Far Cry 5: Das Ende der Welt naht!
Games 13.03.2018

„Ich bin euer Vater. Und ihr seid meine Kinder“ – mit diesem Mantra schwört Joseph Seed seine Anhänger auf sich ein. Und als diese jubelnd aufspringen, läuft uns ein Schauer über den Rücken. Religiöser Fanatismus wird in Far Cry 5 brutal und überspitzt, aber trotzdem erschreckend real dargestellt. Diesem Bösen wollen wir unbedingt den Gar ausmachen. Also Waffe gezückt, nochmal nachgeladen und dann stürmen wir Hope County!

Ein irrer Vater mit einem Plan

Was uns auf unseren Wegen durch diese eigentlich idyllische Landschaft dann begegnet, sorgt immer wieder für kurze Gänsehaut-Momente. Denn nicht selten begegnen wir erhängten oder aufgespießten Personen, die sich dem wahnsinnigen Kult allem Anschein nach widersetzen wollten. Das „Project Eden’s Gate“ glaubt, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht. Und die Anhänger haben sich auf die Fahnen geschrieben, alle Seelen zu „retten“ – notfalls mit Einsatz von Gewalt. Schließlich müssen Kinder manchmal einfach zu ihrem Glück gezwungen werden. Brutale Zwangstaufen mit akuter Gefahr zu Ertrinken oder die Bestrafung von Geiseln durch die Gesellschaft eines ausgehungerten Tieres in ihrer engen Zelle sind nur einige Beispiele.

Unser Ziel: Hope County befreien

Leider ist Joseph Seed nicht allein auf der Welt und seine Anhänger verteidigen ihn bis aufs Messer. Dazu gehören auch seine drei Geschwister mit ähnlich gestörten Gedankengängen: Faith, Jacob und John. Um überhaupt an den Sektenanführer heranzukommen, müssen wir zunächst seine größten Unterstützer aus dem Weg räumen und die Widerstandsbewegung so immer mehr stärken. Dafür befreien wir als erstes deren drei Hoheitsgebiete. Dies ist jedoch die einzige vorgegebene Reihenfolge der Missionen. Abgesehen davon können wir uns frei nach unserem Belieben um Haupt- und Nebenmissionen kümmern.

Zuhören und Hinschauen: Nur so kommen wir weiter

Und genaues Erkunden ist in Far Cry 5 auch tatsächlich notwendig. Denn hier wurde ein entscheidender Punkt geändert: Anders als bisher klappern wir nicht erstmal Türme ab, mit denen wir die Karte samt Informationen zu Missionszielen, Herausforderungen etc. aufdecken. Um weitere Areale auf der Karte zugänglich zu machen oder mit Hinweisen zu markieren, müssen wir vor allem zwei Dinge tun: Uns unterhalten und die Augen aufsperren. Denn oft verraten uns Kleinigkeiten spannende Dinge. Beispielsweise wissen wir nach einem Blick auf ein Schild das vor Wölfen warnt, wo deren Revier liegt. Und die Bewohner von Hope County haben natürlich auch die ein oder andere Aufgabe für uns.

Kleine, aber feine Justierungen

Passend zu dem Fokus auf das eigenständige Entdecken der Spielwelt, gibt es keine Minimap mehr. An ihre Stelle ist eine Art Kompass im Stil von Skyrim getreten. Diese zeigt uns an, in welcher Richtung unter anderem Missionsziele, Gegner oder brauchbare Fahrzeuge zu finden sind. Weitere Neuerungen sind eher dezenter Natur: So haben wir erstaunlich viele Nahkampfwaffen zur Auswahl. Natürlich darf der Baseballschläger bei diesem Setting nicht fehlen. Aber auch mit einer Heugabel oder einem Vorschlaghammer lässt sich Schaden anrichten. Ob wir jemandem lieber leise von hinten den Hammer auf den Kopf schlagen oder unser Maschinengewehr anlegen und es lautstark rattern lassen, ist unsere Entscheidung.

Gemeinsam dem Widerstand beitreten

Weiterhin können wir uns entscheiden, ob wir uns allein in den Kampf stürzen oder Unterstützung wollen. Die kann entweder ein menschlicher Mitspieler sein, der über den Online-Koop-Modus bei jeder Mission mitmachen kann, oder hilfsbereite NPCs, die wir per Knopfdruck anheuern. Neben einer Scharfschützin und einem Piloten samt Flugzeug zählt dazu auch ein treuer Hund mit kräftigem Gebiss. Was den NPCs egal ist, spielt für menschliche Mitspieler jedoch eine wichtige Rolle: Es fungiert immer ein Spieler als Host und nur sein Story-Fortschritt bleibt am Ende der gemeinsamen Session erhalten. Der Freund, der sich dazugesellt, darf zwar Loot und den Fortschritt seines Charakters zu seinem Spielstand mitnehmen – die Missionen muss er aber selbst nochmal abschließen. Ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten sehr gelungenen Multiplayer-Modus.

Wenige Innovationen – trotzdem viel Spielspaß

Far Cry 5 macht fast alles so, wie seine Vorgänger. Fans können sich also uneingeschränkt auf den neuen Teil stürzen. Die kleinen Änderungen finden wir sinnvoll und das gesamte Spiel-Erlebnis fühlt sich trotzdem sehr vertraut an. Den besonderen Reiz erhält der fünfte Teil durch das – zunächst wenig spannend erscheinende – Setting. Denn durch die irgendwie vertraute Landschaft wirkt die Geschichte beunruhigend realistisch auf uns. Und weniger wie ein bizarrer Alptraum auf einer tropischen Insel. Besonders mit Blick auf aktuelle politische Ereignisse fragt man sich immer wieder, wie abwegig das ganze eigentlich tatsächlich ist. Neben all dem Baller-Spaß bietet Far Cry 5 also durchaus etwas Anregung zum Nachdenken.