First Person vs. Third Person Gaming

Games 17.06.2016

In Bezug auf diese Frage besitzt jeder Gamer seine ganz eigenen Präferenzen. Doch woher kommen diese Vorlieben? Hängen sie einfach nur mit den Lieblingsgames zusammen oder steckt ein wenig mehr dahinter? Welche unbewussten Prozesse hängen mit den verschiedenen Perspektiven in Computerspielen zusammen? Diese Fragen zu klären gibt nicht nur Aufschluss, welche Games auf der zukünftigen Wunschliste stehen sollten. Darüber hinaus zeigen uns die Antworten, welches Erfolgskonzept hinter so mancher Spiele-Reihe steckt.

Hauptmerkmale des First Person Gaming

Die Egoperspektive stellte bestimmt eine der ersten großen Revolutionen bei der Spiele-Entwicklung dar. Wer zurück an Wolfenstein 3D, Doom oder Duke Nukem 3D denkt, der weiß, dass durch diese neue Sichtweise die dritte Dimension für Videospiele aufgestoßen wurde. Ironischerweise sorgt aber gerade der technische Fortschritt nun wieder für weniger Games mit dieser speziellen Perspektive. Dazu kommen wir aber erst im nächsten Abschnitt.

Große Bedeutung besitzt die First Person Ansicht immer noch im E-Sport bzw. bei „Competetive Shootern“. Mittels des direkten Blickes durch die Augen des Avatar lässt sich schneller und genauer zielen. Außerdem erfordern einige Spielprinzipien die eingeschränkte Sicht. Gerade wenn es um Schock-Elemente geht, können die Entwickler absichtlich auf etwas weniger Übersicht setzen. So wird es viel spannender, ob der nächste Zombie oder Psycho einen gerade hinterrücks anfallen möchte. Sehr gute Beispiele wären hier moderne Horrorgames, wie etwa Outlast oder Amnesia.

Der größte Nachteil der First Person Perspektive scheint zunächst nicht sehr intuitiv. Das Versetzen in eine fremde Rolle fällt durch diesen Blick auf das Game eher schwerer. Gerade deshalb funktionieren Horrorgames und E-Sport mit der direkten Egoperspektive besonders gut. Die Trennung zwischen der eigenen Person und dem Spielgeschehen ist sehr gering. Aber die Rolle eines guten Charakters im Spiel einzunehmen, fällt wegen dieser dünnen Grenze ziemlich schwer.

Trotz dieses Nachteils und der teilweise unzeitgemäßen Art der Darstellung, werden Klassiker wie Counter-Strike oder Survival Horror noch lange auf diese Sichtweise setzen.

Hauptmerkmale des Third Person Gaming

Gerade durch grafische Möglichkeiten setzen immer mehr Spiele auf diese moderne Sicht. Das bedeutet keineswegs, dass es nicht früher auch schon Third Person Vertreter gegeben hätte. Wenn an die ersten Tomb Raider Titel oder Metal Gear Solid auf der PlayStation 1 zurückgedacht wird, dann wird schnell die wichtige Rolle dieser Perspektive klar. Vor der ersten PlayStation finden sich hingegen weniger Spiele mit dieser grafisch doch aufwendigen Ansicht.

Bei der Third Person Ansicht sieht der Spieler nämlich den Avatar. Der Zocker schaut ihm praktisch über die Schulter. Das klingt im ersten Moment nach großer Ähnlichkeit zur klassischen Egoperspektive, aber durch diese Sichtweise muss das Spiel viel mehr zeigen, was rund um den Charakter passiert. Außerdem werden so ganz neue Steuermöglichkeiten eröffnet. Die akrobatischen Sprünge und Rollen in Dark Souls würden bei einer First Person Sicht nur zu Schwindelanfällen führen. Durch Third Person wird diese flüssige Action erst möglich gemacht.

Ein weiterer großer Vorteil der Third Person Perspektive ist das erleichterte Roleplaying bzw. das genauere Umreißen von einzelnen Charakteren. Durch den Blick auf den eigenen Avatar fällt es viel leichter in dessen Haut zu schlüpfen. Schließlich ist es ständig möglich, seine Reaktionen in einem Gespräch mit einem NPC zu erkennen. Gerade beim Blick über die Schulter vergisst der Gamer viel leichter, dass er eigentlich auf dem gemütlichen Sofa sitzt. Er sieht sich ja in der Welt des Spiels stehen, laufen und agieren. Aus diesem Grund setzen auch praktisch alle bekannten Massive Multiplayer Online Role Playing Games auf diese Perspektive. Populäre Beispiele finden sich von „World of Warcraft“ bis hin zu „Black Desert“.

Ein wesentlicher Nachteil der Third Person Ansicht betrifft bestimmt das genaue Zielen. In großen Rollenspielen wird Auto-Targeting eingesetzt, aber wenn es zum Spielerlebnis gehören soll, schnell und genau ein Ziel zu treffen, dann empfiehlt sich doch eher die klassische Egoperspektive. Es kann als abschließender Grundsatz festgehalten werden, dass sich bei Third Person Spielen der gesamte Charakter besser steuern lässt (z. B. „Zelda: Ocarina of Time“) und bei First Person Spielen eher die Steuerung einzelner Aktionen bzw. Geräte oder Waffen im Vordergrund steht (z. B. Battlefield).