Worauf es beim Gaming-Fernseher ankommt

Games 23.09.2016

Elektronikmärkte und Versandhäuser locken beinahe täglich mit neuen Preissensationen. So auch im Fernsehmarkt, der sich mit neuen Technologien stetig weiterentwickelt. Nie waren Flachbildfernseher so günstig – egal, ob LED-, OLED-, Curved- oder Ultra-HD- beziehungsweise 4k-Fernseher. Aber sind auch alle Modelle gleich gut, wenn man als Gamer einen Fernseher sucht? Definitiv nicht! Viele Faktoren können einen negativen Einfluss auf das Spiel haben und im schlimmsten Fall trübt der falsche Fernseher das Gaming-Erlebnis. Worauf es beim Fernseher fürs Gaming ankommt, was es beim Kauf zu beachten gibt und welche Mythen sich hartnäckig halten, wollen wir in Folgenden klären. So wird die Suche nach dem neuen Fernsehgerät für jeden Konsolenzocker angenehmer und hoffentlich auch erfolgreicher.

Muss es wirklich ein Fernseher für Konsolen sein?

Auch wenn wir uns eigentlich auf die Suche nach Kriterien für einen Gaming-Fernseher machen, müssen wir doch eine essentielle Frage vorab stellen – nämlich, ob es überhaupt ein Fernsehgerät sein muss. Die Alternativen sind Projektoren, im Volksmund auch Beamer genannt, oder Computer-Monitore. Die eine Variante ist damit deutlich größer und die andere deutlich kleiner als der durchschnittliche Fernseher für Gamer. Beide Varianten sollten jedoch nicht unbedingt ausgeschlossen werden, denn sie bringen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich:

  • Der Monitor als Ersatz für den Gaming-Fernseher kann sich vor allem dann lohnen, wenn die Platzverhältnisse im Zimmer etwas beengt sind oder man sich nach einem Zweit-Bildschirm umsieht. Außerdem sind viele PC-Monitore eher für Games ausgelegt. Beleuchtung und Schärfe sind besser und Bewegungen flüssiger. Wer allerdings extragroße Bilder sucht, für den ist ein Monitor keine Option.
  • Groß, größer, Beamer: Einen Projektor statt einen Fernseher für das Gaming zu benutzen, ist der Traum von vielen, da das Bild riesig ausfallen kann. Für XXL-Zockernächte gibt es keine bessere Wahl. Die Betonung liegt allerdings auf dem Wort Nächte: Bei Tageslicht leidet die Bildqualität von Projektoren sehr, was wohl jeder aus Büro, Schule oder Universität kennt. Außerdem braucht man entsprechend viel Platz zwischen der Projektionsfläche und dem Gerät, weshalb der Beamer ebenfalls eher zum Zweitgerät taugt.

Entscheidung über Größe und Technik

Trotz kleiner und großer Alternativen ist und bleibt der Fernseher für Gamer erste Wahl, weil er vielseitiger ist. Er ist mit zahlreichen HDMI-Anschlüssen ausgestattet, weswegen sich mehr Geräte und Konsolen gleichzeitig anschließen lassen. Zudem spielt der gute alte Fernsehempfang für viele natürlich auch eine Rolle. Eines der ersten Kriterien für den Gaming-Fernseher ist natürlich die Größe – je nachdem, wie viel Budget man für das Gerät einplant, bekommt man mittlerweile viele Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale jenseits der 60 Zoll. Für ein kleines Vermögen sogar jenseits der 80 Zoll. Entscheidend für die richtige Größe ist aber vor allem der Abstand von der Couch zum Bildschirm. Als Faustregel kann man sagen: Der Abstand sollte in etwa das Zweieinhalbfache der Bildschirmdiagonale (in Zentimetern) entsprechen. Bei einem 65 Zoll Fernseher (164cm) sollte man also gut 4 Meter weit von dem Gerät entfernt sitzen.

Was die Technik anbelangt, ist die Wahl nicht mehr so schwierig wie noch vor einigen Jahren. Während eine Zeit lang die einen für Plasma-Fernseher beim Gaming schwärmten, schworen die anderen auf LED. Mittlerweile werden nur noch LED- und OLED-TVs hergestellt und die ehemaligen Makel in puncto Farben und Schwarzwerte wurden ausgebessert. Vielmehr stellt sich mittlerweile die Frage, ob der Gaming-Fernseher vielleicht ein Curved-TV sein soll. Dabei kommt es aber allein auf die persönliche Vorliebe an – ob flacher oder gebogener Fernseher, das ist fürs Gaming an sich unerheblich. Die zweite Frage betrifft Ultra-HD. Soll der neue Fernseher für die Konsolen direkt 4k-Unterstützung bieten? Inhalte gibt es für die Ultra-Auflösung bisher kaum, allerdings sollen die geplanten PS4 Neo und Xbox Scorpio vermutlich immerhin 4K-Filme abspielen können.

Gamer, Fernseher und der berüchtigte Input Lag

Wenn Gamer über Fernseher sprechen ist der Input Lag immer wieder ein großes Thema und er spielt darum eine wichtige Rolle bei der Wahl des richtigen Gerätes. Der Input Lag ist die zeitliche Verzögerung zwischen dem Drücken einer Taste auf dem Controller über die Umwandlung des Signals bis hin zur Darstellung am Bildschirm. Bis zu 30ms Verzögerung sind in der Regel völlig in Ordnung und nicht oder nur kaum wahrnehmbar. Wenn es jedoch länger dauert, kann das Spielerlebnis leiden – besonders bei Multiplayer-Spielen, Actionspielen wie Shootern oder Jump and Runs mit heiklen Präzisionssprüngen. Für die genaue Messung des Input Lags gibt es kein einheitliches Messverfahren, weshalb sich Gamer beim Fernseherkauf auf unabhängige Testseiten verlassen müssen. Abhilfe schafft jedoch bei den meisten Herstellern und Modellen mittlerweile der Game-Modus. Bei dieser Einstellung verzichtet das Gerät auf die Nachbearbeitung des Bildsignals und reduziert dadurch den Input Lag. Daher ist dieses Kriterium mittlerweile auch kaum noch der Rede wert. Dennoch sollte man sich auf der Suche nach dem neuen Gaming-Fernseher über Input-Lag der Modelle sowie den Game-Modus informieren.

Optimale Reaktionszeit und Bildrate beim Fernseher fürs Gaming

Die Reaktionszeit wird häufig mit dem Input Lag verwechselt, hat aber damit nichts zu tun. Viel mehr ist eine zu langsame Reaktionszeit des Fernsehers für die berüchtigten Schlieren verantwortlich, die man auch oft bei Fußballspielen an Bewegungen des Balles und der Spieler erkennen kann. Dabei zieht die Bewegung etwas nach und es entstehen Schlieren und Schatten durch die Verzögerung. Der Wert gibt an, wie schnell einzelne Pixel ihre Farbe wechseln können. Sprich: je kleiner der Wert, desto besser die Reaktionszeit. Optimal für den Gaming-Fernseher ist eine Reaktionszeit unter 10ms.

Die Bildrate des Fernsehers ist beim Gaming prinzipiell nicht entscheidend, da die Konsolen ohnehin eine feste Bildrate über HDMI übertragen. Diese liegt bei 60 Hz – ein Fernseher mit 1.000 Hz ist also für Gamer eher unnütz, da er ohnehin nicht mehr ausgeben kann, als die PS4 oder Xbox überträgt. Lediglich, wenn man den PC zum Spielen an den Fernseher anschließt, kann ein Signal bis zu 120hz übertragen werden. Die Bildrate spielt für Zocker also so gut wie keine Rolle und sollte in die Kaufentscheidung nur untergeordnet einfließen.

Fazit: Moderne Fernseher für Gamer nehmen sich nicht viel

Prinzipiell kann man sagen, dass die meisten modernen Fernseher auch für Konsolen-Zocker geeignet sind, da viele technische Werte nicht mehr oder kaum entscheidend sind und Hersteller mittlerweile von Haus aus einen Game-Modus mitliefern. Dank diesem spielt der Input Lag so gut wie keine Rolle mehr. Die wichtigste Entscheidung für Gamer auf Fernsehersuche ist daher die Screen-Größe sowie die Frage, welche Besonderheiten und Features er haben soll. Wer beispielsweise auf Smart-TV-Features oder bestimmte integrierte Receiver verzichten kann, kann mitunter Geld sparen und sich eher auf grundlegende Merkmale wie Größe, Auflösung, Reaktionszeit etc. konzentrieren.