Die Vor- und Nachteile von Open-World-Games: Teil 1

Games 22.02.2017

Nachdem wir bereits darüber gesprochen haben, was ein gutes Open-World-Game im Kern ausmacht, wollen wir noch einmal tiefer in die Thematik „Offene Spielwelt“ eintauchen. Wir widmen dem Thema gleich zwei Artikel, schauen uns diverse Aspekte sowie Eigenschaften im Detail an und erörtern sowohl die Vor- als auch die Nachteile einer offenen Spielwelt. In diesem ersten Teil beschäftigen wir uns zunächst mit den wichtigsten Merkmalen von Open-World-Games und betrachten anschließend, wie diese sich auf die Story auswirken.

Die Definition von Open World, Sandbox und Co.

Zunächst einmal gilt es zu klären, was Open-World-Spiele eigentlich ausmacht und wo innerhalb der Open-World-Familie Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen. Eine allgemeine Definition gibt es nicht, allerdings hat jedes Open-World-Game einige grundlegenden Eigenschaften und Merkmale:

  • Als Spieler hat man früher oder später uneingeschränkte Bewegungsfreiheit innerhalb der Spielwelt und kann weitgehend selbst entscheiden, wohin man geht und was man (als nächstes) macht.
  • Die unterschiedlichen Bereiche der Spielwelt sind direkt miteinander verbunden. Künstliche Grenzen gibt es höchstens, um die Spielwelt in ihren Ausmaßen zu begrenzen, und Ladebildschirme kommen nicht oder nur selten zum Einsatz.
  • Neben Hauptaufgaben gibt es Nebenaufgaben und ggf. weitere Aktivitäten, die nicht unbedingt die Haupthandlung beeinflussen und Auswirkungen auf die Story haben müssen – beispielsweise Mini-Games.

Natürlich gibt es auch für diese Regeln hin und wieder Einschränkungen – beispielsweise wenn bestimmte Abschnitte der Spielwelt nur bei Fortschritt in der Hauptstory freigeschaltet werden, wie es auch in GTA III und GTA IV der Fall ist. Solch ein zentraler Handlungsstrang ist ein entscheidender Unterschied zu den sogenannten Sandbox-Spielen. Bei ihnen handelt es sich zwar auch um Spiele mit offener Spielwelt, allerdings gibt es kein zentrales Spielziel oder zumindest keine zusammenhängende Handlung. In Anlehnung an das freie Austoben in einem Sandkasten („sandbox“) geht es vielmehr darum, sich eigene Ziele zu setzen und der Kreativität freien Lauf zu lassen. Das Paradebeispiel für diese Art Spiel ist nach wie vor Minecraft. Auch Online-Rollenspiele und andere MMOs teilen sich Merkmale mit Open-World-Games. Durch ihre Ausrichtung als Onlinespiele, bei denen sich Hunderte oder Tausende Spieler gleichzeitig in ein und derselben offenen Welt bewegen, sind sie allerdings ein Sonderfall. Hauptsächlich geht es in diesen beiden Artikeln hier um Spiele, die alle drei klassischen Kriterien für Open-World-Games erfüllen.

Story in Open-World-Games: Beeindruckende Größe und Freiheit

Die größte Stärke von Open-World-Spielen liegt klar in der Größe ihrer Spielwelten. Egal ob man in GTA V zunächst einmal eine lange Autofahrt durch Innenstadt und Highway auf sich nehmen muss, um zur nächsten Mission zu gelangen, oder als Geralt mit seinem Pferd Plötze durch dichte Wälder und Sümpfe reitet – als Spieler bekommt man ein Gefühl für die Größe der Welt und das kann, richtig eingesetzt, nicht nur die Atmosphäre erheblich aufwerten, sondern auch zur Handlung beitragen. Besonders die Unterhaltungen mit NPCs in GTA sind Highlights, da die Akteure hier meist viel von sich preisgeben, Motivationen klar werden und die Story so auf ihre Weise verdichtet wird. Außerdem ist die Freiheit, bestimmte Abschnitte und Handlungsstränge in unterschiedlicher Reihenfolge anzugehen, eine große Stärke einer offenen Spielwelt. Je nachdem, für welche Reihenfolge und Variante man sich entscheidet, kann auch die Spielerfahrung ganz unterschiedlich ausfallen.

Handlung mit Lücken: Die Welt kann ich auch später noch retten

Aber genau hier liegt auch eine der größten Schwächen von Storys in Open-World-Games: Für eine spannende und zusammenhängende Handlung kann die offene Welt geradezu Gift sein – wenn nämlich jegliches Gefühl von Dringlichkeit in der Fülle von Nebenaufgaben und Aktivitäten völlig verloren geht. Dann vergehen zwischen der Bewältigung von zwei Hauptmissionen schon einmal Tage, Wochen oder sogar Monate, in denen geht der Held dann lieber angeln, anstatt die Welt vor dem Untergang zu retten; oder er macht lieber ein paar Stunts mit dem Motorrad und geht mit seinem Cousin bowlen, anstatt sich auf seinen Rachefeldzug gegen die Mafia zu konzentrieren – und am Ende wundert sich trotzdem niemand, wo der Held eigentlich die ganze Zeit über gewesen ist. Ebenso problematisch für die Story in Open-World-Spielen ist, dass die eigenen Taten oft wenig oder sogar gar keine Auswirkungen haben. So fühlen sich beispielsweise im großartigen Skyrim viele Nebenquests überflüssig an, und auch als Anführer diverser Gruppierungen und legendärer Dragonborn ändert sich am Erleben der Spielwelt nicht viel. Etwas besser macht das da schon The Witcher 3, wo manche Entscheidungen aus Nebenhandlungen später in NPC-Dialogen oder in Form von kleinen Kommentaren noch einmal thematisiert werden.

Weiter geht es in Teil 2

Im nächsten Teil zu den Vor- und Nachteilen von Open-World-Games beschäftigen wir uns mit Atmosphäre, Gameplay sowie Inhalten und versuchen, ein Fazit zu ziehen.