Lost Sphear – die Kraft der Erinnerung

Lost Sphear – die Kraft der Erinnerung
© Square Enix Games 19.01.2018

Eine weiße Masse, die sich aufzulösen scheint: Der begegnet Protagonist Kanata in Lost Sphear. Die akute Gefahr sieht zunächst eigentlich gar nicht bedrohlich aus, doch nach und nach gerät im weißen Nichts alles in Vergessenheit. Natürlich ist es unsere Aufgabe, die Welt und all ihre Bewohner zu retten. Entwickler Tokyo RPG Factory beglückt uns nach I Am Setsuna mit einem zweiten JRPG, das auch wunderbar in den 90ern hätte erscheinen können. Damit ist das Ziel der Entwickler erfüllt: den Geist klassischer Rollenspiele einzufangen. Eigens für die Entwicklung solcher Nischentitel hatte Square Enix das Studio ursprünglich erschaffen. Wir finden das super – von Nostalgie und Retro-Feeling bei Games können wir nämlich kaum genug bekommen. Und wenn die vertraute Verpackung dann wie in diesem Fall noch spannende neue Inhalte enthält, sind wir rundum zufrieden.

Mit Kanata gegen das weiße Nichts

Ein entschlossener Junge mit einer besonderen Fähigkeit: Das ist Kanata. Mit ihm und weiteren Gefährten stellen wir uns der Aufgabe, die Welt zu retten. Denn als Kanata eines Morgens erwacht, sind plötzlich Teile seiner Heimatstadt verschwunden. Ein unbestimmter weißer Nebel macht sich breit und scheint die ganze Welt in Luft auflösen zu wollen. Doch Kanata kann nicht nur mit dem Schwert umgehen, sondern mit Erinnerungen die verlorenen Gebiete wiederherstellen. Mit dieser Fähigkeit ist unser Schicksal als Auserwählter bestimmt, und wir kämpfen uns mit unserer Truppe tapferer Helden durch zahlreiche Dungeons, besuchen verwunschene Städtchen und erkunden so in bewährter Draufsicht die gesamte Weltkarte.

Mehr als nur Erinnerungen: Wir formen die Welt

Wenn wir verloren geglaubte Regionen wieder mit Farbe und Formen ausstatten, müssen wir uns nicht streng an das halten, was früher einmal war. Kanata kann selbst ein wenig kreativ werden und zum Beispiel verschiedene Bauwerke errichten. Die haben dann sogar Einfluss auf das weitere Spielgeschehen – manchmal nur in einem bestimmten Gebiet, in anderen Fällen sogar in der gesamten Welt. Zum Beispiel erhalten wir so erst eine Minimap oder können mit bestimmten Gebäuden dauerhaft unsere Stärke erhöhen oder die Verteidigung der Gegner schwächen. Und wer sich später nochmal anders entscheiden will, kann Gebautes einfach abreißen und durch Neues ersetzen.

Kämpfe mit mehr Bewegungsfreiheit

Die Kämpfe sind das, worin sich Lost Sphear am stärksten von seinen klassischen Vorbildern unterscheidet. Denn sie sind eine angenehme Mischform aus rundenbasiert mit zusätzlichen dynamischen Elementen. Wie gewohnt ist nach und nach jedes Teammitglied an der Reihe und wir können uns unsere Schritte entspannt überlegen: direkt drauf hauen, einen Kameraden heilen oder doch einen Schutzzauber wirken. Wenn wir uns für einen Angriff entscheiden, können wir Kanata und seine Freunde in einem vorgegebenen Rahmen frei in der Arena bewegen. Dabei ist es dann beispielsweise möglich, mit einer klug gewählten Ausgangsposition gleich mehrere Gegner auf einen Streich zu erwischen. Einige Elemente haben die Entwickler aus I Am Setsuna übernommen, wie die Möglichkeit, mit einem gut getimten Tastendruck einen Boost auszulösen. Doch neue Ideen wie die Vulcosuits sind ebenfalls hinzugekommen. Diese mächtigen Anzüge verleihen uns mehr Kraft sowie zusätzlichen Schutz und kommen sowohl im Kampf als auch während ruhiger Erkundungsphasen zum Einsatz. Denn praktischerweise helfen sie auch dabei, schwere Felsbrocken aus dem Weg zu räumen.

Fazit: Ein gutes altes JRPG mit frischen Ideen

Lost Sphear wendet sich definitiv an eine ganz spezielle Zielgruppe, deren Wünsche das Spiel perfekt erfüllt. Wären die Kanten nicht so glatt, könnte das Game auch gut und gerne vor 20 Jahren erschienen sein. Die schräge Draufsicht, die Weltkarte, sanfte Piano-Klänge und keine geringere Aufgabe, als die Welt zu retten, erinnern uns schon stark an Titel wie Chrono Trigger und Secret of Mana. Von letzterem erscheint demnächst übrigens ein Remake – eine gute Zeit für Genre-Fans also. Wer aber auch mal wieder ein waschechtes JRPG mit neuer Geschichte erleben will, ist bei Lost Sphear genau richtig.