Gaming Frust – Zeit, es raus zu lassen!

Games 06.04.2016

Das nächste Spiel scheint schon wieder verloren. Die Stimme im Teamspeak schlägt langsam immer höhere Töne an. Es fehlt nur mehr ein Headshot, ein Kommentar oder ein Missclick, damit der letzte Nervenstrang reißt. Wenn sich dann die angestaute Wut, der ganze Frust entlädt, wird aus dem ansonsten so friedlichen Gamer ein Berserker und kaum etwas im Zimmer scheint sicher zu sein. Mäuse fliegen durch das Zimmer oder das Kabel des Headsets reißt durch ein plötzliches Herausspringen aus dem Stuhl. Keyboards donnern gegen den nächsten Kasten, bis der Fußboden einer Buchstabensuppe gleicht, und so manches Mal konnte selbst ein teurer Bildschirm den Amoklauf nicht überleben. Wir gehen dem Gaming Frust und möglichen Präventionen ein wenig auf den Grund, denn das wahre Opfer ist meist die teure Technik.

Hinweis: Wir konzentrieren uns hier auf Frust in Multiplayer-Spielen. Selbstverständlich kann ein hoher Schwierigkeitsgrad im Singleplayer ebenfalls zu Zerstörung im Spielzimmer führen, aber meist gehört dies vielmehr in die Abteilung Herausforderung und nicht in den Bereich Frust.

Der RNG Frust Faktor

Videospiele mit eingebauten Zufallseffekten können besonders schnell für kochende Gemüter sorgen. Gerade wenn man sich in einem Game schon weit hinten befindet, aber trotzdem verbissen für das Comeback kämpft, schlägt der „Random Number Generator“ besonders gerne hart zu. In diesen Situationen fühlen sich Gamer oft extrem hilflos und die einzig mögliche Reaktion scheint Frust und Wut sein. Leider wirken diese Gefühle besonders kontraproduktiv. Vielleicht kann mit dem Gegner nicht einmal direkt kommuniziert werden, ohne eine Freundschaftsanfrage zu senden. Es bleibt also ein Monolog des Zorns, mit dem sich nur der Verlierer belastet. Doch selbst wenn eine Kommunikation im Bereich des Möglichen liegt, möchte der unterlegene Spieler nur zum Ausdruck bringen, dass dem Gewinner nur das Glück hold war, aber seine Fähigkeiten nichts zum Triumph beigetragen haben. In den meisten Fällen sieht dies der Sieger jedoch komplett anders, und demnach treffen zwei Spieler aufeinander, die in Sprachen sprechen, wie sie einander fremder nicht sein könnten. Der Frust kennt in diesen Situationen kaum Grenzen.

Tipps gegen den RNG Frust Faktor: Viele erfahrene Profispieler in Games mit bedeutendem Einfluss von Glück empfehlen das Gesamtbild nicht aus den Augen zu verlieren. In diesen Videospielen erreichen selbst die besten Spieler der Welt selten Win-Rates von über 80 %. Wenn jedoch konsistent gut gespielt wird, macht sich der Skill über zahlreiche Games sehr wohl bemerkbar, denn das Glück wechselt garantiert irgendwann die Seiten. Zudem gehört es zu solchen Videospielen das Verlieren zu lernen und sich nicht davon frusten zu lassen. Erst dann wird man wirklich besser!

Der Tilt Frust Faktor

Aber ein langsames Abgleiten in die Verzweiflung gehört auch ohne misslaunige Glücksgötter zum Gaming. Verschiedene Shooter oder MOBAs besitzen sehr wenig RNG. Trotzdem bergen sie eine Vielzahl an Quellen für außerordentlichen Frust. Die Teamkollegen können trollen, die Skillshots gehen immer daneben oder die Gegner verlassen sich nur auf cheesy Gameplay. Trolls im eigenen Team können zwar ebenso dem Pech im Matchmaking zugesprochen werden, aber meist steckt noch mehr dahinter. Wenn sich schon ein gewisses Maß an Frust angestaut hat, reagieren Gamer meist sehr überzogen auf kleine Fehler ihrer Teammates. Damit beginnt der Teufelskreis. Diese Anfeindung frustet wiederum den Empfänger der Kritik, der sich verteidigen möchte oder sich einfach nur mehr komplett querstellt und irgendwo an einem nutzlosen Ort campt. Da hinter der Kritik jedoch die Hoffnung stand, das Game doch noch zu gewinnen und so dem Frust den Kampf anzusagen, lässt diese Reaktion alle Stricke reißen. Irgendwann leidet dann auch noch die eigene Leistung unter all dem Zorn und die finale Station vor dem endgültigen Tilt ist die Kritik am eigenen Spielvermögen, welches durch den Frust geschwächt wurde.

Tipps gegen den Tilt Frust Faktor: Die leicht klingende, aber oft unmöglich erscheinende Empfehlung kennt jeder Gamer: Einfach eine Pause einlegen! Eine Alternative wäre es, sich selbst zu opfern. Sprich einfach in eher ungeliebte Rollen als Supporter zu wechseln. Das sollte für genug Respekt von den Teammates sorgen, damit auch diese wieder ihr Bestes geben. Wenn selbst das nicht gut genug ist, dann hilft nur eine göttliche Leistung oder tatsächlich die Pause, um den Frust zu besiegen, der oft ein größerer Gegner sein kann, als der schlimmste Cheese des unfairsten Teams.