere selbst hergestellt wird. Dank neuer Pflanzen (z. B. Sojabohnen) und neuer Tiere wurde auch dieser wichtige Teil im LS 17 erweitert. Ab dem 25. Oktober gilt es also erneut, die eigene Erfolgsgeschichte als Farmer zu schreiben – vielleicht sogar auf der neuen amerikanischen Karte mit Namen „Goldcrest Valley“. Einem goldreichen Ertrag steht also nur mehr ein wenig lohnender, digitaler Schweiss im Wege.