Games 22.03.2016

Jedes Land besitzt seine eigene kulinarische Geschmacksnote. Beim Gaming verhält es sich nicht viel anders als in der Küche. Obwohl beinahe alle Videospiele weltweit verfügbar sind, werden einzelne Titel in verschiedenen Ländern und Kulturen unterschiedlich stark gefeiert. Wir wollen aber nicht nur die Diversität der verschiedenen Gaming-Communities präsentieren, sondern auch versuchen, diese Unterschiede zu erklären.

Achtung: Vorurteile lassen sich nicht ganz vermeiden und es gibt natürlich immer Ausnahmen, welche die Regel bestätigen!

Das Mekka des E-Sports: Südkorea

Wenn elektronische Wettkämpfe eine Heimat hätten, dann wäre diese eindeutig Südkorea. In dem asiatischen Tigerstaat zieren E-Sportler die Cover von Magazinen und es zockt hier eigentlich jeder. Das beweist ein kurzer Blick in eine U-Bahn in Seoul. Alt und Jung beugen sich mit Freude über ihre Smartphones und jagen in Free-to-Play Games dem nächsten High Score nach. Während in Europa die Rentner eher die Nase über videospielende Kids rümpfen, wäre in Südkorea der 60-Jährige ein ernstzunehmender Gegner auf dem Scoreboard.

Die Allgegenwärtigkeit von Videospielen erklärt aber noch nicht den starken Hang hin zum E-Sport und die Dominanz in diesem Bereich. Ein Grund dafür wäre die verhältnismässig lange Tradition bei elektronischen Wettkämpfen. Während der E-Sport weltweit noch um Anerkennung kämpfte und es höchstens ein Headset auf einer europäischen LAN zu gewinnen gab, sponserten schon grosse Konzerne, wie SK Telecom oder JinAir, den E-Sport in Südkorea. Dadurch konnten sich die Pro-Gamer viel früher mit voller Hingabe auf ihr Training und ihre Wettkämpfe konzentrieren. Folglich entwickelten sich schon früh ausgefeilte Trainingsmethoden und es wurden eigene Team-Häuser gegründet, in denen Haushälterinnen alles erledigten, während die Gamer zwölf Stunden am Tag zocken konnten. Hinzu kommen die überaus günstigen und verbreiteten PC Bangs (Internetcafés), in denen schon früh der direkte Wettstreit geübt wird. Rund 25.000 dieser Treffpunkte für Gamer existieren in Südkorea.

Es lassen sich also zwei starke Geschmacksnoten beim südkoreanischen Gaming identifizieren. Auf der einen Seite besteht ein starker Hang hin zu kostenlosen Mobile Games mit Micropayment und auf der anderen Seite streben koreanische Gamer fast immer an zu den Besten der Welt zu gehören. Dieses Streben ist sehr oft von Erfolg gekrönt, wie die Leistungen in Starcraft oder League of Legends beweisen.

German Gaming im E-Sport

Natürlich träumt jeder Gamer von Europa, aber dabei wird oft übersehen, welch grosse Bedeutung Deutschland in der Gaming Welt besitzt. Der Home Story Cup in Krefeld ist in dieser Form einzigartig auf der Welt. Mit der Gamescom gastiert eine der grössten Gaming Messen des Planeten in Köln. Dort startete übrigens auch die Erfolgsgeschichte des einmaligen DOTA 2 Turniers „The International“ und das deutsche Unternehmen ESL gestaltet viele unserer liebsten E-Sport Events. Also selbst wenn selten ein Spieler oder ein Team aus Deutschland den ersten Platz erringt, dürfen wir hierzulande nicht vergessen, dass wir ein wahres Herz der Begeisterung für Videospiele darstellen.

Das europäische Südkorea: Schweden

Über viele Jahre hinweg konnte nur ein Land mit der südkoreanischen Klasse im Gaming mithalten. Schwedische Spieler rangen schon in Warcraft III Zeiten so manches Mal den Koreanern einen Sieg ab. Es existiert auch eine ganz wichtige Parallele zwischen diesen beiden Ländern: Internetcafés sind sehr verbreitet und äusserst günstig! Diese öffentlichen Treffpunkte scheinen sehr positive Auswirkungen auf die E-Sport Szene zu haben. Das zeigt sich durch die schon frühe Popularität von DOTA 1 in Schweden und die grossen LAN Partys, wie die Dreamhack, welche bis heute erfolgreich durch Europa tourt, aber das Finale immer in Schweden ausspielt.

Gaming the American way

Unsere Reise um die Welt des Gamings müssen wir natürlich mit den USA abschliessen. Aus diesem Land stammen schliesslich die meisten unserer Lieblingsspiele. Es lassen sich im Land des unbegrenzten Gamings einige Eigenheiten feststellen. Einzelne Spielereihen besitzen eine ganz besondere Popularität in Amerika. Dazu zählt zum Beispiel Halo, welches wohl nirgends mit so viel Leidenschaft gespielt wird wie in den Vereinigten Staaten. Das betrifft zudem viele der amerikanischen Sportarten, welche in Spiele verwandelt werden und zu denen die Gamer auf der anderen Seite des Teichs einfach mehr Zugang haben (Baseball, American Football etc.).

Bei dem Blick in verschiedene Länder lassen sich also durchaus einige unterschiedliche Gaming-Sitten feststellen. Aber die Globalisierung lässt ebenfalls in dieser Beziehung die Welt homogener werden. Noch haben Koreaner die Nase in vielen Games vorn, aber ihr Vorsprung schwindet langsam, da auch der Rest der Welt den E-Sport immer ernster nimmt.