PS4 Neo und Project Scorpio – Quo vadis Spielkonsolen?

Games 19.08.2016

Sowohl Sony als auch Microsoft haben mit PS4 Neo beziehungsweise Project Scorpio derzeit zwei Konsolen-Upgrades in der Mache, die ein Novum darstellen und die Zukunft des Konsolenmarkts langfristig beeinflussen könnten. Mit den beiden neuen Geräten veröffentlichen die Unternehmen eine leistungsstärkere Version der aktuellen Konsolengeneration – eine frisierte PS4 sowie Xbox One. Wie die Geräte genau aussehen werden, ist allerdings noch nicht klar, da sich beide Firmen bisher eher bedeckt halten und selbst auf der diesjährigen E3 nur wenig Informationen zu den neuen Konsolen herausgegeben haben. Ein PS4-Neo-Release ist für Oktober 2016 geplant. Fest steht, dass beide Geräte auf den aktuellen Versionen aufbauen und mit den alten Spiele sowie anderer Soft- und Hardware kompatibel sein werden. Außerdem legen beide besonderen Wert auf die Implementierung von Virtual Reality, 4K-Medien und unterschiedlichen Grafikeinstellungen in Games. Aber was bedeuten die beiden Projekte für den Konsolenmarkt der Zukunft?

Generation für Generation: früher war alles einfacher

Bisher war es immer einfach: Die unterschiedlichen Konsolen ließen sich stets einer bestimmten Konsolengeneration zuordnen und waren technisch auf ähnlichen Niveaus, auch wenn mehrere unterschiedliche Hersteller mit der jeweils eigenen Hardware um die Gunst der Spieler buhlten. War die Technik so weit, dass neue Konsolen entwickelt werden konnten, die mehr Rechenpower, bessere Grafik und umfangreichere Spiele versprachen, entwickelten die Unternehmen eben neue Geräte und eine neue Generation wurde eingeläutet. Mit der aktuellen Generation, die mit großem Abstand von Sonys Playstation 4 dominiert wird, veränderte sich dieses alte Schema erstmals. Statt komplett neue Konsolen zu entwickeln, wie es Nintendo derzeit mit der Nintendo NX macht, setzen Sony und Konkurrent Microsoft auf ein Hardware-Upgrade für die bestehenden Konsolen. Die PS4 Neo und Project Scorpio werden also die ersten neuen Konsolen, die nicht wirklich einer neuen Konsolengeneration zugeordnet werden können.

PS4 Neo und Co. – der Trend zum festen Upgrade statt modularem Aufbau

Dass sich der Markt der Spielekonsolen und die Technik langfristig verändern würden, war bereits vor vielen Jahren klar. Insbesondere mit der Rückkehr des Gaming-PCs als eine der dominanten Spieleplattformen und angesichts sinkender Hardware-Preise rechneten viele Experten jedoch damit, dass Konsolenhersteller möglicherweise auf modular erweiterbare Konsolen setzen würden, für die in regelmäßigen Abständen neue Komponenten zum Austauschen veröffentlicht werden. Ganz nach dem Prinzip des Spiele-PCs, bei dem Arbeitsspeicher, Grafikkarte und Prozessor auch relativ schnell ausgewechselt werden können. Besonders die Steam Machines, die von Steam-Betreiber Valve angestoßen wurden, nährten den Glauben, dass Konsolen diesen Weg einschlagen würden. Letztlich kommt das Upgrade – aber nicht modular, sondern als Gesamtpaket.

Was ist eigentlich aus den Steam Machines geworden?

Wo wir schon beim Thema Steam Machines waren: Was ist aus dem Hybrid aus PC und Spielkonsole, der Steam auf den TV-Bildschirm bringen sollte, eigentlich geworden? Das Konzept kann man, vorsichtig gesagt, als gescheitert betrachten. Weniger als eine halbe Million Steam Machines wurden bislang verkauft. Zum Vergleich: die PS4 zählt über 40 Millionen verkaufte Einheiten, die Xbox One knapp 20 Millionen. Dennoch verabschieden sich Valve und Hersteller Dell mit seiner Tochterfirma Alienware noch nicht vom Konzept und veröffentlichen weitere Steam Machines. Allerdings sind sich Spieler und Marktexperten einig, dass das Experiment des PC-Konsolen-Hybrids wenig Zukunftsaussichten hat.

Schwerpunkte von PS4 Neo und Project Scorpio

Stattdessen also Updates der ohnehin erfolgreicheren Konsolen als komplett neues System. Auch wenn das Scorpio- und PS4-Neo-Release noch einige Wochen dauert, zeichnet sich bereits ab, worauf die Konsolenhersteller besonders viel Wert legen dürften:

  • 4K-Inhalte: Die PS4 Neo wurde nach ersten Leaks als PS4K bezeichnet, da der Fokus offenbar auf Inhalten mit der 4K-Auflösung lag. Wobei dabei weniger Spiele gemeint sein dürften, sondern vielmehr Filme, Serien und andere Inhalte. Spiele in 4K halten Technikexperten für unwahrscheinlich, da dafür eine enorme Rechen- und Grafikpower vonnöten wäre, die den Preis der Konsolen zu weit nach oben treiben dürfte.
  • Virtual Reality: Beide Hersteller werden auch auf Virtual Reality setzen und die Konsolen für diesen neuen Gaming-Trend fit machen. Denn VR setzt grundsätzlich mehr Hardwareleistung voraus als normale Games. Mit Playstation VR hat Sony für Oktober 2016 auch schon die nötige Peripherie in den Startlöchern. Ein Bundle aus PS4 Neo, Playstation VR, Playstation Camera und Move Controllern halten viele deshalb ebenfalls für wahrscheinlich.
  • Bessere Hardware = bessere Grafik: Dadurch, dass Spiele sowohl mit PS4 als auch PS4 Neo (beziehungsweise den Xboxen) kompatibel sein werden, wird es zwei unterschiedliche Modi geben. Während Spieler auf PS4 Neo Spiele in ihrer ganzen Pracht und stabiler Framerate spielen, müssen „normale“ PS4-Besitzer Einbußen hinnehmen, beziehungsweise zwischen Spiele-Performance und Grafik-Qualität wählen. Zwar würden sowohl Besitzer der Ur-Version als auch der neuen Version alle Spiele spielen können, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht so trotzdem.

Fazit: Es ist alles möglich

Wird es überhaupt eine Playstation 5 oder eine neue Konsole von Microsoft geben? Mit der PS4 Neo und der Scorpio-Konsole als Upgrade-Versionen ist fraglich, ob es tatsächlich einen „richtigen“ Nachfolger geben wird. Ob sich die Hardware-Updates innerhalb einer Konsolengeneration rechtfertigen lassen und damit eine neue Richtung für die Geräte vorgeben, wird sich vor allem an der Kasse entscheiden. Werden Spieler das Update begrüßen und den Schritt der Hersteller dadurch bestätigen? Sowohl für die Hersteller als auch Publisher wäre dieser Weg natürlich der Idealfall: Durch dieselbe Grundstruktur unterschiedlicher Konsolen bleibt die Spielerbasis groß und Spieleverkäufe werden maximiert, da die Hardwaregrenze quasi abgeschafft wird. Als Spieler selbst bieten die Upgrades jedenfalls auf den ersten Blick wenig Anreiz, wenn man nicht ohnehin zu den Early-Adoptern und Grafik-Enthusiasten zählt. Sobald nach dem PS4-Neo- Release die ersten Verkaufszahlen vorliegen, dürfte sich auch die Zukunftstauglichkeit dieses Konzepts einschätzen lassen.