Casual Gamer: Kleine Games, grosser Effekt

Games 22.11.2016

Bald ist jeder zweite Deutsche ein Gamer – wenn die Entwicklung so weitergeht. Unterschiedlichen Umfragen und Studien zufolge spielen in Deutschland bereits rund 30 Millionen Menschen regelmässig Computer- oder Videospiele. Besonders bei der jüngeren Generation sind digitale Spiele gar nicht mehr wegzudenken, was aber nicht bedeutet, dass nicht auch die anderen Generationen beachtlich viel spielen. Acht von zehn jungen Leuten in der Altersgruppe 14 bis 29 spielen regelmässig Computer- und Videospiele, etwa 55 Prozent in der Altersgruppe 30 bis 49, ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen und immerhin 11 Prozent in der Altersgruppe 65 aufwärts. Gaming in allen Ausprägungen und auf allen Plattformen zieht also immer mehr Menschen in seinen Bann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder sozialem und finanziellem Hintergrund. Die grösste Gruppe darunter machen die sogenannten „Casual Gamer“ aus.

Was sind Casual Gamer?

Eine allgemeingültige Definition des Casual Gamers gibt es nicht. Abgeleitet wird der Begriff von den sogenannten „Casual Games“, was sich mit „Gelegenheitsspiele“ übersetzen lässt und solche Spiele bezeichnet, die sich vor allem durch ihre Zugänglichkeit, intuitive Bedienung und zwanglosen Spielspass auszeichnen. Vor allem Browsergames und Mobile-Games fallen in diese Kategorie. Die Bedienung ist denkbar einfach, wodurch man ganz unverbindlich einige Minuten in das Spiel eintauchen kann, um für Unterhaltung zu sorgen. Als Casual Gamer werden auch Leute bezeichnet, die auf Konsolen und PC spielen und nur begrenzte Zeit für Games erübrigen. Demgegenüber stehen die klassischen Computer- und Videospiele, die sogenannten „Hardcore“ bzw. „Core Games“, die sich eher an Spieler richten, die auch bis zu mehrere Stunden am Stück in ein Spiel investieren und sich langfristig mit einem Game auseinandersetzen wollen. Core Gamer, deren zentraler Zeitvertreib Games sind, nutzen den Begriff „Casual Gamers“ daher auch oft abwertend. Dabei sind Casual Gamer für Spieleentwickler langfristig die interessantere und wichtigere Zielgruppe. Im Bereich der Mobile- und Free-to-Play-Games steigen die Umsätze durch Mikrotransaktionen von Jahr zu Jahr rasant an, während es im Kerngeschäft darum geht, möglichst viele Gelegenheitsspieler für das eigene Produkt zu gewinnen.

Der Casual Gamer und die Core Games

Das Informations- und Kaufverhalten von Casual Gamern ist anders als jenes von Core Gamern. Der Hardcore-Zocker informiert sich im Vorfeld, ist immer auf dem neuesten Stand, verfolgt Entwicklungen, Ankündigungen, Tests sowie technologische Fortschritte und kauft sowie spielt einen Grossteil der aktuellsten Games. Der Casual Gamer hingegen informiert sich nicht gezielt und verfolgt das Thema nicht mit demselben Enthusiasmus: Gekauft wird oft, was man kennt und was allgemein beliebt ist. Die erfolgreichsten Spiele aller Zeiten – zum Beispiel GTA V – sind grösstenteils so erfolgreich, weil auch die Gelegenheitsspieler den Hype, die Berichterstattung in den General-Interest-Medien und die Berichte von Freunden aufschnappen. Ein noch besseres Beispiel für Erfolg durch Casual Gamer ist allerding die Nintendo Wii. Mit mehr als 101 Millionen verkauften Einheiten gehört die Wii zu den fünf erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten, obwohl sie für viele Core Gamer völlig uninteressant war. Der Erfolg der Konsole kam vor allem durch Gelegenheitsspieler zustande, die durch die Bewegungssteuerung einfachen Zugang zu dem Gerät und den Spielen gefunden haben. Nicht umsonst ist Wii Sports – vor allem durch Bowling! – das meistverkaufte Videospiel aller Zeiten.

Warum sind Casual Gamer wichtig?

Casual Gamer sind ein Potenzial – ein Potenzial für Spielehersteller sowie Publisher und die gesamte Spieleindustrie. Keine Unterhaltungsindustrie ist in den letzten Jahren so rasant gewachsen wie die der Computer- und Videospielebranche. Dementsprechend versuchen die grossen Fische also auch die wachsende Zielgruppe der Casual Gamer zu bedienen und sie zum Kauf ihrer Hard- und Software-Produkte zu bewegen. Das grösste Wachstumspotenzial der Branche liegt derzeit in der Digitalisierung: Micro-Payments, Free-to-Play-Modelle und konstante Einnahmen in Spielen aller Art sind eine lukrative und stetig wachsende Einnahmequelle für die Branche. Deshalb sehen wir heute immer häufiger optionale Bezahlinhalte wie Boni und Boosts in klassischen Computerspielen. Das ist vielen Core Gamern ein Dorn im Auge und Spiele mit diesen Modellen werden schnell als „Pay-to-Win“ („bezahlen, um zu gewinnen“) verschrien. Dabei richten sich solche Bezahloptionen (in den meisten Fällen) vor allem an Gelegenheitsspieler, die trotz ihres begrenzten Zeitbudgets „mithalten“ und mitmischen wollen – ohne sich zu massive Vorteile durch Investition sichern zu können. Daher sollten Gamer aller Couleur diese Entwicklung eher als Chance betrachten.

Ein wachsender Markt – Chance für alle Gamer

Auch wenn das ein oder andere Geschäftsmodell fragwürdig erscheint – steigende Einnahmen, eine breitere Spielerbasis und eine gesunde Spielebranche bedeuten vor allem eines – mehr Spiele und mehr Risikobereitschaft. Zum einen werden Indie-Entwickler dazu motiviert, ihre Visionen umzusetzen und uns brandneue Spiele zu liefern. Zum anderen sind grosse, finanziell gesunde Publisher eher bereit, Risiken einzugehen und brandneue AAA-Titel zu finanzieren. Ohne Einnahmen durch Spiele und Bezahlinhalte, die sich an die breite Masse und Casual Gamer richten, müssten auch Core Gamer auf neue spannende Titel verzichten und würden fast nur noch Fortsetzungen oder Neuauflagen präsentiert bekommen. Und so lange niemand gezwungen ist, an gewissen Stellen Geld auszugeben, um schneller voranzukommen, und die Vorteile keinen Einfluss auf die eigentliche Spielmechanik haben, gibt es nur selten wirklich Grund zur Aufregung. Und im Prinzip sollten wir als Gamer sowieso zusammenhalten – egal, ob es sich um Candy Crush auf dem Smartphone oder Dark Souls auf der Playstation handelt.