Was macht eigentlich gute Open-World-Games aus?

Games 03.02.2017

Open-World-Spiele boomen seit Jahren und viele Entwicklerstudios setzen in unterschiedlichsten Genres auf eine offene Spielwelt. Mal gelingt das und das Spiel wird dank der offenen Welt zum absoluten Megahit, andere Beispiele versagen in diesem Bereich und zeigen, dass offene Welten allein noch kein Qualitätsgarant sind. Wir wollen daher einen Blick auf verschiedene Spiele werfen und ergründen, was gute Open-World-Games eigentlich ausmacht.

Was ist eigentlich eine „Open-World“?

Zunächst einmal gilt es, die Frage zu beantworten, was ein Open-World-Game genau kennzeichnet. In erster Linie geht es um Freiheit: In einem Spiel mit offener Spielwelt haben wir als Spieler die Möglichkeit, eine riesige Karte frei zu erkunden und abseits der Haupthandlung unterschiedliche Aktivitäten sowie Nebenaufgaben zu verfolgen. Sprich: Wir sind nicht an eine strikte Reihenfolge der Ereignisse gebunden und können selbst entscheiden, wann wir bestimmte Missionen, Aufgaben und Aktivitäten erfüllen. Dennoch haben die Open-World-Spiele, um die es in diesem Artikel gehen soll, alle einen festen vorgegebenen Handlungsstrang. Sogenannte Sandbox-Games mit offener Spielwelt, bei denen kein zentraler Plot vorhanden ist und das Experimentieren in der Spielwelt zur Hauptaufgabe wird – beispielsweise Minecraft – lassen wir außen vor.

Die Spielwelt muss glaubwürdig sein und Neugier wecken

Das grundlegendste und wichtigste Merkmal eines Open-World-Games ist die Spielwelt selbst, ihr Aufbau und das Design. Egal, ob eine Stadt wie Los Santos in GTA 5, eine Dschungel-Insel wie in Far Cry 3 oder eine mittelalterliche Fantasy-Welt wie in The Witcher 3 – damit diese Spielwelten funktionieren, müssen sie gewisse Kriterien erfüllen. Zunächst einmal muss die Spielwelt im Rahmen des Settings glaubwürdig sein. Beispielsweise funktioniert Los Santos als relativ glaubwürdiges Abbild einer modernen amerikanischen Metropole. Zudem sollte die Spielwelt unsere Neugier wecken und uns Gründe geben, sie abseits der Hauptstory zu erkunden. Hier glänzen vor allem Beispiele wie Skyrim oder Fallout 4. Spielen beide Faktoren zusammen, ist das Fundament für ein gutes Open-World-Game bereits gelegt, da das Interesse des Spielers geweckt ist und der Erkundungsdrang einsetzt. Eine gelungene und clever konstruierte Welt ist der erste Schritt zur sogenannten Immersion – der Fähigkeit, voll in eine Spielwelt einzutauchen.

Story, Hintergrund und das Auge für Details

Wichtig für einen hohen Grad an Immersion und ein gutes Open-World-Game ist alles, was in der Spielwelt stattfindet und dieser Leben einhaucht. Das ist natürlich vor allem die Story des/der Protagonisten, aber eben auch Hintergründe und Details über die Welt, in der das Spiel stattfindet. Eine Lebendigkeit der Spielwelt kann durch Dialoge zwischen NPCs, Zufallsbegegnungen oder Nebenmissionen, aber auch über Hintergrundinfos in Form von Büchern und anderen Gegenständen erreicht werden. Ein Paradebeispiel für die Einbindung von Hintergründen, Details und kleinen Geschichten ist The Witcher 3. In dem Rollenspiel verraten schon kleinste Details in der Spielwelt viel über das Witcher-Universum; und Nebenquests werden zu eigenen kleinen Episoden in der Welt des Witchers. Das sorgt dafür, dass die offene Spielwelt mit voranschreitender Spieldauer immer interessanter wird. Dadurch wird auch das Gefühl erzeugt, dass diese Spielwelt tatsächlich lebendig ist und sich nicht einzig und allein um die Protagonisten dreht.

Die richtige Balance an Aktivitäten und Aufgaben

In ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen sind Aktivitäten und Aufgaben abseits der Haupthandlung, die eine offene Spielwelt bietet. Gibt es neben der Story nichts zu erleben und zu tun, wirkt eine Spielwelt schnell leer, gibt es wiederum zu viele Nebenquests, kann das überfordern und vom Wesentlichen ablenken. Die richtige Balance für Nebenaktivitäten ist genauso wichtig wie die Qualität. Das Sammeln von sogenannten Collectibles, die in der Spielwelt verteilt sind, ist im Gegensatz zu umfangreichen Nebenmissionen oder Minispielen in der Regel keine gute Ablenkung. Ein Beispiel, wo diesbezüglich Potenzial verschenkt wurde, ist Mafia 3. Die Stadt New Bordeaux ist zwar wunderschön gestaltet, motiviert aber abseits der Haupthandlung kaum dazu, sie zu erkunden.

Fazit

Die eigentliche Stärke von Open-World-Spielen kann bei schlechter Umsetzung schnell zu ihrer größten Schwäche werden. Denn Handlungsfreiheit und Erkundungsgänge sind nur dann reizvoll, wenn die Spielwelt es auch wert ist, sie zu erkunden. Also wenn sie einerseits gut in die Handlung des Spiels eingebunden ist und andererseits eine eigene Entität bildet, die auch ohne Zutun des Spielers lebendig wirkt. Deshalb gehören sowohl GTA 5 als auch The Witcher 3 unserer Meinung nach zu den besten Beispielen, wie ein gutes Open-World-Game aussehen kann. Beide Games bieten Spielwelten, in die wir stundenlang eintauchen und die wir nach Lust und Laune erkunden können. In denen wir spannende Geschichten und hin und wieder auch Kurioses erleben können. Eine offene Spielwelt zu erschaffen, ist nur eine Seite der Medaille. Sie sinnvoll zu füllen, ist die eigentliche Kunst.