Watch Dogs 2: Hacken in San Francisco

Games 15.11.2016

Das erste Watch Dogs hat 2014 hohe Wellen geschlagen. Das Spiel erhielt zwar überwiegend wohlmeinende Kritiken, sorgte aber auch für Kontroversen unter Spielern. Zum einen sah das Spiel grafisch lange nicht so gut aus, wie es zuvor gezeigte Trailer hatten glauben lassen, zum anderen wurden viele Gameplay-Elemente bemängelt. Dennoch stand für Ubisoft außer Frage, dass sie hier ein Franchise mit viel Potenzial und frischen Ideen geschaffen hatten. Watch Dogs 2 war also die logische Konsequenz, und mit der Kritik am ersten Spiel im Hinterkopf hat das Team aus Montreal ein solides Open-World-Actionspiel mit Hacker-Elementen abgeliefert. Was uns besonders gut gefällt, verraten wir euch nun im ausführlichen Watch-Dogs-2-Review.

Die komplett vernetzte Stadt

Watch Dogs 2 spielt in einer virtuellen Interpretation der US-Westküstenmetropole San Francisco und dessen direktem Umland – Oakland, Marin County und in Teilen des berühmt-berüchtigten Silicon Valley. Selbstverständlich kommen auch Sehenswürdigkeiten wie die ikonische Golden Gate Bridge vor. Nach Chicago, wo das erste Watch Dogs spielte, ist San Francisco die nächste Stadt, die das zentralisierte Betriebssystem ctOS (central Operating System) installiert, um die komplette Stadt miteinander zu vernetzen. Auftritt Marcus Holloway – Protagonist in Watch Dogs 2. Der junge Hacker wurde vom ctOS eines Verbrechens beschuldigt, das er nicht begangen hat. Er stellt fest, dass das von der Blume Corporation entwickelte Betriebssystem heimlich Daten von Privatpersonen sammelt, verkauft sowie manipuliert. So spioniert es unschuldige Menschen in San Francisco aus und schadet ihnen. Daraufhin schließt er sich der Hacker-Gruppe DedSec an, um Blumes Machenschaften zu beenden und das ctOS vom Netz zu nehmen – sowohl mit Hackerangriffen als auch mit Waffengewalt.

Das System ausnutzen

Das komplett vernetzte ctOS auszunutzen, gehört in Watch Dogs 2 wie beim Vorgänger zu den Kernmechaniken. Marcus macht sich das System zunutze, indem er sich jederzeit mit seinem Smartphone in Geräte hackt, die mit dem Netzwerk verbunden sind. So kann er bei einer Verfolgungsjagd den Straßenverkehr zu seinen Gunsten manipulieren, Überwachungskameras hacken, NPCs via Knopfdruck fälschlicherweise bei der Polizei anschwärzen und verhaften lassen oder die Telefone ganzer NPC-Gruppen lahmlegen, um sie durch den Defekt abzulenken. Darin unterscheidet sich Watch Dogs 2 kaum von seinem Vorgänger. Aber es kommen auch neue Hacking-Elemente hinzu.

Mehr Ausrüstung in Watch Dogs 2

Auch in puncto Ausrüstung haben die Entwickler Marcus mehr Arsenal spendiert als dem Vorgänger-Protagonisten Aiden. Womit wir aber nicht nur die Schießeisen und andere Waffen meinen, auf die wir im Spielverlauf Zugriff haben. Viel interessanter sind nämlich die Gadgets, mit denen wir in Watch Dogs 2 hantieren können, die es im Vorgänger nicht gab. Zum einen können wir eine Drohne durch die Lüfte schicken, mit der wir Areale auskundschaften, diverse Hacks ferngesteuert ausführen oder sogar Spreng- sowie Elektroschock-Bomben abwerfen können. So ist das kleine Gadget nicht nur ein Auge in der Luft, sondern auch eine effektive Waffe, um ganze Gegnergruppen von oben mit Bomben zu überraschen. Mit ganz ähnlichen Funktionen ist auch der ferngesteuerte Bodenroboter ausgestattet. Und, um die Fernsteuerung zu komplettieren, kann Marcus nun auch Autos präparieren und fernsteuern. Das erlaubt besonders coole und filmreife Szenen, wenn wir ein ferngesteuertes Auto als Ablenkungsmanöver nutzen oder es (mit Sprengstoff präpariert) in eine Gegnergruppe fahren und in die Luft jagen.

In Watch Dogs 2 führen mehrere Wege zum Ziel

Und genau von diesen Möglichkeiten lebt Watch Dogs 2: Wir haben als Spieler selbst in der Hand, wie Aufgaben und Missionen gelöst werden. Zunächst einmal haben wir die Wahl, ob wir eher schleichen und leise vorgehen, ob wir uns eher auf das Hacking verlassen oder ob wir wie ein urbaner Rambo durch die Eingangstür platzen und unsere Gegner mithilfe diverser Meinungsverstärker aufmischen. Mit Unterstützung der unterschiedlichen Gadgets ergeben sich eine Vielzahl an Herangehensweisen sowie besonders kreative Taktiken, wenn man sich die ganze Bandbreite an Fähigkeiten, Waffen und Co. zunutze macht. Selbst beim Fahren haben wir die Wahl, ob wir auf Knopfdruck Hacks durchführen, beispielsweise um Poller aus dem Asphalt zu holen oder um Verkehrschaos an Kreuzungen anzurichten, oder ob wir doch lieber während der Fahrt ein Schießeisen benutzen wollen.

Einzigartiger Multiplayer mit viel Potenzial

Wie bereits im ersten Teil setzen die Entwickler auf einen fließenden Übergang zwischen Single- und Multiplayer, wenn man das möchte. Die bekannten Online-Invasionen des Vorgängers gibt es auch in Watch Dogs 2 wieder. Hier geht es darum, in die Spielwelt von anderen Spielern einzudringen und ein Computervirus im Smartphone des Gegenspielers zu installieren, ohne dabei entdeckt zu werden. Der „verteidigende“ Spieler bekommt Informationen über den ungefähren Aufenthaltsort des Eindringlings, sobald der Hack startet, und kann versuchen, ihn rechtzeitig zu finden und auszuschalten. Ein Katz-und-Maus-Spiel, das schon vor zwei Jahren im Original begeistern konnte. Als Spieler-gegen-Spieler-Variante wird außerdem noch der Modus Bounty Hunter automatisch gestartet, wenn man als Spieler zu viel Chaos in San Francisco stiftet. Abgesehen von der Polizei wird man nämlich dann noch von ein bis drei weiteren Spielern verfolgt. Diese werden in die Session geholt und können sich ein Kopfgeld sichern, wenn sie Jagd auf den Unruhestifter machen. Für Kooperation ist auch gesorgt, da wir jederzeit einen Kumpel in unser Spiel holen und gemeinsam Missionen erledigen können. Das macht besonders viel Laune, weil man sich taktisch absprechen kann. Während der eine beispielsweise Unruhe stiftet und Gegner auf sich aufmerksam macht, schleicht sich der andere unbehelligt zum Ziel. Apropos Unruhe: Wird im Laufe einer Koop-Session der Bounty-Hunter-Modus gestartet, kämpfen wir mit unserem Koop-Partner gemeinsam, um vor Polizei und Kopfgeldjägern zu flüchten.

Fazit

Mit Watch Dogs 2 setzt Ubisoft auf die bekannte Formel des Vorgängers und erweitert das Gameplay an einigen Stellen. Unterm Strich kommt dabei ein gutes Open-World-Actionspiel heraus, das viele interessante und einzigartige Ideen mitbringt – vor allem das Hacking und die unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Gimmicks sowie der fließende Übergang zwischen Einzel- und Mehrspielermodus. Der Vergleich zu GTA 5 drängt sich aber automatisch auf. Letztendlich kann auch Watch Dogs 2 den Genrekönig nicht vom Thron stoßen. Aber das wäre vielleicht auch zu viel erwartet. Alles in allem ist Watch Dogs 2 ein durchaus gelungener Action Thriller mit interessanten Charakteren, einem einzigartigen Setting und einem breiten Gameplay-Spektrum. Wer zum Ende des Jahres noch ein Open-World-Epos und eine Alternative zu Mafia 3 sucht, für den ist Watch Dogs 2 das richtige Spiel.