Civilization VI schreibt die Welt neu

Games 09.11.2016

Das Streben nach der Weltherrschaft wird innerhalb der Gaming Community mit zwei unterschiedlichen Marken in Verbindung gebracht. Auf der einen Seite hätten wir „Pinky & the Brain“ und auf der anderen Seite natürlich Civilization. Diese Spiele-Reihe geht nun in die sechste Ausgabe und nachdem sich schon in Civilization V so viel am Gameplay geänderte hat, wie nie zuvor, hat die Community wohl keinen Teil mit größerer Spannung erwartet als die römische 6. Doch hat sich das Warten gelohnt und mit welchem Spielkonzept punktet der Klassiker seit über zwei Jahrzehnten?

Das Spielkonzept von Civilization

Um die markanten Änderungen im neuesten Teil wirklich würdigen zu können, muss zuerst die Grundidee des Spiels verstanden werden. Der Spieler startet mit einer beliebigen Nation auf einer zufälligen Karte oder der Weltkarte und versucht sein Reich von der Steinzeit in die Moderne zu führen und dabei möglichst große Bedeutung auf seinem Planeten zu erlangen. Bei dieser Reise durch die Menschheitsgeschichte ging es immer sehr stark um den technologischen Fortschritt. Außerdem wurden in Civ 5 die Win-Conditions sehr stark verfeinert. So stellt nun der Sieg mittels kulturellem Einfluss eine wahre Alternative zu Militär und Forschung dar. Doch wie wurde dieses Konzept im neuesten Titel erweitert ohne treue Fans vor den Kopf zu stoßen?

Was ist neu in Civ VI?

Während das grundsätzlich Spielziel identisch geblieben ist, hat sich im neuen Game der Fokus leicht verschoben. Gewissermaßen kamen Sim City Elemente hinzu, denn die Städte sind nun nicht mehr auf einem Feld „gestackt“. Das bedeutet, verschiedene Distrikte, wie der Forschungsbezirk, Wohnhäuser oder Dock-Bezirk können nun auf eigenen Feldern erbaut werden. Dieses neue System eröffnet sehr viele Möglichkeiten. So muss eine Stadt beispielsweise nicht mehr direkt am Wasser liegen, um doch irgendwann Schiffe bauen zu können. Militärische Stadtteile können nun auch strategisch zwischen mehreren Städten platziert werden, um mehr Schutz bei niedrigeren Kosten zu bieten. Dieses „Unstacking“ der Städte ist sehr interessant, denn in Civ 5 wurden zum ersten Mal die Armeen „unstacked“ und schon dieser Schritt hat für viel Zuspruch gesorgt. Das Stacking der Militäreinheiten wurde in Civ VI ebenfalls überarbeitet. Zusammenpassende Einheiten können nun zusammengefasst werden, um stärkere Armeen aufzubauen. Es geht in dieser Hinsicht nicht darum, wie in Civ IV und zuvor, wirklich dutzende Truppen auf einem Feld zu haben, sondern um strategisch sinnvolle Überlegungen. Eine Art Mittelweg wird beschritten.

Weniger global sind ebenfalls die Effekte der Zufriedenheit der Bürger und der Handelswege. Es geht, erneut nach dem Sim City Aspekt, viel mehr um individuelle Städte. So bringen Handelsstraßen eben genau die Boni, die sich durch die Eigenschaften der verbundenen Orte und nicht der kompletten Reiche ergeben. Der Fokus wird auch durch diese Mechanik viel mehr auf das Mikro anstatt das Makro gelegt. Die Entscheidungen in den einzelnen Runden besitzen folglich viel mehr Tragkraft. Bezüglich Religion und Forschung wird die Handhabe noch stärker an die wahre Menschheitsgeschichte angepasst. So interagieren Forschungsprojekte mit der jeweiligen Umgebung oder Situation. Warum sollte auch ein Volk, das sich in der Mitte einer Wüste befindet und kein Meer in Reichweite hat, die Technologie des Segelns erforschen. Zudem verläuft die Erforschung einzelner Zweige nicht mehr ganz so linear. Die Religionen, welche in Civ V viel mehr Bedeutung erlangten, erfahren ebenfalls eine sinnvolle Änderung. Die vorherrschende Kultur nimmt nämlich Einfluss auf die Entwicklung der Glaubensrichtungen in den jeweiligen Städten.

Besonders positiv scheint auch die Überarbeitung der KI. Die größte Kritik an Civ V war wohl der niedrige Schwierigkeitsgrad, der sich durch die Wehrfähigkeit der Städte und das „Unstacking“ der Einheiten ergab. Nun besitzen die Computergegner zwei verschiedene Agenden (offen und geheim), denen sie nachgehen und die ihre Entscheidungen stark steuern. Durch diese stark unterschiedlichen Spielstile der anderen Zivilisationen bekommt der eigene Weg zum Sieg, welcher dies auch sein mag, ganz neue Bedeutung. Er wird nämlich in Kontrast zu den anderen kulturellen, wissenschaftlichen oder militärischen Bestrebungen gesetzt. Und genau deshalb scheint der Replay-Value in Civilization VI so hoch wie nie zuvor.