Path of Exile - Das Beste aus drei Kultspielen

Games 29.09.2015

Im ersten Moment wirkt Path of Exile nur wie eine durchschnittliche Kopie der Diablo-Serie von Blizzard. Doch schon nach den ersten Stunden des actionreichen Rollenspiel-Gemetzels wird klar, dass sich in diesem Game eines neuseeländischen Indie-Developers die coolsten Elemente aus Diablo II, Final Fantasy VII und Final Fantasy X verbinden. Das Gameplay macht so süchtig wie damals bei D2 und es darf überlegt werden, warum der dritte Teil von Blizzard nicht mehr dieses Feeling vermittelt. Das Skill-System mit den Gems wurde eindeutig von FF VII inspiriert und eröffnet durch die praktisch unendlichen Kombinationsmöglichkeiten eine ungekannte Spieltiefe. Ähnliches gilt für den passiven Skill-Baum der unbestreitbar FF X nachempfunden wurde, aber noch ein wenig komplexer ist. Fans dieser drei Kulttitel sollten also keine Sekunde zögern und sich direkt in das F2P Abenteuer in Wraeclast stürzen.

Jetzt bist du auf dich allein gestellt Exile

Unter ganz genau diesem Motto wird jeder neue Charakter von Bord geworfen und landet praktisch nackt am Strand. Da geht das Monster killen und looten auch schon los. Die verschiedenen, frühen Spielewelten erinnern zwar stark an das Diablo Vorbild, aber haben ebenfalls einen ausreichend frischen Touch. Schon im ersten Akt begegnet der Spieler einer ganz bestimmten Art von NPCs, die einen durch das ganze Game begleitet. Durch verschiedene kleine Aufgaben kann die Reputation bei diesen Charakteren erhöht werden. Je höher die Reputation, desto grösser und exklusiver das Item-Angebot und es zahlt sich aus einem weiteren Grund aus sich gut mit diesen „non player characters“ zu stellen.

Gerade zu Beginn liegt die Aufmerksamkeit stark auf den verschiedenen Rüstungsklassen (Armour, Evasion, Energy Shield) und auf der Frage, wie der passive Skill-Tree am effizientesten genutzt werden kann. Dort kann über die eingeschlagenen Wege stunden- oder tagelang gebrütet werden. Bevor sich der Player versieht, hat er die ersten zwei Endbosse hinter sich und steuert auf das Ende von Akt 3 zu. Je näher der Spieler der Schurkin Piety rückt, desto morbider wird die Umgebung. Im Lunaris Tempel Level 2 fühlt man sich dann wirklich dem Tor zur Hölle sehr nahe, obwohl in Diablo solch ein Schrecken selten zu erblicken war. Etwas zart besaitete Gamer könnte die Umgebung wahrlich durch Mark und Bein fahren und der Wunsch nach einer Blumenwiese im Sonnenschein mit hüpfenden Einhorn-Ponys kommt auf. Plötzlich ergibt der Bonus Level in Diablo III ein klein wenig Sinn.

Dominus wirkt dann wie der finale Boss und würde dieser Rolle im Hinblick auf seine Schwierigkeit auch sehr gerecht werden. Doch im Frühjahr 2015 wurde noch ein vierter Akt hinzugefügt und so geht die Reise für den Helden weiter. Im Belly of the Beast wird es keineswegs weniger blutig. Ein zweiter Kampf gegen Piety darf erwartet werden und „Not A Cockroach“ wird noch von einem viel stärkeren Endgegner erwartet. Aber damit wurde das Game erst auf Normal beendet und viel bessere Items und grössere Herausforderungen warten in Cruel und Merciless auf den heldenhaften Exile.

Coole Zusatzfeatures auf dem Pfad der Exilanten

Es ist durchaus zu empfehlen, dass die weiteren Schwierigkeitsgrade ebenfalls durchgezockt werden, denn während sich die Schatzkiste füllt, können plötzlich ganz ungeahnte Optionen erschlossen werden. Es kann beispielsweise eine eigene kleine Basis mit den oben angesprochenen NPCs errichtet werden (ab Reputationsstufe 3). Dort lässt sich ganz spezielles Crafting durchführen und tägliche Missionen warten auf die Zocker.

Ausserdem gibt es tägliche Zusatz-Events, wie spezielle Wettrennen oder im absoluten Lategame können eigene Karten erstellt werden, die spezielle Eigenschaften aufweisen und das Endspiel viel aufregender als in D3 machen.

Am 2. Oktober endet übrigens die derzeitige Challenger League Warbands. Voraussichtlich ein bis zwei Monate später sollte die nächste Liga dieser Art starten. Derzeit wäre also ein wirklich idealer Zeitpunkt, um sich als Standard-Charakter einzuspielen und dann direkt mit der neuen Challenger League Gas zu geben, denn diese Spielform bietet immer eine ganz frische Wirtschaft. Im Prinzip startet jeder Spieler mit jeder Challenger League von Null weg. Alle Chancen stehen also offen. Sobald eine dieser Ligen endet, werden die Charaktere in den Standard-Bereich transferiert. Es geht also nichts verloren.

Bei einem jungfräulichen Start in Path of Exile empfehlen wir unbedingt einen Built aus dem Forum einzusehen, denn sonst verirrt man sich wirklich auf den Irrwegen des Skill-Trees. Fans von Action-RPGs, Diablo oder Final Fantasy werden einen F2P Versuch aber keinesfalls bereuen. Es sind übrigens alle wichtigen Elemente ohne Echtgeld erspielbar. Nur für die Erweiterung der Schatzkiste sollten vielleicht ein paar Euro beiseitegelegt werden. Aber an diesem Punkt hat man bestimmt schon über 100 Stunden erstklassiges Gameplay genossen und weiss genau, dass dieses Investment eine kluge Entscheidung darstellt – tausende Orbs wollen schliesslich sicher verwahrt sein.