E-Sport im Bundesliga-Traditionsverein

eSports 27.02.2017

Dass E-Sport auch 2017 weiterwächst, die Preisgelder steigen und dass die Vermarktung von professionellen Matches und Turnieren immer größere Dimensionen annimmt, haben wir bereits als Trend prophezeit. E-Sport mit seinen unterschiedlichsten Disziplinen ist so etwas wie ein schlafender Riese – er könnte irgendwann sogar klassischen Sportarten Konkurrenz machen. Das haben nun auch Traditionssportvereine erkannt, und beginnen, sich in diesem Bereich aufzustellen. Allen voran der Gelsenkirchener Verein Schalke 04, der zu den festen Bundesligagrößen gehört, international bekannt ist – und seit Mai 2016 eine eigene E-Sport-Abteilung mit einem League-of-Legends-Team hat.

Schalkes großer Einstieg in den E-Sport

Ende 2015 hat sich der Verein entschlossen, neue Geschäftsfelder zu erschließen, und E-Sport schien von Anfang an vielversprechend. Die Leitung der E-Sport-Abteilung auf Schalke hat Tim Reichert, der als ehemaliger Fußballprofi in der zweiten Liga und als Mitgründer des bekannten Clans SK-Gaming ideal zwischen den Welten vermitteln kann. Um direkt oben mitzumischen, hat der Verein das ehemalige Team Elements verpflichtet, das Anfang 2015 noch in der europäischen LCS vertreten war, und dort um den Meistertitel sowie die Teilnahme an den jährlichen World Championships zu spielen. Sowohl für den Verein als auch für die Spieler begann damit ein spannendes Experiment.

Holpriger Start für Schalke 04 in League of Legends

Neben dem Training an der Tastatur galt es für die Profi-Zocker, nun auch Fitnesstests zu durchlaufen und sich an klassische Abläufe in Profivereinen zu halten – wohingegen der Verein sich an die Strukturen und Eigenheiten des E-Sports gewöhnen musste. E-Sport und klassischer Profisport funktionieren anders, da Profi-Zocker nicht im selben Maß an Strukturen, Vereinsdymanik und Abläufe gewöhnt sind wie beispielsweise Profifußballer. Von dem geplanten Durchmarsch an die Tabellenspitze und letztlich zu den World Championships war das LoL-Team von Schalke 04 am Ende der LCS-Saison jedoch weit entfernt. Ganz im Gegenteil: Nach einer Negativserie rutschte das Team in der Tabelle stark ab und stieg am Ende der Saison sogar in die zweithöchste Klasse, die Challenger Series, ab. Woraufhin das Team für die neue Saison komplett neu aufgestellt wurde. Um insbesondere Nachwuchstalenten eine Chance zu geben, hat der Verein Scouting-Events durchgeführt und so letztlich sein neues Team zusammengestellt, das in der aktuellen Saison wieder angreifen und im besten Fall den Wiederaufstieg schaffen soll. Letztlich verfolgt das Management in Gelsenkirchen allerdings langfristigen Erfolg, um in der Szene Fuß zu fassen und vom lukrativen E-Sport-Markt zu profitieren.

Andere Traditionsvereine mit Ambitionen im E-Sport

Der Gelsenkirchener Profiverein ist bei Weitem nicht der einzige Verein, der den Sprung in den E-Sport wagt. Besonders in der Fußballsimulation FIFA 17 haben auch andere Spitzenteams erste Schritte gewagt, darunter auch der VfL Wolfsburg. Auch der FC Bayern München liebäugelt bereits mit dem E-Sport und kooperiert vorerst mit Spielehersteller Electronic Arts. Außerhalb Deutschlands findet man mittlerweile auch E-Sport-Abteilungen bei Manchester City, Westham United, Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam, Paris Saint-Germain, beim FC Valencia und Beşiktaş Istanbul. Schalkes Einstieg in League of Legends ist jedoch ein wesentlich größerer Schritt, besonders für die E-Sport-Szene in Deutschland, das Schalker Modell könnte zukunftsweisend sein.

Fazit: Tradition und Moderne im Wechselspiel

Für Experten und Beobachter ist der Einstieg der großen Vereine ein logischer Schritt in Richtung Zukunft, der mit Synergien sowie Vorteilen für beide Seiten verbunden ist. Für E-Sport und die Profis bedeuten die Vereinsstrukturen zusätzliche Professionalisierung und langfristig lukrative Anstellungsverhältnisse, die es ermöglichen, dass Spieler sich sorgenfrei auf ihr Spiel konzentrieren können. Die Vereine hingegen erreichen ein neues Publikum und profitieren so: Besonders junge Menschen, die sich für League of Legends sowie den Profifußball interessieren, werden noch stärker an den Verein gebunden. Außerdem wissen die Vereine um das unglaublich hohe Finanz-Potenzial, das im E-Sport schlummert und aktuell explosionsartig wächst. Immer höhere Preisgelder, teure Senderechte der Spitzenveranstaltungen und immer lukrativere Sponsorenverträge machen E-Sport bald zu einem Milliardengeschäft. Und um von diesem fetten Kuchen rechtzeitig ein Stück abzubekommen, werden immer mehr Vereine den Einstieg in das Geschäft E-Sport wagen.