Life is Strange: Before the Storm – eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Life is Strange: Before the Storm – zwei Hände, die sich umfassen, vor Eisenbahnschienen
Games 29.08.2017

Endlich ist es da: das Prequel zum Überraschungshit Life is Strange. Im ersten Teil waren wir mit Protagonistin Max in der Blackwell Academy unterwegs und hatten mit ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit zu kämpfen, die Zeit zurückspulen zu können. In Before the Storm begleiten wir nun Max‘ Freundin Chloe und werden Zeugen von Erlebnissen, die sich drei Jahre zuvor ereignen. Chloe ist deprimiert, weil ihre beste Freundin aus Arcadia Bay weggezogen ist. Doch dann lernt sie Rachel Amber kennen, mit der sie schon bald eine tiefe Freundschaft verbindet.

Interessanterweise hat nicht Dontnod – das Entwicklerstudio vom ersten Teil – Life is Strange: Before the Storm produziert, sondern Deck Nine Games. Wer das nicht weiß, dem fällt es jedoch nicht auf – optisch und in der Erzählweise ähneln sich beide Teile sehr. Lediglich die Mimik und die Kamerasteuerung während der Zwischensequenzen haben eine sichtbare Verjüngungskur erhalten. Und der Grund für die Auslagerung des Projekts sollte auch alle Fans erfreuen: Dontnod arbeitet derzeit an einem Story-Nachfolger für den ersten Teil von Life is Strange.

Chloe und Rachel: Eine unerwartete Freundschaft

Die mysteriöse Rachel, um deren Verschwinden sich im ersten Life-is-Strange-Teil alles dreht, tritt in Before the Storm unerwartet in Chloes Leben. Die Rebellin und eine der beliebtesten Schülerinnen der Highschool sind auf den ersten Blick ein ungleiches Paar, haben jedoch mehr gemeinsam, als Chloe zunächst denkt. Beider Leben wurden durcheinandergewirbelt und sie geben sich gegenseitig Halt. Außerdem lieben beide Musik, experimentieren mit Drogen und haben dadurch bereits mit Geldproblemen zu kämpfen: Bester Stoff also für ein spannendes Teenager-Drama. Doch neben den alltäglichen Problemen von jungen Erwachsenen gibt es ebenfalls wieder ein mysteriöses Geheimnis zu lüften.

Statt Fotos nun Graffitis

In Life is Strange haben wir mit Max so allerhand Fotos von Dingen und Personen in ihrer Umgebung gemacht und zusätzlich ein Tagebuch geschrieben. Auch Before the Storm greift auf ähnliche Elemente zurück. Chloe beobachtet jedoch nicht wie die zurückhaltende Max, sondern verleiht ihren Gefühlen durch Graffitis Ausdruck, die sie an vielen Stellen hinterlassen kann. Das Pendant zum Tagebuch bilden Briefe. Diese schreibt Chloe an ihre schmerzlich vermisste Freundin Max – schickt sie jedoch nie ab.

Wie verschwand Rachel?

Die große Frage aus dem ersten Teil, auf die wir keine wirkliche Antwort bekommen haben, bleibt auch in diesem Spiel unbeantwortet. Die Entwickler haben sich bewusst für einen zeitlichen Abstand von drei Jahren entschieden, um die Frage, was genau mit Rachel passiert ist, nicht beantworten zu müssen. Außerdem wollen sie neuen Spielern ebenso eine Chance geben, Life is Strange: Before the Storm zu spielen, ohne die Story des ersten Teils zu verraten.

Entscheidungen mit echten Konsequenzen

Da Chloe nicht die gleiche Fähigkeit wie Max besitzt, kann der Spieler in Before the Storm nicht einfach die Zeit zurückdrehen und alle Varianten ausprobieren, bevor er sich endgültig entscheidet. Wie bereits an manchen Stellen im ersten Teil sind im Prequel alle Entscheidungen final. Dabei soll der Spieler bei der Wahl mehr von seinen Emotionen gelenkt werden als von dem Gedanken an die möglichen Konsequenzen. Die Entwickler versprechen zudem mehrere Enden – ein Wiederspielwert ist also gegeben. Dass die unterschiedlichen Enden überhaupt möglich sind, resultiert auch aus dem größeren zeitlichen Abstand zwischen den beiden Games. So bestand noch einiger Spielraum, wie die Vorgeschichte ausgehen könnte. Besonders spannend ist, dass die Beziehung von Chloe und Rachel zumindest ein Stück weit in der Hand der Spieler liegt. Ob sie enge Freundinnen bleiben oder doch ein bisschen mehr daraus wird, hängt von unseren Spielentscheidungen ab.

Essenziell für Life is Strange: Der stimmige Soundtrack

Die musikalische Untermalung der emotionalen Geschichte in Before the Storm ist wieder äußerst gelungen – und war auch ein wichtiger Punkt in der Entwicklung. Gerade der Soundtrack und die perfekt ausgewählten lizenzierten Songs machten Life is Strange nämlich so besonders. Das war sicherlich auch ein Grund dafür, warum das Spiel so viele unterschiedliche Gamer angezogen hat – auch viele, die schon längst dem Teenager-Alter entwachsen gewesen sind. Dem Soundtrack aus dem neuen Teil noch mehr Aufmerksamkeit schenkend, enthält die Deluxe Edition von Life is Strange: Before the Storm neben den drei Episoden – die nacheinander erscheinen werden – einen Mixtape-Modus. Damit kann jeder seine eigene Playlist mit den Songs aus dem Spiel zusammenstellen und immer wieder genießen.