Die größten Gaming-Überraschungen 2016

Games 09.01.2017

2016 gab es einige Überraschungshits, hier sind Games, die uns auf ihre ganz eigene Art und Weise positiv überrascht, verwundert oder einfach nur erfreut haben. Das reicht von Spielen, die unsere Erwartung meilenweit übertroffen haben, die deutlich besser als ihre Serienvorgänger waren, bis hin zu solchen, die durch einen unerwarteten Hype oder ungewöhnliche Design-Entscheidungen aufgefallen sind. Das sind unsere größten Games-Überraschungen aus dem Jahr 2016.

That Dragon, Cancer: Die Schönheit der Tragik

Beginnen möchten wir mit einer eher kontroversen Veröffentlichung. That Dragon, Cancer ist kein Gute-Laune-Spiel und einige mögen in diesem Zusammenhang nicht einmal von einem richtigen Spiel sprechen, da die Spielanteile sehr minimalistisch sind und am Ende niemand gewinnen kann. That Dragon, Cancer ist ein durch Kickstarter finanziertes Indiespiel, in dem die Eltern Amy und Ryan Green den Krebstod ihres Kindes verarbeiten und ihrem Sohn Joel damit ein Denkmal setzen sowie versuchen, die eigene Trauer zu bewältigen. Das verleiht dem Spiel eine ganz neue Ebene, der hoffnungslose Kampf gegen den Drachen Krebs wird zur intensiven, emotionalen Zerreißprobe, bei der kein Auge trocken bleiben dürfte. That Dragon, Cancer ist eines dieser Spiele, die sicher kein Massenprodukt sind und wahrscheinlich nur wenige Spieler ansprechen. Aber so ist das bei Kunstwerken: Ihre besondere Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Und dieses Spiel ist nicht mehr und nicht weniger als ein Beweis, dass Spiele Kunst sein können. Allein die Tatsache, dass so ein Spiel existiert, dass es finanziert werden konnte und dass die Eltern des kleinen Joel den Mut aufbrachten, ihre Trauer und Ohnmacht mit der ganzen Welt zu teilen, beschert That Dragon, Cancer seinen Platz unter unseren Spiele-Überraschungen 2016.

Der Hype des Sommers: Pokémon Go

Über 500 Millionen Downloads, geschätzte 600 Millionen US-Dollar Einnahmen und zahlreiche kuriose Nachrichten. Kein Spiel hat bisher so hohe Wellen geschlagen wie Pokémon Go im Sommer 2016. In Hundertschaften sind auf der ganzen Welt Menschen durch die Straßen gezogen, um digitale Monster mit dem Smartphone zu jagen. Dabei entstanden Szenen, die wir uns so niemals ausgemalt hätten: Ganze Straßenzüge wurden lahmgelegt, Menschenmassen rannten seltenen Pokémon hinterher und dutzende Unfälle unvorsichtiger Pokémon-Trainer wurden gemeldet. Das Spiel entwickelte sich innerhalb weniger Wochen vom Mobile Game zum Kulturphänomen, das durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen hinweg die Menschen begeistert hat. Was sich rasant zum Hype entwickelte, ist aber genauso schnell wieder abgeebbt und nach einem Vierteljahr war Pokémon Go schon wieder so gut wie vergessen. Was vor allem daran liegt, dass Entwickler Niantic die Nachfrage unterschätzt hat und statt Inhalts-Updates vor allem mit Bugfixes und Serverstabilität zu tun hatte. Auch wenn es längst nicht mehr so viele Spieler gibt und Pokémon Go irgendwann ganz aus den App Stores verschwinden wird: Der Sommer 2016 und die verrückten Geschichten rund um Pikachu, Shiggy und Co. bleiben für immer.

Koop in Reinkultur mit Overcooked

Machen wir direkt mit den Indie-Games weiter: Overcooked hat sich seinen Platz in dieser Liste verdient. Zwar haben wir es bereits im Artikel zu unseren liebsten Mehrspieler- und Koop-Titeln des Jahres 2016 genannt, aber da es uns einfach völlig überrascht hat, gehört es natürlich ebenso in diese Liste der überraschendsten Games 2016. Kooperative Spielmodi sind beliebt, vor allem wenn man sie von der Couch aus mit Freunden bei einem gemütlichen Zockerabend spielen kann. Leider sind viele Koop-Modi allerdings auch sehr lieblos gestaltet, indem sie nichts am Einzelspieler-Erlebnis verändern und die Modi ebenso alleine gespielt werden könnten. Overcooked hingegen setzt Kooperation voraus – alleine lassen sich die Aufgaben nicht bewältigen. Das Gefühl, dass man auf seine Mitspieler angewiesen ist, ist in Overcooked sehr stark. Das kann sogar zu Anspannung und positiven Stress führen, wenn die Zeit langsam aber sicher abläuft und die Zusammenarbeit in der virtuellen Küche holprig ist. Aber nach der Runde, wenn die Anspannung kurz verebbt, wird sie meist durch Erleichterung und Lachen abgelöst. Das macht ein gutes Koop-Spiel aus. Doch gerade weil die leider so selten sind, hat uns das Spielprinzip von Overcooked 2016 so überrascht.

Hitman: Meucheln im Episodenformat wird zum Erfolg

Die Nachricht, dass das neue Hitman-Spiel zunächst im Episodenformat erscheint, mit Spielehappen mit monatlichen Updates, hat viel Skepsis ausgelöst. Wie sollte das Format, dass man von Telltale Games und anderen gewöhnt ist, bei einem Vollpreis-Triple-A-Titel wie Hitman funktionieren? Die Antwort: Es funktioniert verdammt gut und das ist eine unserer größten Gaming-Überraschungen 2016. Die monatliche Taktung sorgt dafür, dass man nicht zu lange auf die nächste Episode warten muss und in der Zwischenzeit gibt es ebenfalls genug zu tun. Freunde von Stealth-Action und großen Herausforderungen hatten ihre wahre Freude mit den „Elusive Targets“- und „Escalation“-Missionen. Diese haben in den bestehenden Levels für ausreichend Abwechslung gesorgt und Hitman-Fans regelmäßig mit Nachschub versorgt. Besonders die Elusive Targets nutzen dass „Live-Format“ mit Staffel und Episoden gut aus. Denn einerseits sind diese Missionen immer nur für 72 Stunden verfügbar gewesen, ohne je zurückzukehren, und andererseits gab es immer nur einen Versuch. Wer bei diesen Missionen stirbt oder die Zielperson fliehen lässt, hat keine Chance, noch einmal von vorne anzufangen. Ärgerlich, aber letztendlich auch nicht weiter tragisch – das nächste Elusive Target kommt sicher! Positiver Nebeneffekt: wir kennen jedes Level im Schlaf und haben die Areale gründlicher erkundet, als wir es ohne Episodenformat, Elusive Targets und andere Challenges je getan hätten.

Watch Dogs 2 übertrifft sämtliche Erwartungen

Nachhaltig begeistert und dadurch sehr überrascht hat uns auch Watch Dogs 2. Das liegt vor allem daran, dass die Erwartungen nach dem eher durchwachsenen ersten Teil nicht besonders hoch waren. Dort gab es zum einen eine Kontroverse um das Promo-Material, das im Vorfeld gezeigt wurde und ein wesentlich hübscheres Spiel präsentierte, als letztendlich auf Konsolen und PCs installiert wurde. Zum anderen hat sich das Spiel schwer getan mit seiner Story, dem Setting und der gesamten Atmosphäre. Das erste Watch Dogs war sehr düster, wollte ernst sein und war gleichzeitig einfach unglaubwürdig und hatte neben Schwächen im Gameplay (beispielsweise der Fahrphysik von Autos) eine offene Spielwelt, die wenig Spannendes zu bieten hatte. Watch Dogs 2 hingegen will einfach nur Freude machen, spielt mit Klischees, der Nerd-Kultur und nimmt sich dabei selbst nicht zu ernst. Überraschenderweise liegt genau hier der Reiz: Watch Dogs 2 überzeugt mit dämlichem Humor, fragwürdigen Missionen und hibbeligen und überdrehten Charakteren. Damit ist es weniger ein ernstes Hacker-Drama als vielmehr der geistige Nachfolger des 90er-Jahre Films Hackers: Wie in Hackers werden das Hacken und die Hackerszene völlig falsch und überzogen dargestellt und darin liegt unterm Strich die größte Stärke. Watch Dogs 2 ist absurd, aber nicht so hochgradig absurd wie die Saint's Row-Reihe und damit findet die Serie seine eigene Nische. Der Wechsel hinsichtlich Ton und Präsentation vom ersten zum zweiten Teil und die daraus resultierende Stärke und der unglaublich hohe Spielspaß gehörten zu den Gaming-Überraschungen 2016.

Lieber zu spät als nie: Final Fantasy 15 & The Last Guardian

Zu guter Letzt zwei Spiele, die eine sehr lange Entwicklungsphase hinter sich haben und gegen Ende des Jahres endlich den Weg auf unsere Konsolen gefunden haben. Zunächst zu The Last Guardian, auf das Fans von Entwicklerstudio Team Ico immerhin 11 Jahre gewartet haben! Ursprünglich präsentiert wurde das Spiel 2009 als PS3-Titel und danach folgten zahlreiche Terminverschiebungen und zeitweise komplette Funkstille. Das ließ immer wieder Gerüchte, dass es in der Entwicklungshölle gefangen sei und niemals erscheinen würde. Nun wurden wir zum Glück eines besseren belehrt, denn wir möchten Trico nicht mehr missen und haben The Last Guardian auch zu einem unserer liebsten Singleplayer-Spiele 2016 gekürt. Zum anderen wäre da Final Fantasy XV, das seine Entwicklung 2006 als Final Fantasy Versus XII begann und ein Spin-Off des 13. Serienteils werden sollte. Im Laufe der Entwicklung wurde es jedoch zum 15. Teil umbenannt und mit Hajime Tabata als neuem Projektleiter umgekrempelt. Die Hoffnung von Final-Fantasy-Fans war, dass FF15 nach dem durchwachsenen 13. Teil die Serie zu alter Stärke zurückbringt. Umso schlimmer waren die zahlreichen Verschiebungen und die zwischenzeitliche Funkstille für die große Fan-Basis. Nach 10 Jahren war es dann Ende November endlich soweit und Final Fantasy XV hat alte sowie neue Fans überrascht, die Hoffnungen sowie Versprechen größtenteils erfüllt und ist ein verdammt gutes Rollenspiel geworden.