Virtual Reality – Exklusive Experten-Einsichten

Games 23.12.2015

Einige Zukunftsträume aus der originalen Star Trek Serie wurden bereits verwirklicht oder sogar übertrumpft. Unsere heutigen Smartphones sprengen die Leistungsfähigkeit der Kommunikatoren mit Leichtigkeit. Manche behaupten sogar, dass moderne Bildgebungsverfahren in der Medizin von Star Trek und McCoy inspiriert wurden. Wir könnten im nächsten Jahr an der Schwelle zu einer Entwicklung stehen, welche eine weitere Phantasie aus Star Trek alltägliche Wirklichkeit werden lässt. Die Fortschritte im Bereich Virtual Reality werden nicht nur das Gaming revolutionieren, sondern könnten mittelfristig das „Holo Deck“ in unseren Alltag einziehen lassen.

Um unsere Neugierde zu befriedigen führten wir ein Exklusiv-Interview mit dem VR-Experten und Mitbegründer der ersten Virtual Reality Lounge in Wien, mit Timon vom vrei.

paysafecard: Stelle dich bitte kurz vor!

Timon: Hi, ich bin Timon, einer der vier Gründer der Virtual Reality Lounge namens "vrei". Wir sind ein Team aus VR-Enthusiasten mit der Vision in gemütlicher Bar-Atmosphäre jedem die Möglichkeit zu geben, bei Drinks und Snacks einen Blick in virtuelle Welten zu werfen und aus diesem Lokal hier im 7. Bezirk einen Virtual Reality Hub zu machen.

paysafecard: Es gab sowohl in Bezug auf Virtual Reality als auch in Sachen 3D Filme schon eine Trendphase in den 90iger Jahren (Jaws 3D oder der Virtual Boy) und ein kürzliches Revival beider Konzepte mit scheinbar großem Erfolg. Liegt diese Entwicklung nur am technischen Fortschritt des VR Gaming bzw. der 3D Filme oder warum schlagen die gleichen Konzepte sehr viel stärker ein, wie Avatar und die Gamescom schon bewiesen haben?

Timon: Ich glaube es liegt auch sehr stark daran, dass Virtual Reality, ähnlich zu 3D, nach dem einstigen Flop mangels Qualität und Content fast komplett in Vergessenheit geriet und jetzt, wo man durch den Fortschritt wesentlich mehr Möglichkeiten hat, die ganze Sache einen völlig neuen "Ersteindruck" vermittelt und sich so daraus ein neuer Hype entwickeln konnte. Allerdings würde ich an diesem Punkt auch schon aufhören 3D und VR gleichzusetzen. Selbst wenn ein "Avatar" Rekorde gebrochen hat und sich heute kaum ein Filmstudio mehr traut auf 3D Filme zu verzichten, haben doch die wenigsten einen 3D Fernseher zu Hause, bei dem die Funktion dann auch wirklich genutzt wird. Dafür ist der Mehrwert, nicht wie im Kino, einfach zu gering. Auch der Virtual Boy war damals kein wirkliches VR-Device, sondern eine 3D-Konsole (die ich aber schon richtig cool fand). Mit aktuellen Virtual Reality Brillen betreten wir im wahrsten Sinne des Wortes eine ganz neue Welt des Medienkonsums, deren Potenzial erst noch viel mehr ergründet werden wird.

paysafecard: Welche Anwendungen von VR haben derzeit den größten Reiz?

Timon: Das kommt immer ganz darauf an, wer gefragt wird. Es geht ja auch nicht jeder wegen dem selben Genre Film ins Kino. Abseits des Entertainments ist VR schon länger im Einsatz, aber 2016 wird das Jahr der kommerziellen Virtual Reality. Die Geräte der drei Big Player Sony, Oculus und HTC erscheinen bis spätestens Q2 und mit Ihnen kommt eine Fülle an Content. Vom 360° Realfilm zum Animationsfilm, vom Lernprogramm bis hin zu technischen Anwendungen, aber nicht zuletzt durch die Gaming Industrie wird sich VR hoffentlich zu einem fixen Bestandteil der gegenwärtigen Heim-Elektronik etablieren. Auf welche Ideen die Entwickler noch kommen werden, wenn nicht mehr nur versucht wird, altbekannte Konzepte in das neue Medium zu übernehmen, bleibt mit Spannung abzuwarten. Persönlich freue ich mich sehr auf „Holodeck-artige“ Erlebnisse, wie sie momentan von HTC und Valve demonstriert werden. In diesen Simulationen können sich die User tatsächlich physisch im Raum bewegen und mehr oder minder mit vollem Körpereinsatz die virtuellen Welten erkunden.

paysafecard: Welche Games sind die aktuellen oder baldigen Top-Titel?

Timon: Wir warten natürlich alle gespannt auf AAA Games wie zB Elite Dangerous. Generell erleben Weltraumsimulationen eine neue Renaissance. Spiele in denen der Gamer in einem Cockpit sitzt, sind grundsätzlich prädestiniert für VR. Rennspiele und Titel wie der Euro Truck Simulator haben sich aus gutem Grund beeilt die neuen Geräte zu unterstützen. Gruselszenarios erleben derzeit genauso einen Hype, weil auf Ängste und Phobien im Allgemeinen extrem wirksam abgezielt werden kann.

Wie gesagt, ist in der Entwicklung noch viel Pionierarbeit von Nöten und diese setzt viel Kreativität der Produzenten, neue Blickwinkel und Herangehensweisen voraus. Es bleibt immer die Frage der Interaktion. Input Devices wie Controller, Tastatur und Maus sind wohl nicht die geeigneten Mittel um den Spieler die VR-Welten real erscheinen zu lassen. Das funktioniert beispielsweise mit einem echten Lenkrad für ein Rennspiel schon sehr viel besser. Aber genau deshalb hat sich jeder der Brillen-Hersteller Gedanken gemacht und bringt „Handbewegung-erfassende Eingabegeräte“ auf den Markt - ähnlich dem Konzept der Wii Controller.

paysafecard: Wohin wird die Reise noch gehen und welches Potential bietet VR in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Timon: Ich glaube, dass VR in dieser Zeit vorwiegend im öffentlichen Raum Einzug hält. Zum Beispiel werden gerade in Museen virtuelle Pyramidengänge gebaut, durch die Besucher tatsächlich mit animierter Fackel laufen können, um sich die Wandmalereien und Gräber aus nächster Nähe anzusehen. Ob es speziell im Gaming Sektor so schnell zu einem so massiven Erfolg wird, wie viele hoffen, bleibt abzuwarten. Sehr spannend wird, wie sich die Filmindustrie an dieses neue Medium wagen wird. Steven Spielberg dreht beispielsweise schon jetzt seinen ersten VR-Film und Pixar bringt zum Release der Oculus Rift einen Animationsfilm heraus. Filme können eben auch sehr gut auf Smartphones dargestellt werden, die sich mit Hilfe einer günstigen Box (inklusive Linsen) schon heute einfach zu einer VR-Brille umfunktionieren lassen.

YouTube hat erst vor kurzem die VR-Unterstützung für 360° Filme integriert, genauso wie Facebook auf dem Gebiet ordentlich Druck macht, um zB Trailer zum neuen Star Wars Film in VR anzubieten. In fünf Jahren halten wir wahrscheinlich schon eine neue Version der Brillen in Händen, welche dann wahrscheinlich schon „wireless“ funktioniert, ohne auf die Rechenleistung eines Top PCs verzichten zu müssen und darüber hinaus könnte es spannend werden, was die Verschmelzung von VR und AR (Anm. der Redaktion: Augmented Reality – erweiterte Realität) betrifft. Ich denke in zehn bis 15 Jahren, wenn der heutige 3000,- Euro Computer in die Hosentasche passt und Medienbrillen im Rayban Design erhältlich sind, wird es nur noch ein kurzer Voice-Befehl sein um sich die GPS Route beim Autofahren einblenden zu lassen oder sich im Zug in andere Welten versetzen zu können. Es wird auf jeden Fall aufregend.

paysafecard: Wir bedanken uns bei Timon und beim vrei für die extrem spannenden Einsichten und erwarten die neuen Entwicklung im Bereich Virtual Reality mit großer Spannung.