Assassin‘s Creed: Origins – Pyramiden, Intrigen und Adler

Assassin‘s Creed: Origins – Pyramiden, Intrigen und Adler
Games 24.10.2017

Es ist tatsächlich schon zehn Jahre her, dass wir im ersten Assassin’s Creed mit Altaïr über die Dächer von Jerusalem geklettert sind. Seinen Reiz hat der meuchelnde Kletterkünstler – wie auch immer er gerade hieß – eigentlich nie ganz verloren. Trotzdem gab es so einige Schwachpunkte und viele Gamer langweilte das immer gleiche Konzept. Darum hat sich Ubisoft für den neuesten Ableger Assassin‘s Creed: Origins, das im Alten Ägypten zur Zeit der Ptolemäer (oder für die Nicht-Archäologen: um 49 v. Chr.) spielt, etwas Zeit genommen. Unter anderem durch einen erhöhten Rollenspiel-Anteil hat das Action-Adventure ein paar Neuerungen erfahren und soll nun einige verlorengegangene Gamer zurück zur Serie bringen.

Auf nach Ägypten zu den Anfängen der Assassinen

Ptolemäus XIII., der Bruder von Kleopatra, herrscht in Ägypten. Das Land ist bereits seit etwa 300 Jahren stark geprägt durch die Griechen, die mit Alexander dem Großen ins Land kamen. Die Traditionen und Werte der Ägypter und ihre jahrtausendealte Kultur vermischen sich nach und nach mit der griechischen. Und nun hat noch ein weiterer Player Interessen am Land am Nil: die Römer. In dieser Zeit des Umbruchs spielt die Geschichte von Bayek. Er ist ein Medjau, eine Art Wächter Ägyptens. Ein Medjau sorgt für Ordnung im Staat – eine Funktion, die bereits fast in Vergessenheit geraten ist. Klassischerweise geht es in Assassin‘s Creed um den Konflikt zwischen Templern und Assassinen – doch Origins spielt lange vor der Zeit der Templer. In diesem Spiel legen wir uns mit den Vorgängern der Templer an: dem Orden der Ältesten. Er agiert im Geheimen und hat wichtige Mitglieder in hohe politische Positionen eingeschleust. So will er die alte Ordnung mit der gottgleichen Stellung des Pharaos wiederherstellen. Bayek und seine Frau Aya, die mit ihm gemeinsam kämpft, legen sich mit dem Orden an. Ihr oberstes Ziel: Ägypten zu beschützen. Und so werden beide im Laufe der Geschichte die ersten Mitglieder der Assassinen-Gilde.

Bekanntes Gameplay mit neuen Details

Wie es für gute Assassinen üblich ist, klettern wir geschickt an allen Wänden hoch, sprinten über die Dächer der Stadt und erledigen neben der Hauptstory allerhand Nebenmissionen. Zum Beispiel befreien wir Gefangenen aus einem Banditenlager, stellen detektivische Untersuchungen an oder tun unseren Mitmenschen kleinere Gefallen. Zu unseren Zielorten navigiert uns jetzt übrigens nicht mehr die Mini-Map, sondern ein Kompass. Für den größeren Überblick und um Ziele überhaupt ausfindig zu machen, steht uns ein Adler zur Verfügung, mit dem wir uns bei Bedarf in die Lüfte schwingen. Erfahrung, die wir in den Missionen sammeln, zählt in Origins dank des neuen Level-Systems mehr denn je. Bayeks Fähigkeiten müssen ausgebaut werden, und zwar mit Erfahrungspunkten. Nur so können wir es im Laufe des Spiels mit den härteren Gegnern aufnehmen. Eine weitere Neuerung: Der Schwierigkeitsgrad lässt sich jederzeit anpassen. So wollen die Entwickler eine größere Gruppe von Spielern ansprechen.

Mehr Duelle statt Massenschlachten: Das neue Kampfsystem

Auch das Kampfsystem hat in AC: Origins einige Überarbeitungen erfahren. Der Fokus liegt stärker auf den Kämpfen Mann gegen Mann. Dabei kommt es darauf an, geschickt auszuweichen, zu blocken und Angriffe zurückzuwerfen. Welche Waffe wir wählen, macht dabei einen spürbaren Unterschied: Der lange Speer erfordert im Vergleich zur Doppelklinge eine ganz andere taktische Herangehensweise. Traditionalisten können beruhigt sein, denn natürlich erledigen wir unsere Gegner auch weiterhin heimlich. Festzuhalten bleibt: Die Mischung aus Schleichen und Action ist wie gewohnt gut gelungen.

Discovery Tours: Für entspannte Entdecker

Dank der erneuten Zusammenarbeit mit Historikern ist es Ubisoft erneut gelungen, eine tolle und glaubwürdige Kulisse zu erschaffen. Und wer diese liebevoll gestalteten Welten schon immer mal ganz in Ruhe entdecken wollte, kann dies in AC: Origins jetzt tun – den sogenannten Discovery Tours sei Dank. Dabei handelt es sich um einen neuen Spielmodus, den es voraussichtlich 2018 im Rahmen eines kostenlosen Updates geben wird. Dabei sind sämtliche Gegner verschwunden und wir können ohne störende Zwischenfälle einfach unserer Wege ziehen. Zusätzlich wird uns an wichtigen historischen Stätten von Geschichtswissenschaftlern noch eine Art Audio Guide vorgetragen – quasi ein eingebauter Walking Simulator.

Fazit: Mehr Rollenspiel, trotzdem typisch AC

Das Wichtigste ist: Origins fühlt sich an wie ein waschechtes Assassin‘s Creed. Uns hat zudem das Setting sehr begeistert. Zwar würden wir nicht behaupten, dass die Serie komplett neu erfunden wurde, doch die etwas längere Pause hat auf jeden Fall gut getan. Auch, weil wir so überhaupt mal wieder so etwas wie Vorfreude entwickeln konnten. Alle, die Assassin‘s Creed bisher die Treue gehalten haben, werden auch mit Origins Spaß haben. Und alle anderen, die sich irgendwann im Laufe der letzten zehn Jahre etwas gelangweilt abgewendet haben, sollten der Reihe eine neue Chance geben.