ESL One Frankfurt 2016 Recap

eSports 22.06.2016

Wenn wir an das ESL One Frankfurt im letzten Jahr zurückdenken, dann fällt uns zuerst die damalige Dominanz von Evil Geniuses und Team Secret ein. Zwei Squads, welche in diesem Jahr mit ganz anderen Problemen zu kämpfen haben, aber darüber werden wir noch ausführlicher berichten. Doch wer zählte in diesem Jahr zu den Favoriten in der deutschen Finanzmetropole am Main? Würden diese Teams ihrer Rolle gerecht werden? Die letzte große Bewährungsprobe vor dem „The International 2016“ gibt immer viel Auskunft darüber, auf wen wir unsere Hoffnungen auf dem größten Turnier des Jahres setzen können. Die letztjährigen Zweiten auf der ESL One Frankfurt Schlacht stemmten schließlich zwei Monate später die „Aegis of the Immortal“ in Seattle in die Höhe.

Die größten DOTA 2 Stars des Jahres 2016 in Frankfurt

Obwohl das diesjährige Line-up kaum eine Ähnlichkeit mit der Aufstellung aus dem Jahr 2015 besaß, durften wir uns in Frankfurt auf einige der besten Spieler der aktuellen DOTA 2 Szene freuen. Die beiden Dauerfinalisten OG und Team Liquid durften natürlich nicht fehlen. Asiatisches DOTA war mit Virtus.Pro und Fnatic eher weniger vertreten, aber viele Fans freuten sich auf Natus Vincere. Gerade auf europäischem Boden war das legendäre Team rund um den sympathischen Dendi für einige Überraschungen gut. Das zeigte der gelbe Squad unter anderem auf dem StarLadder Finale.

Der Weg ins Finale in Frankfurt

Neben diesen Favoriten überraschte noch ein weiteres Team am ersten Tag. Team Vega Squadron, bekannt für den ewigen zweiten Platz in Qualifikationsturnieren, stürmte regelrecht durch die Gruppenphase. Hinzu gesellten sich schnell OG und Team Liquid. Doch Na'Vi Fans mussten wieder einmal in einem sehr bekannten Match-up bangen. Die ukrainischen Stars des ersten TI mussten wieder einmal gegen Complexitiy Gaming aus den USA ran. Da beide Teams einen extrem hohen Sympathiefaktor besitzen, spaltet diese Begegnung so manche unentschlossene Fangemeinde. Bis Samstag um Mitternacht dauerte die Auseinandersetzung, aus der Natus Vincere wieder einmal erfolgreich hervorging. Damit standen alle Teams für den „Championship Sunday“ fest.

Schon das erste Halbfinale erinnerte an so manches Finale in der letzten Zeit. Die zwei Finalisten des erst kürzlich vergangenen Major in Manila trafen erneut aufeinander. Eines dieser beiden Teams würde nicht ins Finale einziehen und damit war die Überraschung schon perfekt. Deshalb verwunderte es auch nicht, dass sich die Teams nichts schenkten und es in ein Game 3 ging. Dort überraschte schon der Draft mit einem „Offlane Lifestealer“, einem Tiny ohne Io von OG und einem Magnus Lastpick von Liquid. Die ersten 30 bis 40 Minuten handelte es sich um einen harten Schlagabtausch, bei dem beide Teams abwechselnd die Nase vorne hatten. Trotz dem andauernden „Naga Split Push“ wirkte der Verlust der ersten Lane dann doch plötzlich und der kurz darauf folgende Sieg sorgte für ein sehr ausgeglichenes Game. Aber OG scheint weiterhin Team Liquid immer einen kleinen Schritt voraus zu sein. Der nächste Titel rückte damit in greifbare Nähe.

Im zweiten Halbfinale nahm Na'Vi viel eindeutiger die Favoritenrolle ein. Im ersten Spiel konnte nur ein perfekt gespielter Slark die Underdogs von Vega Squadron retten. Aber der Timbersaw von Dendi hatte auch noch ein Wörtchen mitzureden. So erlebten wir ein Game, in dem zwei Cores ewig nicht starben. Nach 45 Minuten wirkte es, als ob nur mehr ein Timbersaw gegen einen Slark kämpfen würde und alle anderen Helden nicht mehr als Zierde auf dem Schlachtfeld wären. Am Ende triumphierte der Timbersaw und damit Natus Vincere in einem der besten Spiele des gesamten Turniers.

Das zweite Game kann nur als actionreicher, aber schmutziger Brawl bezeichnet werden. Nach 18 Minuten verlor Vega schon den letzten Tier 2 Tower. Der Kill Count schnellte schon in der ersten Minute in die Höhe und Helden hatten schon bevor sie auf die Lane kamen ihren Level 2. Aber letztlich war es trotz aller Action auch ein kurzer und gnädige Tod, den Vega Squadron starb und die Finalisten standen damit fest.

Das ESL One Frankfurt Finale: OG vs. Na'Vi

Dendi und seine Teammates gingen sehr hungrig in dieses letzte Best of 5. Doch diese Begegnung lässt sich kaum spannend beschreiben. Schon nach wenigen Minuten im ersten Game wurde klar, dass die beiden Teams auf unterschiedlichem Niveau spielten. Es wirkte wie ein Kampf zwischen Mike Tyson und einem 50 Kilo schweren Paparazzi. Wir wollen hier Natus Vincere keine Fähigkeiten absprechen. Es war eine große Leistung von Na'Vi, überhaupt in das Finale dieses Events zu gelangen. Dendi und vor allem GeneRal zeigten an diesem Wochenende die besten Plays seit langer Zeit. Doch der Vergleich mit Mike Tyson ist passend, denn obwohl Na'Vi in Weltklasse-Form war, schienen DOTA 2 Götter im Finale auf sie zu warten. OG zerfetzte das sympathische Team rund um den immer lächelnden Dendi regelrecht.

Wer das nicht glaubt, muss sich nur das dritte Game ansehen. Mircale, der Position 2 Spieler und der derzeit vielleicht gefährlichste Midlaner des Planeten, dachte sich mal fix, einen Position 5 Lion im Finale zu zocken. Das wäre, als ob ein Fußball-Team im Finalspiel der Champions League plötzlich den besten Stürmer der Saison ins Tor stellen würde und der Tormann in den Sturm ginge, da Cr1t- mal schnell einen Carry Riki spielte. Es wirkte, als ob OG dieses Spiel um über 150.000 US-Dollar wie das letzte „Funny Pub Game“ des Abends angehen würde – und trotzdem gewannen sie relativ mühelos! Es stellt sich nach dem Manila Major und der ESL One Frankfurt nur mehr die Frage, wer OG auf dem kommenden TI 2016 besiegen kann.